Beliebte Zuflucht: Kaum jemand gibt einen Schrebergarten zurück, wenn man ihn einmal hat. Foto: Jürgen Bach

Zu Beginn der Coronakrise ist die Nachfrage nach Kleingärten explodiert, auch weil das Reisen nicht oder nur eingeschränkt möglich war. Das ist seit einiger Zeit anders. Ist es deshalb leichter geworden, ein Gartengrundstück zu bekommen?

Eigenes Gemüse anbauen, in der Erde buddeln, in der Sonne Blumen wachsen sehen: Mit einem Schrebergarten sind viele Sehnsüchte verbunden – doch die Nachfrage ist dementsprechend seit Jahren größer als das Angebot.

 

So verzeichnet die Stadt Stuttgart derzeit 3301 Interessenten auf der sogenannten Pachtvormerkliste, also einer Warteliste für Schrebergärten. Dazu muss man wissen: Die Stadt verpachtet lediglich 4300 Gartengrundstücke. Es müssten also rund Dreiviertel der jetzigen Pächter ihre Gärten abgeben, damit alle Menschen auf der langen Warteliste auch zum Zug kämen.

Warteliste in Stuttgart geschlossen

Dazu kommt: Seit zwei Jahren man sich gar nicht mehr auf die Warteliste schreiben lassen. Im Mai 2021 gab es einen Aufnahmestopp. Dieser musste „wegen der exorbitanten Steigerung der Nachfrage verlängert werden“, sagt eine Sprecherin der Stadt. Je nach Stadtgebiet betrage die Wartezeit auf einen Schrebergarten derzeit acht bis zwölf Jahre. „Da aktuell deutlich weniger Gärten gekündigt und zurückgegeben werden, wird sich dieser Zeitraum voraussichtlich noch verlängern“, sagt sie.

Wer über die Stadt keinen Erfolg hat, kann es auch über den Bezirksverband der Gartenfreunde Stuttgart versuchen. Dort haben sich rund 40 lokale Vereine zusammengeschlossen. Der Bezirksverband betreut in Stuttgart rund 3000 Parzellen und 700 in Ludwigsburg, einige weitere in Schwieberdingen (Kreis Ludwigsburg) und Leonberg-Höfingen (Kreis Böblingen). Doch auch dort sei die Nachfrage nach wie vor hoch, sagt Sabine Metzger, die Vorsitzende des Bezirksverbands. „Rückgaben der Gärten finden nur sehr vereinzelt statt.“

In Esslingen hat der Meistbietende den Vorrang

Ähnlich ist es in der Region: Im Kreis Böblingen etwa hätten die 19 Kleingartenvereine, die im dortigen Bezirksverband organisiert sind, seit Beginn der Pandemie rund 600 Anfragen von Interessenten erhalten, sagt der Vorsitzende Robert Fritsch. Selbst in ländlichen Gegenden wie etwa in Bondorf bei Herrenberg, wo er Vorsitzender des dortigen Gartenvereins ist, stünden derzeit rund 40 Personen auf der Warteliste – bei maximal einem frei werdendem Garten pro Jahr. „Im Moment ist es relativ schwierig, einen Kleingarten zu bekommen.“

In Ludwigsburg verweist die Stadt ebenfalls darauf, dass die Zahl der Gartensuchenden „sprunghaft angestiegen“ sei. Inzwischen stünden an die 1000 Interessenten auf der Warteliste – bei rund 750 Grundstücken, heißt es. Pro Jahr könne die Stadt nur etwa 15 bis 20 frei werdende Pachtgärten neu vergeben. In Esslingen vergibt die Stadt freie Gartengrundstücke – von denen es zurzeit ebenfalls keine gibt – an den Interessenten, der den höchsten jährlichen Pachtbetrag bietet.

Stuttgart plant digitale Datenbank für Kleingärten

Man brauche bei der Suche „Geduld und ein Quäntchen Glück“, meint Sabine Metzger vom Stuttgarter Bezirksverband. Sie empfiehlt, die Fühler nach mehreren Vereinen auszustrecken, auch wenn der Weg zur Gartenanlage dann etwas länger dauere. Zudem sollte man sich vor der Bewerbung mit den Regeln, Pflichten, Abläufen und Mitgliedsbeiträgen beschäftigen oder beim Vorstand erfragen, rät sie. Das helfe bei der Entscheidungsfindung, ob das Kleingärtnern etwas für die eigene Zukunft ist oder nicht.

Unterdessen hat es sich die Stadt Stuttgart zur Aufgabe gemacht, die Wartelisten für Schrebergärten künftig in einer digitalen Datenbank zu verwalten. Damit soll der Verpachtungsprozess beschleunigt werden. Falls ein Grundstück neu verfügbar ist, sollen potenzielle Pächter eine automatische E-Mail bekommen. Sobald dies möglich ist, will die Stadt auch wieder Interessenten für städtische Kleingärten aufnehmen – voraussichtlich von Herbst 2023 an.