Derzeit stehen die blauen Stella-Roller im Winterquartier. Zum Saisonstart im Frühjahr wollen die Stadtwerke noch mehr E-Roller auf die Straße bringen. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Das erfolgreiche Elektroroller-Angebot der Stadtwerke soll nach Kaltental kommen. Der Bezirksbeirat Süd stellte einen entsprechenden Antrag. Dennoch wurde kontrovers darüber diskutiert.

S-Süd - Mit 15 Rollern hatten die Stadtwerke im August vergangenen Jahres das Sharing-Angebot mit Elek­tro-Rollern auf die Straße gebracht, und schon nach wenigen Wochen hatten die Nutzer die 10 000-Kilometer-Marke geknackt. Derzeit stehen die azurblauen E-Roller in ihrem angesagten Retro-Design im Winterquartier. Wenn es im Frühjahr aber wieder losgeht, wollen die Stadtwerke das erfolgreich gestartete Stella-Projekt mit der fünffachen Zahl an Maschinen weiterführen. Und dann soll, so der Wille des Bezirksbeirates Süd, Kaltental auch ein paar Roller abbekommen. Der diesbezügliche Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen fand in der aktuellen Sitzung des Gremiums ohne Ausnahme Zustimmung.

Die Debatte dazu verlief allerdings etwas heterogen. In der Begründung des Antrages führte der stellvertretende Grünen-Bezirksbeirat Philipp Buchholz an, dass das System „für Orte, die nicht so gut mit dem öffentlichen Nahverkehr erreichbar sind, hervorragend geeignet“ sei. Im Talkessel und auf dem Uni-Campus Vaihingen sei das Angebot bereits verfügbar, „leider aber nicht in Kaltental. Damit aber ließe sich das geringe Verkehrsangebot auf den Kaltentaler Hügeln ergänzen und ausbauen“, betonte Buchholz.

Ein Angebot jenseits von Bus und Bahn

Volle Zustimmung bekundete Ralf Blankenfeld (Stadtisten): „Solche kleinteiligen Mobilitätsangebote sind die Zukunft der städtischen Mobilität. Die Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) bauen zwar ihr Netz aus, lassen aber Bereiche liegen, die sich eher am Rande befinden“, befand Blankenfeld und fügte hinzu: „Mit Stella in Kaltental könnte man der SSB zeigen, dass es nicht nur Busse und Bahnen gibt, und so auch weiter Druck machen.“ Marion Eisele (SPD) bezweifelte aber, dass die Roller für die „extrem steilen Lagen von Kaltental tauglich“ seien. Fragezeichen setzte sie auch hinsichtlich der Verteilung und Erreichbarkeit der nicht an Stationen gebunden Roller: „Niemand läuft die Schwarzwaldstraße runter und holt sich dort einen abgestellten Roller.“ Buchholz räumte dazu ein, dass man „die Roller tatsächlich nicht am hintersten Zipfel abstellen sollte“. Die Bestimmung der Abstellplätze will er aber den Stadtwerken überlassen. Hinsichtlich der Leistungsfähigkeit betonte er: „Das ist getestet. Die Roller sind mit extra starken Motoren ausgestattet.“

Das dickste Fragezeichen entstand dann bezüglich der Parkplatz-Frage für die Roller, die nur auf Gehwegen abgestellt werden dürfen. „Es ist ein Unding, dass man jeden freien Raum nutzt, um etwas abzustellen,“ sagte Marion Eisele. Sie bezog sich dabei auf die aktuelle Ausdehnung der Stellflächen für die E-Fahrräder der Deutschen Bahn am Marienplatz: „Das ist absolut daneben.“ Hier pflichtete ihr Wolfgang Jaworek (Grüne) bei: „Als Gehwegnutzer betrachte ich das als eine schwierige Diskussion. Wenn alle Verkehrsteilnehmer gleichwertig sein sollen, dann kann man nicht alles auf den Gehwegen abstellen. Da ist es heute oft schon viel zu eng.“

Gehwege sind schon heute eng

Hans-Dieter Meißner (Freie Wähler) räumte ein, dass ihm „das System noch nicht so geläufig“ sei. Zwei Punkte aber sehe er kritisch: „Kaltental ist ein Hügeldorf. Wenn so ein Elektro-Roller weit hinten abgestellt wird, dann ist es unwahrscheinlich, dass ihn jemand von dort holt, um ihn selbst zu nutzen.

Man müsste das wahrscheinlich zum Beispiel an der Böblinger Straße konzentrieren“, schlug Hans-Dieter Meißner vor. Offen bleibe aber die Frage zum Parken der Roller: „Parkplatz ist doch jetzt schon rar! Mir ist nicht klar, wie das gehen soll.“ Gleichwohl kam er zu einem Schluss, in dem sich das Gremium insgesamt wiederfand: „Wenn etwas Gutes für Kaltental dabei entsteht, dann bin ich natürlich dafür.“

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