Vor allem in Foto: dpa

Der Stadtbezirk müht sich seit zwei Jahren, die Kriterien für den Fairtrade-Bezirk zu erfüllen – bisher ohne Erfolg. Schon zwei Drittel der Stadtbezirke haben die Kriterien erfüllt.

S-Süd - Am Ende hing es bloß an zwei Zutaten. Ein Gastronom mit zwei fair gehandelten Produkten hatte noch gefehlt zum lang ersehnten Fairtrade-Siegel für den Stuttgarter-Süden. Doch in letzter Minute trat die Stadtteilkneipe Imme vierzehn auf den Plan. Seit mehr als zwei Jahren müht sich eine kleine Gruppe Engagierter ab, das Projekt im Süden voranzutreiben. Bisher jedoch ohne Erfolg. Jetzt endlich kann der Süden seinen Fairtrade-Antrag bei der Stadt einreichen. Dabei sind die Voraussetzungen gar nicht so schwer zu erfüllen: Es braucht lediglich fünf Gastronomen mit je zwei fairen Produkten.

Mit der Imme vierzehn habe man einen Gastronom „on Top“, sagt Bezirksvorsteher Raiko Grieb (SPD). Sicherheitshalber wolle er aber noch gemeinsam mit der Fairtrade-Beauftragten im Bezirksbeirat, Christa Niemeier, ein Schreiben an alle Gastronomen losschicken. Je mehr, desto besser, denn das Siegel gibt es bloß auf Zeit.

Gastronomen sind in Sachen Fairtrade nicht sehr aktiv

Sollte der Antrag von der Stadt abgelehnt werden, wäre es an der Zeit, das Projekt endgültig zu begraben, sagte Christa Niemeier in der jüngsten Sitzung des Bezirksbeirats Süd. „Hier im Süden muss der Hund quasi zum Jagen getragen werden“, klagte die Grünen-Politikerin, die in den vergangenen Jahren die Steuerungsgruppe Fairtrade im Bezirk geleitet hat. Beziehungsweise eher nicht geleitet hat: „Ich würde ja gerne mehr steuern, wenn es etwas zu steuern gebe“, fügte Niemeier hinzu. Am mangelnden Einsatz der wenigen Teilnehmer in der Gruppe lag es jedenfalls nicht, vielmehr eher am nicht vorhandenen gastronomischen Angebot. Restaurants und Café im Süden scheinen auf den allgemeinen Fairhandel-Trend noch nicht aufgesprungen zu sein. „Das ist wirklich enttäuschend“, sagte Niemeier. Die Lokalpolitikerin ist für klare Worte.

Bürgermeister Werner Wölfle hätte gerne für alle Bezirke das Siegel. „Wir können im Süden auch schlicht sagen, wir machen das nicht“, meinte Christa Niemeier. Da stimmt Bezirksvorsteher Grieb zu, wenngleich nur ungern. „Aber wir freuen uns natürlich, wenn es klappt“, fügte er hinzu.

Zwei Drittel der Stadtbezirke haben die Kriterien erfüllt

Arnim Emrich (SPD) machte ebenfalls die fehlenden Akteure verantwortlich. „Die kann man sich einfach nicht bauen. Außer wir gründen selbst ein Café“, sagte er. Andererseits seien Gastronomen weder in ihren Lokalen noch bei Veranstaltungen verpflichtet, fair gehandelte Produkte zu verkaufen. „Das können wir als Bezirksbeirat ja auch nicht vorschreiben.“ Schlicht hängt es ja auch davon ab, was die Kunden jeweils nachfragen.

Seit zwei Jahren darf die Landeshauptstadt den Titel „Fairtrade-Town“ tragen. Zwei Drittel der Stadtbezirke haben die Kriterien erfüllt. In der Innenstadt fehlt neben dem Süden nur noch der Norden. Auch dort sind alle Bemühungen bisher gescheitert. Es hatten sich nicht genügend Freiwillige gefunden, die sich um den Antrag kümmern wollten.

Auch im Süden wären langfristig noch mehr engagierte Bürger notwendig, die sich für den Fairtrade-Bezirk einsetzen. „Es soll ja eine Initiative sein, welche das Ganze trägt und nicht nur Einzelpersonen“, sagt Grieb. Wenn sich niemand finde, dann funktioniere das Projekt eben nicht.

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