Seit Herbst ist das Gemeindehaus geschlossen. Foto: /Kathrin Wesely

Die Markus-Haigst-Gemeinde renoviert ihr Paul-Fischer-Haus. Es soll barrierefrei werden, heller und multifunktionaler. Die Kirchengemeinde will ihr Haus weiter für die Menschen im Quartier öffnen, und Räume Gruppen, Initiativen oder Privatleuten zur Verfügung stellen.

Stuttgart-Süd - Etwas unscheinbar schmiegt sich das evangelische Jugend- und Gemeindehaus an die Immenhoferschule an der Zellerstraße. Dabei ist der Sichtbetonbau aus den 1960-er Jahren eines der Kernstücke der Kirchengemeinde Markus-Haigst. Im Winter gab es hier den Indoorspielplatz; die Jungschar und die Konfirmanden trafen sich; die Kinderbücherei war untergebracht; es fanden Bastel-, Yoga- und Gymnastikkurse statt; es wurde gemeinsam gekocht, gefeiert, geratscht, musiziert und getanzt. Nicht zuletzt diente der Saal im Erdgeschoss den Schülern der Immenhoferschule als Mensa. Seit Herbst ist das Paul-Fischer-Haus geschlossen. Für mehr als eine Million Euro wird das Haus umgebaut, verbessert und verschönert.

In der Gegend gibt es sonst keinen öffentlichen Saal

Äußerlich wird sich auf den ersten Blick nicht viel ändern, weil der 1965 zusammen mit der Immenhoferschule von den Architekten Hans Kammerer und Walter Belz errichtete Bau unter Ensembleschutz steht. Statt der beiden Stufen wird eine Rampe hineinführen, um einen barrierefreien Zugang zu gewähren. Auf der Seite zur Römerstraße wird die Fassade voll verglast, um das Innere mit Tageslicht zu versorgen. Ins Foyer kommt ein Aufzug, der ins erste Geschoss führt, wo es künftig eine Behindertentoilette geben wird. Auch die Küche und die sanitären Anlagen im Haus werden neu gemacht. Aus brandschutzrechtlichen Gründen wird die bislang offene Fläche im Erdgeschoss durch Glastüren unterteilt. Auch der große Saal wird in zwei Bereiche untergliedert, einen niederen für Filmvorführungen und Vorträge und einen hohen für Nutzungen wie Gymnastik, Zusammenkünfte und Veranstaltungen. Der Saal soll auch für außerkirchliche und private Nutzer geöffnet werden, erklärt Pfarrer Tilo Knapp. „Wir denken an Vermietungen. Es gibt ja sonst in der Umgebung keinen öffentlichen Raum.“ Es soll – wie es im Flyer der Markus-Haigst-Gemeinde über das Projekt heißt – ein „Raum für alle“ werden. Zugleich öffnet sich die Gemeinde dadurch noch ein bisschen weiter ins Quartier.

Finanzierung durch die Kirche und mit Spenden

Inzwischen wurde das Gebäude weitgehend entkernt, auch die Wände im Innern, die keine tragende Funktion hatten, wurden entfernt. Die Räume lassen sich nun neu ordnen. Man wolle ermöglichen, dass mehrere Gruppen gleichzeitig im Haus sein können, erklärt Pfarrer Knapp. Insbesondere sollen die Räume im Obergeschoss künftig unabhängig nutzbar sein.

Die Wohnung im zweiten Obergeschoss wird bleiben und weiterhin privat genutzt werden. Dafür aber wird endlich die 150 Quadratmeter große Dachterrasse zugänglich gemacht. Bislang war sie tabu, weil die Geländer nicht den Vorschriften entsprachen, zu niedrig waren und zu große Durchlässe hatten. Die Kirchengemeinde rechnet damit, dass eine gerichtete, möblierte, mit Blumen dekorierte Terrasse ein Gewinn wird für die Kirchengemeinde sein wird.

Pfarrer Tilo Knapp rechnet für das Bauvorhaben mit Kosten in Höhe von 1,15 Millionen Euro. Zum größten Teil wird diese Summe mit Kirchengeld bezahlt. Etwa 85 000 Euro hofft die Gemeinde an Spenden zusammen zu bekommen. Läuft alles nach Plan, soll die Umgestaltung des Paul-Fischer-Hauses im Herbst abgeschlossen sein. Der Schulmensabetrieb soll dann zum zweiten Schulhalbjahr 2021 wieder im Haus aufgenommen werden.

Infos zum Gebäude

Der Namensgeber
des Hauses, Paul Fischer (1928 – 2007), war viele jahrzehntelang als Kirchengemeinderat und Jugendmitarbeiter in der Markuskirche aktiv. „Er lebte mit dem Haus, und die Jugendarbeit der Markusgemeinde profitierte von seinem Einsatz, geistlich und materiell“, schreibt die Kirchengemeinde, die im Jahr 2008 zu Fischers Andenken ihrem Jugend- und Gemeindehaus dessen Namen gab.

Das bauliche Ensemble aus Lehen- und Immenhoferschule folgt dem Entwurf des Stuttgarter Büros Kammerer + Belz und wurde 1965 fertiggestellt. Erstmals in Stuttgart wurde hier der damals beliebte Bautyp einer Atriumschule umgesetzt. Dessen Innenhöfe manifestieren die Idee von Ruhe und Konzentration, und sie dienen als Aufenthaltsräume. Raumhohe Verglasungen in den Klassenzimmern spenden optimales Licht, die umlaufenden Balkone den nötigen Schatten.

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