Die Polizei hat beim bundesweiten Aktionstag nicht nur auf Handyverstöße geachtet. Foto: Lg/Julian Rettig

Die Polizei zieht Bilanz des großen Kontrolltags, bei dem es in erster Linie darum ging, die verbotene Handynutzung am Steuer zu ahnden. Doch den Polizisten fielen auch eine Reihe anderer Verstöße auf.

Stuttgart - Eigentlich ist die Polizei am Donnerstag bundesweit in erster Linie im Einsatz gewesen, um die Handynutzung am Steuer zu ahnden. Doch es sind dabei auch Fakten zutage getreten, mit denen die Beamten nicht gerechnet haben. So wundert man sich bei der Stuttgarter Polizei darüber, dass man bei 143 kontrollierten Autos und 55 Lastwagen tatsächlich auf 53 Fahrer kam, die keinen Sicherheitsgurt trugen – also fast jeder vierte. Mit Handy in der Hand ertappten die in Stuttgart eingesetzten 94 Beamten 72 Fahrer in den kontrollierten Fahrzeugen. Auch ein Radfahrer telefonierte. Da der ablenkende Blick auch für Fußgänger gefährlich, aber nicht verboten ist, kümmerte sich die Polizei in Stuttgart auch um diese Gruppe: „Die Kollegen haben 359 Präventionsgespräche mit Fußgängern geführt“, meldet die Polizei.

Baden-Württemberg kontrolliert bundesweit die meisten Fahrer

In Baden-Württemberg wurden laut dem Innenministerium insgesamt rund 58 000 Fahrzeuge überprüft – mehr als in allen anderen Bundesländern, lobt der Innenminister Thomas Strobl (CDU). Für Baden-Württemberg wurden 2056 Handyverstöße am Steuer von Fahrzeugen und 80 von Fahrradfahrern erfasst. Am Steuer eines Kraftfahrzeugs kostet der Verstoß seit vergangenem Herbst 100 Euro Bußgeld und wird mit einem Punkt in Flensburg geahndet. Kommt eine Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer oder eine Sachbeschädigung dazu, muss der Fahrer zudem einen Monat lang auf seinen Führeschein verzichten. Fahrradfahrer zahlen 55 Euro. „Der kurze Blick auf das Handy bei voller Fahrt ist ein gefährlicher, unter Umständen tödlicher Blindflug. Jede Unachtsamkeit kann über Leben und Tod entscheiden“, sagte Strobl zur Bilanz des groß angelegten Kontrolltages am Donnerstag.

Viele Eltern achten nicht darauf, ihre Kinder richtig anzuschnallen

Landesweit wurden zudem 3630 Fahrer oder Mitfahrer ohne Gurt festgestellt, in 168 Fällen waren Kinder nicht angeschnallt oder saßen nicht in einem vorgeschriebenen Kindersitz.

Für die Landkreise Ludwigsburg und Böblingen meldet die Polizei 264 Fälle von Handynutzung am Steuer von Autos und Lastwagen. Gurtverstöße registrierten die 198. An insgesamt 61 Kontrollstellen nahm 200 Beamte des Präsidiums Reutlingen in den Landkreisen Reutlingen, Esslingen und Tübingen 1000 Fahrzeuge unter die Lupe. Sie entdeckten in 173 davon Fahrer mit Handys am Steuer. Im Landkreis Göppingen kontrollierten die Beamten fast 10 000 Verkehrsteilnehmer. 73 Fahrer von Autos oder Lastwagen hatten während der Fahrt ihr Smartphone benutzt und erhalten deshalb eine Anzeige. 127 Fahrer waren nicht angeschnallt. Im Bereich des Polizeipräsidiums Aalen, zu dem der Rems-Murr-Kreis gehört, wurde an 58 Kontrollstellen Autofahrern auf die Finger geschaut. 105 hatten ein Handy in der Hand.

Strobl sagte, es gehe nicht in erster Linie um die Ahndung der Verstöße, sondern um die Prävention: 2017 gab es 74 tödliche Unfälle in Baden-Württemberg, weil Autofahrer abgelenkt waren.

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