Die nächtlichen Beschlüsse der Bund-Länder-Runde zum Thema Asyl helfen der Kommune kaum, findet unser Redakteur Konstantin Schwarz. Sie muss weiter nach Unterkünften suchen.
Die Unterbringung Geflüchteter wird auch in der Landeshauptstadt zusehends schwieriger. Zwar hat die Stadtverwaltung den Zugriff auf Sport- und Versammlungshallen für dieses Jahr abgewendet, doch der Druck steigt. Nicht nur, weil die Zahl Asylsuchender weiter wächst, sondern auch, weil das Justizministerium die Erfüllung der Quote in Stuttgart anmahnt. Rund 700 Menschen hätte eigentlich bereits mehr untergebracht werden müssen, als in Stuttgart bisher untergebracht worden sind.
Der kurzfristige Befreiungsschlag, den OB Frank Nopper vor zwei Wochen durch die Anmietung von Containern und einem Hotel mit zusammen 750 Plätzen verkündete, verpufft angesichts der Forderung. Allerdings macht sich das Justizministerium mit seiner Zuweisungspolitik einen schlanken Fuß. Die Probleme werden nach unten delegiert. Wo sind denn die neuen großen Aufnahmezentren des Landes, die die Kommunen entlasten könnten?
Kosten der Unterbringung liegen viel höher
Die nächtlichen Beschlüsse der Bund-Länder-Runde zum Thema Asyl helfen der Stadt kaum. 7500 Euro jährlich vom Bund pro Asylbewerber sind viel Geld, doch das deckt den Aufwand nicht. Allein bei den Hotelanmietungen musste Stuttgart 13 700 Euro pro Person und Jahr zustimmen, dazu kommen 9700 Euro für Verpflegung. Wenn man selbst baut, entstehen je nach Standort Investitionskosten von an die 14 000 Euro pro Jahr und Platz.
Klar ist, dass der Stuttgarter Weg der kleinteiligen und über alle Bezirke gleichmäßigen Unterbringung nicht mehr gewährleistet werden kann. Die Stadt ist am Limit und muss nehmen, was an Unterkunft angeboten wird, auch wenn das zu Verdichtungen führt, die vereinzelt Ängste wecken können.