Stuttgart und die A8 Neue Forderungen nach einer Filderauffahrt

Von jos 

Die Autobahn 8  soll vom Neckartal aus besser erreichbar sein – deswegen wird seit Jahrzehnten über eine neue Filderauffahrt nachgedacht. Foto: Peter Petsch
Die Autobahn 8 soll vom Neckartal aus besser erreichbar sein – deswegen wird seit Jahrzehnten über eine neue Filderauffahrt nachgedacht. Foto: Peter Petsch

Das Projekt einer neuen Straßenverbindung zwischen dem Neckartal in Stuttgart und der Autobahn Stuttgart-München gilt als chancenlos. Vor Jahren fiel es aus dem Bundesverkehrswegeplan heraus. Aber die Forderungen danach verstummen nicht.

Stuttgart - Der Streit um den Bau einer neuen Filderauffahrt zwischen dem Neckartal in Stuttgart und der Autobahn 8 auf den Fildern nimmt weiter Fahrt auf.

Aus der CDU und der Jungen Union in Stuttgart kommen neue Forderungen, die Straßenverbindung zu realisieren. CDU-Regionalrat Roland Schmid fordert, die Filderauffahrt müsse zwingend in den Regionalplan aufgenommen werden, der 2016 neu aufgestellt wird. Verkehrsminister Winfried Hermann und Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn (beide Grüne) sollten ihren Widerstand gegen eine Filderauffahrt aufgeben.

Der Stuttgarter JU-Vorsitzende Maximilian Mörseburg sagte, der Minister provoziere einen Verkehrskollaps in Stuttgart. Das ist eine Antwort auf Hermanns Vorhaben, sieben Kreuzungen auf den Landesstraßen zwischen Esslingen und der A 8 durch weitere Fahrspuren zu erweitern und sie leistungsfähiger zu machen, den Rest der Straßen aber nicht zu verbreitern. Hermann meint, das Projekt Filderauffahrt in Stuttgart sei zumindest auf viele Jahre hinaus praktisch tot. Das von ihm unterstützte Vorhaben, die Kreuzungen der L 1192 und der L 1202 zwischen Esslingen und der Autobahnanschlussstelle Esslingen auszubauen, wird rund 30 Millionen Euro kosten. Zu einem günstigen Preis erhalte man damit Verbesserungen, glaubt Hermann.

Er und Regierungspräsident Johannes Schmalzl (FDP) haben sich jüngst für dieses Vorhaben ausgesprochen, das insgeheim als Ersatzprojekt für die Filderauffahrt gilt, die vor zehn Jahren aus dem Bundesverkehrswegeplan gestrichen worden war – mit Unterstützung des damaligen Bundestagsabgeordneten Hermann.

IHK setzt sich für eine neue Filderauffahrt ein

Für eine neue Filderauffahrt setzen sich dagegen die Industrie- und Handelskammer (IHK) Region Stuttgart und in seiner Mehrheit der Verband Region Stuttgart (VRS) ein. IHK-Präsident Georg Fichtner hat erst im Juli, als das Land einen Mobilitätsgipfel mit vielen Experten veranstaltete, wieder eine Nordost-Umfahrung für Stuttgart und eine neue Filderauffahrt gefordert – während Ministerpräsident Winfried Kretschmann und sein Parteifreund Hermann einer Verkehrspolitik nach alter Art eine Absage erteilten.

Stuttgarts OB Fritz Kuhn will zumindest keine eigene Initiative aus dem Rathaus für die Filderauffahrt starten. Das dürfte der Bund als willkommenen weiteren Anlass nehmen, einer Filderauffahrt die Finanzierung zu verweigern.

Weil der VRS nicht von der Idee lassen will, ist vor einigen Monaten sogar ein geplanter Termin in Berlin gescheitert, bei dem die Repräsentanten des Ballungsraums Stuttgart beim Bund gemeinsam für eine kleine Auswahl von besonders wichtigen Verkehrsvorhaben werben wollten, die mehr Aussicht auf zeitnahe Realisierung hätten. Die Filderauffahrt war nicht enthalten.

Sogar die IHK, die dieses Projekt fordert, war verärgert, dass der VRS die gemeinsame Aktion platzen ließ – was unterstrich, wie vielfältig die Interessen und wie unterschiedlich die Prioritäten in der Verkehrspolitik im Raum Stuttgart sind.

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