Auf die Pünktlichkeit der S-Bahn in der Region Stuttgart ist kein Verlass mehr. Die Werte sind 2013 erneut gesunken. Foto: PPFotodesign

Die S-Bahnen in Stuttgart und der Region waren noch nie so unpünktlich wie im Jahr 2013. Nur noch 86,2 Prozent aller Züge schafften weniger als drei Minuten Verspätung zu den Fahrplanvorgaben. Vorgeschrieben sind 94,5 Prozent.

Die S-Bahnen in Stuttgart und der Region waren noch nie so unpünktlich wie im Jahr 2013. Nur noch 86,2 Prozent aller Züge schafften weniger als drei Minuten Verspätung zu den Fahrplanvorgaben. Vorgeschrieben sind 94,5 Prozent.

Stuttgart - Seit drei Jahren veröffentlicht die DB Regio, eine Konzerntochter der Deutschen Bahn, die Pünktlichkeitswerte (Tagesdurchschnitt) für die von ihr betriebene S-Bahn im Internet. Die neue Offenheit kam damals nicht von ungefähr. Im Zusammenhang mit dem Projekt Stuttgart 21 war der wichtige Drei-Minuten-Grenzwert 2010 erstmals unter 90 Prozent gefallen. Es hagelte Kritik. DB Regio reagierte mit einem ungewohnten Transparenzversprechen und stellte fortan die monatlichen Durchschnittswerte für die Drei- und Sechs-Minuten-Pünktlichkeit ins Netz.

Die Überwachung dieser beiden Pünktlichkeitsmarken ist mit dem Verband Region Stuttgart (VRS) vereinbart. Der VRS bestellt und bezahlt alle Fahrten und sollte eine Strafzahlung kassieren, wenn die Bahn die Vorgaben nicht schafft. Diese liegt aber nur bei maximal 62 000 Euro und kann entfallen, wenn die Bahn die Vorgaben bei den Themen Sicherheit und Sauberkeit übererfüllt.

Die neuen Katastrophenzahlen lauten für 2013 nun 86,2 statt 87 Prozent (2012) bei der Drei- und 95,9 statt 96,5 Prozent bei der Sechs-Minuten-Pünktlichkeit. Die in allen Vorjahren noch wesentlich schwächeren Pünktlichkeitswerte für die Hauptverkehrszeit (6 bis 9 und 15.30 bis 19 Uhr) veröffentlicht DB Regio nicht im Internet. 2012 schafften es nur noch 75,3 Prozent aller S-Bahnen, im Hauptverkehr weniger als drei Minuten verspäten zu sein. Die Vorgabe liegt bei 91,5 Prozent.

Ein Verspätungswert von drei Minuten ist im dicht getakteten Bahnverkehr für das Umsteigen wesentlich. Wer zu spät kommt, verpasst seinen Anschluss. Das trifft vor allem die an den Außenästen des S-Bahn-Systems wohnenden Pendler, die auf Busse oder andere Bahnen umsteigen und bei entsprechender Verspätung je nach Takt bis zu 30 Minuten verlieren können.

2010 sorgte der Abbau eines kurz vor der Einfahrt unter dem Hauptbahnhof stehenden Signals für den Durchhänger bei der S-Bahn. Der Signalabbau geschah wegen des Tiefbahnhof-Projekts Stuttgart 21.

„Die Maßnahmen greifen nicht von heute auf morgen“

Der Sündenbock des vergangenen Jahres hört auf das Kürzel ET 430. Gemeint ist damit die mit blumigen Worten angekündigte neue S-Bahn-Generation des Herstellers Bombardier. DB Regio hatte in Zusammenhang mit dem neuen, bis 2028 geltenden S-Bahn-Vertrag 87 der neuen Züge bestellt. Sie erwiesen sich als sehr störanfällig.

Im Juli zog DB Regio die Notbremse und zog die wenigen bis dahin ins System geschleusten Fahrzeuge aus dem Verkehr. Erst am 13. Dezember erfolgte der Neustart, allerdings mit abgeschaltetem Schiebetritt. Das ist ein ausfahrbares Stück Blech unter den Türen, das den Spalt zwischen Bahnsteig und Zug überbücken soll. Bis Dezember hatte Bombardier 13 Fahrzeuge des neuen Typs nach Stuttgart geliefert, weitere 74 standen beim Hersteller auf Halde.

Die neuen Fahrzeuge hatten auf die Pünktlichkeitswerte eine durchschlagende Wirkung. Im Juni sank die Drei-Minuten-Pünktlichkeit auf 82,6 Prozent. Unterboten wurde sie nur noch im November mit 80,8 Prozent. Die Entwicklung schlug direkt auf die Zahl der Beschwerden durch. Der Verkehrsverbund (VVS) registrierte 2013 gegenüber 2012 satte 40 Prozent mehr Anrufe von Kunden, die ihren Unmut zu Protokoll geben wollten. Eine absolute Zahl könne noch nicht genannt werden, sagte VVS-Sprecherin Ulrike Weissinger am Dienstag. Klar sei aber, dass der Verbund „nicht der Verursacher ist“.

Um wieder besser zu werden hat DB Regio im Oktober Verbesserungen wie zum Beispiele mehr Personal an den Bahnsteigen, zentrales Türschließen durch den Fahrer und Monitore zur Bahnsteigüberwachung angekündigt. Das Programm läuft unter dem Titel „Jede Sekunde zählt“.

„Die Maßnahmen greifen nicht von heute auf morgen“, sagt Regionaldirektor Jürgen Wurmthaler. Er wolle deshalb nicht sagen, „dass wir die Talsohle schon durchschritten haben“. Immerhin sei der erste Zug des Typs ET 430 im Dezember störungsfrei gefahren, was ihn hoffen lasse.

Wurmthaler verteidigt die Erneuerung der Flotte. Vor der Sommerpause 2014 werde der Regionalverband Bilanz ziehen und aufzeigen, „welche Möglichkeiten es bei der Verbesserung der Infrastruktur noch gibt“. Infrastruktur zu erneuern sei allerdings immer teuer. Wumthaler will auch analysieren, auf welche Faktoren der Verband keinen Einfluss hat. Selbst Verspätungen in den Bahnknoten München, Frankfurt und Mannheim beeinflussten wegen der Bevorrechtigung des Fernverkehrs den Stuttgarter S-Bahn-Betrieb .

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