Die Diskussion um unpünktliche S-Bahnen schlägt Wellen. Foto: Max Kovalenko

Zu spät, zu voll, zu schmutzig – der Aktionstag der Stuttgarter Nachrichten zur S-Bahn belegt: Die Nahverkehrsnutzer aus Stuttgart und der Region sind wütend über den Zustand des S-Bahn-Betriebs. Mehrere Hundert Leserinnen und Leser lassen kaum ein gutes Haar an der Deutschen Bahn. Ein Auszug der Zuschriften.

Zu spät, zu voll, zu schmutzig – der Aktionstag der Stuttgarter Nachrichten zur S-Bahn belegt: Die Nahverkehrsnutzer aus Stuttgart und der Region sind wütend über den Zustand des S-Bahn-Betriebs. Mehrere Hundert Leserinnen und Leser lassen kaum ein gutes Haar an der Deutschen Bahn. Ein Auszug der Zuschriften.

Stuttgart - Was Leser Winfried Deeg aus Weinstadt im Rems-Murr-Kreis schildert, liest sich wie ein Protokoll des Chaos:

„Freitag, 8. 11. 2013, Fahrt mit S 2 in Richtung Stuttgart:

Planmäßige Abfahrt ab Beutelsbach 7.30 Uhr, tatsächliche Abfahrt 7.42 Uhr, drei Minuten vor der nächsten geplanten Abfahrt.

Auf dem Bahnsteig Reisende für zwei Bahnen! Der Zug war kürzer als üblich, daher mussten einige Personen im Laufschritt dem letzten Wagen hinterherrennen, um ihn noch zu erreichen. Die Wagen waren überfüllt, der Zug kam in Stadtmitte mit 15 Minuten Verspätung an.

Rückfahrt von Stadtmitte Richtung Schorndorf:

Planmäßige Abfahrt 9.03 Uhr, tatsächliche Abfahrt 9.17 Uhr. Zusätzlicher Aufenthalt in Waiblingen wegen überholender Regionalbahn. Lautsprecherdurchsage in Waiblingen: Die S-Bahn fährt nur bis Grunbach, kein Hinweis auf Gründe oder Ersatzverkehr. Ankunft in Beutelsbach mit 18 Minuten Verspätung!“

Mehrere Hundert Leserinnen und Leser der Stuttgarter Nachrichten haben sich am Montag an unserem S-Bahn-Aktionstag beteiligt. Winfried Deegs Beschreibung steht dabei exemplarisch für den Tenor der überwiegenden Mehrheit der Zuschriften: Die Verspätungen im S-Bahn-Verkehr betragen nicht nur wenige Minuten, sondern oft eine Viertelstunde und mehr. Unpünktlichkeiten sind demnach die Regel und nicht die Ausnahme. Carsten Speicher aus Auenwald (Rems-Murr-Kreis) hat Buch geführt. Er fährt häufig mit der Linie S 3. Neun von zehn Zügen hätten mehr als fünf Minuten Verspätung. Um das Nadelöhr zwischen den Haltestellen Hauptbahnhof und Schwabstraße mit sieben Linien zu entschärfen, fordert Jagat Eberding via Computernetzwerk Facebook „einen zweiten Innenstadttunnel“ wie in der bayerischen Landeshauptstadt München.

Tom Ott aus Renningen (Kreis Böblingen) schreibt von chaotischen Zuständen bei der S 60, die um 7.09 Uhr in Renningen startet, und benennt einen Grund für die Unpünktlichkeit. „Weil die S 60 nur im Halbstundentakt und als Kurzzug verkehrt, zwängen sich alle Schüler (. . .) und Studenten in diese S-Bahn.“ Längere Haltezeiten seien die Folge. Am Halt Maichingen-Nord hat er beobachtet, dass drei Schüler wegen Überfüllung am Bahnsteig zurückblieben. Schon ein längerer Zug würde die Lage seiner Ansicht nach entspannen. Laura Kergl ist Lehrerin und erlebt regelmäßig die Folgen solcher Situationen. Auf Facebook schreibt sie uns: „Meine Schüler kommen in Karawanen zu spät.“ Für Thomas Horvath sind viele Fahrgäste aber selbst schuld an der Verspätungsmisere, viele Leute blockierten die Zugänge zu den Zügen, nur damit „Cliquen geschlossen mitfahren können“. Hier hat die Bahn bereits zugesagt, zusätzliches Personal bereitzustellen, das Fahrgäste „zu einem rascheren Aus- und Einsteigen dirigiert“, wie ein Bahn-Sprecher formuliert.

Neben Klagen über unpünktliche oder ausgefallene Züge, monieren viele Leserinnen und Leser die unzureichenden Informationen an den Bahnsteigen und den teils ­desolaten Zustand der S-Bahn-Haltestellen. Ständig seien an Schwabstraße, Feuersee und Stadtmitte die Aufzüge und Rolltreppen defekt, bemängelt Tina Guth. Als junge Mutter, die häufig mit Kinderwagen unterwegs ist, ein unhaltbarer Zustand. An Wochenende seien Aufzüge, weil vollgepinkelt, oft nicht zu benutzen.

Ein Leser hat beobachtet, dass am Bahnhof Vaihingen ein Aufzug vier Wochen lang nicht funktionierte. In den meisten Fällen könne die Bahn hier wenig ausrichten, „die Masse der durch Vandalismus hervorgerufenen Schäden ist kaum zu bewältigen“, so der Sprecher. Wartezeiten auf Ersatzteile täten ihr Übriges.

Als chaotisch empfinden etliche Leser die Fahrgastdurchsagen an den Bahnsteigen: akustisch zu unverständlich, inhaltlich zuweilen verwirrend. So erlebte Philip Pohl die Ansage von zwei ausgefallenen Zügen der Linie S 6, wo dann aber nur einer ausfiel, wie sich später offensichtlich herausgestellt hat.

Einige Leser plädieren dennoch für weniger Aufgeregtheit: „Wir jammern auf hohem Niveau“, stellt Ansgar Constantin fest. In Frankfurt und München seien die S-Bahnen wesentlich unpünktlicher. Ein paar Minuten Verspätung seien zu verschmerzen, viel schlimmer empfinde er die überfüllten ­Züge, schreibt ein Leser auf Facebook.

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