Die Wirte lassen sich etwas einfallen: Bei der Sattlerei an der Tübinger Straße etwa werden die Baumbeete mit Sitzgelegenheiten versehen. Foto: /Kathrin Wesely

Um die Gastwirte in der Corona-Krise zu unterstützen, werden Genehmigungen derzeit großzügiger erteilt als sonst. Im Süden erweitern fünf Gastronomen ihren Sitzbereich im Freien. Weitere Wirte dürften demnächst ihrem Beispiel folgen.

Stuttgart-Süd - Die Gastronomie gehört zu den am härtesten getroffenen Branchen in der Corona-Krise. Der Stuttgarter Gemeinderat will den Wirten ein bisschen Luft verschaffen, indem er gestattet, dass die bewirtschafteten Außenbereiche vorübergehend ausgeweitet werden dürfen. Auch im Süden haben Gastronomen am Marienplatz, an der Tübinger Straße und im Lehenviertel entsprechende Anträge gestellt und ihre Pläne präsentiert.

Die Bezirksbeiräte stimmten zu – in manchem Fall unter vernehmlichem Zähneknirschen. Nicht weil die Erweiterungen Parkplätze kosten, sondern weil es an manchen Stellen für Fußgänger ziemlich eng werden wird. Den fünf bewilligten Erweiterungen werden voraussichtlich weitere folgen. Davon ist der Bezirksvorsteher Raiko Grieb überzeugt.

Kampf ums nackte Überleben

Das Galao, das Lehen und das Café List werden Parkplätze vor dem Haus in den Bewirtungsbereich eingemeinden, die Sattlerei will ein Baumbeet mit Sitzgelegenheiten überbauen, und das Condesa am Marienplatz zusätzlich Tische am Platz aufstellen. Als problematisch erachteten mehrere Bezirksbeiräte jene Standorte, an denen bereits Tische auf dem Gehweg stehen. „Da ist man ja halb in der Wirtschaft, wenn man dran vorbeigeht – links Tische, rechts Tische“, sagte etwa der FDP-Bezirksbeirat Karl Stahr.

Janusch Munkwitz, der die Sattlerei, das Condesa und die Bar Paul & George in Mitte betreibt, ist froh, dass er jetzt die Flächen so problemlos erweitern kann. Trotzdem blickt er pessimistisch auf die Szene: „Ich glaube, das große Gastrosterben kommt erst noch im Herbst. Dabei hat der Lockdown ja gar nicht so lange gedauert. Aber die Gewinnspannen der Gastwirte sind einfach sehr gering. In der Szene geht es jetzt ums nackte Überleben.“ Von seinen Betrieben habe es das Paul & George besonders getroffen. „Das ist jetzt nicht die Zeit für Nachtbars, wo man eng am Tresen sitzt.“ Für Berlin, so berichtet Munkwitz, gebe es inzwischen einen Twitter-Tweed, in dem täglich über aktuelle Schließungen berichtet würde. Er hofft, dass in Stuttgart nicht bald ähnliche Verhältnisse herrschen.

Wie der Kuhstall in Ischgl?

Die besondere Genehmigung für die Außenbestuhlung soll bis zum Ende der Saison gelten, also bis Ende Oktober. Den Gastronomen wäre länger lieber gewesen. Aber die Regelung „geht ja auch zu Lasten der Fußgänger“, sagte Christa Niemeier von den Grünen, daher solle sie als „Modellphase“ betrachtet werden.

Einige Bezirksbeiräte verliehen ihrer Sorge Ausdruck, dass die Ansteckungsgefahr steige, wenn noch mehr Menschen in Lokalen beieinander sitzen. „Was der Kuhstall in Ischgl ist, kann auch eine Bar im Stuttgarter Süden sein“, sagte Roland Petri von der CDU. „Aus Sicherheitsgründen habe ich kein gutes Gewissen. Aber ich will auch den Gastronomen nicht schaden.“ Der Bezirksbeirat stimmte den Bestuhlungsplänen aller Wirte zu, auch dann, wenn einzelne darunter kritischer gesehen wurden als andere. Aber man wolle alle gleich behandeln. Darin war sich das Gremium einig.

Unabhängig von der Corona-Regel, die der Gemeinderat beschlossen und die nun in den Bezirken von Fall zu Fall erörtert wird, genehmigte der Bezirksbeirat neue Außenbewirtschaftungen im Eagle an der Mozartstraße und in der Sakristei an der Möhringer Straße.

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