Mit dem Toilettencontainer müssen sich die Besucher des Hauptfriedhofs in Steinhaldenfeld noch eine Weile abfinden, da für die Sanierung der WCs neben der Aussegnungshalle umfangreiche Baumaßnahmen nötig sind. Foto:  

Seit Frühjahr letzten Jahres sind die Toiletten neben der Aussegnungshalle am Hauptfriedhof außer Betrieb. Probleme mit dem Abwasser verzögern die Sanierungsarbeiten.

Bad Cannstatt - Zur unendlichen Geschichte entwickelt sich die Renovierung der Toiletten am Hauptfriedhof in Steinhaldenfeld. Nachdem diese wegen Vandalismus im Frühjahr vergangenen Jahres geschlossen wurden, stellte sich auch noch heraus, dass es Probleme mit den Wasserleitungen gibt. Aus diesem Grund mussten Besucher zunächst mit mobilen Toiletten – und seit etwa einem halben Jahr mit einem Toilettencontainer – vorliebnehmen. Wie lange das so bleiben wird, ist unklar. Bescherte doch die Renovierung der WCs neben der Aussegnungshalle dem Garten-, Friedhofs- und Forstamt (GFF) in der Vergangenheit das ein ums andere Mal eine böse Überraschung.

Zunächst hatten Randalierer nicht nur das komplette Mobiliar herausgerissen, sondern auch die Türen aufgebrochen und zerstört. Diese konnten jedoch wegen Bestimmungen im Denkmalschutz nicht so leicht repariert werden. Als dann im Herbst letzten Jahres der Toilettencontainer aufgestellt wurde, stellte sich heraus, „dass die Abwasserleitungen marode sind“, sagt Harald Aust, Leiter der Abteilung Friedhöfe beim GFF. Deshalb müssen die Rohre für Frisch- und Abwasser erneuert werden, bevor die WCs wiedereröffnet werden können.

Umfangreiche Baumaßnahme

Damit das Wasser im Toilettencontainer fließen kann, wurden als Ersatz für die maroden Leitungen hinter der Aussegnungshalle provisorisch Rohre verlegt. Die werden dort wohl noch einige Monate als Notbehelf dienen müssen, da umfangreiche Baumaßnahmen notwendig sind: Zum Beispiel muss im Erdreich gegraben werden, um die unterirdischen Leitungen verlegen zu können. Bodenfrost, wie in den vergangenen Wochen, erschwert diese Bauvorhaben jedoch. „Wir hoffen, dass wir im Frühjahr mit den Arbeiten beginnen können“, sagt Aust.

Um in Zukunft vor erneutem Vandalismus gewappnet zu sein, sollen die neuen WC-Schüsseln, Waschbecken, Handtuchhalter und alles weitere Interieur aus widerstandsfähigem Edelstahl bestehen. Außerdem soll eine eingebaute Zeitschaltuhr verhindern, dass die Toiletten außerhalb der Öffnungszeiten des Friedhofs genutzt werden können.

Die aufwendigen Baumaßnahmen schlagen freilich auch zu Buche: „Die Kosten liegen im sechsstelligen Bereich“, sagt Aust. Die finanziellen Mittel dafür stehen zur Verfügung, heißt es aus dem GFF. Trotzdem müssen sich die Besucher des Hauptfriedhofs noch eine ganze Weile mit der Containerlösung abfinden, weil derzeit auch unklar ist, bis wann die Baumaßnahmen abgeschlossen sein werden. „Das ist wirklich ärgerlich für alle Beteiligten“, sagt Aust. Dennoch seien die Container etwas komfortabler als die mobilen WCs.

Dringender Handlungsbedarf

Dringenden Handlungsbedarf in puncto Toilettenanlage sieht Werner Schüle vom Stadtseniorenrat. „Es ist unbedingt erforderlich, dass es mit den Bauarbeiten schnell geht.“ Ganz besonders für Senioren seien gut begehbare und intakte Toiletten auf dem Friedhof wichtig, sagt er. Vor allem mit Blick auf das Frühjahr, wenn angesichts der milderen Temperaturen zahlreiche Besucher auf dem Friedhof unterwegs sind, will niemand auf funktionierende WCs verzichten müssen. Beim Hauptfriedhof handelt es sich immerhin um die zweitgrößte Grabstättenanlage der Landeshauptstadt. Auf der knapp 30 Hektar großen Fläche befinden sich mehr als 15 400 Gräber. Aufgeteilt ist er in mehr als 120 Abteilungen. Auf dem Gelände befinden sich mehrere Friedhofsgebäude, eine Unterstellhalle, Sitzgelegenheiten sowie Brunnen und Wasserstellen. Es gibt Gräberfelder für Fliegeropfer des Zweiten Weltkriegs, für Opfer von Euthanasiemorden und für osteuropäische Zwangsarbeiter, außerdem Gemeinschaftsgräber sowie seit 1944 ein armenisches und seit 1985 ein muslimisches Gräberfeld. Zudem ist dem Friedhof ein getrennter Israelitischer Friedhof angeschlossen.

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