Stuttgart-Stammheim Ein weiterer Baustein für die Soziale Mitte

Von Georg Linsenmann 

Nach langem Vorlauf beginnt der Bau für das neue Gebäude an der Korntaler Straße in Stuttgart-Stammheim.

Die Größe der Versammlung spiegelt die Größe des Vorhabens (von links): Erwin Paulus (Projektträger), Till Frey (Architekt), Gabriele Blum (Evangelische Altenheimat), Ernst Frey (Architekt), Susanne Korge (Bezirksvorsteherin), Ronny Martin (Evangelische Altenheimat), Thomas Nödinger (Nikolauspflege) und Rolf Eckrich (Bauleiter)Foto: Georg Linsenmann

Stammheim - Das große Bohrgerät, das den Auftakt zum Aushub und zur Sicherung der Baugrube gebraucht wird und das zum Spatenstich ins Bild gerückt werden sollte, war einfach noch nicht da. Es sollte erst am Tag darauf ankommen. Aber was macht schon ein Tag Verspätung bei einem Bauvorhaben, bei dem allein die Genehmigung des eingereichten Bauplanes 25 Monate gedauert hatte! Das passte eher zur Vorgeschichte und hob so die gute Laune vor Ort. Und die war bei allen Beteiligten mit Händen zu greifen.

„Was lange währt, wird endlich gut!“ Diesen Sinnspruch stellte die Bezirksvorsteherin Susanne Korge gleich an den Beginn ihrer Ansprache. Wobei sie daran erinnerte, dass der Bezirksbeirat sich schon vor zehn Jahren „intensiv“ mit dem Areal befasste hatte, an dessen Eckseite das abgerissene „Kachlerhaus“ stand. Im Grunde gehen die Bemühungen, dieses Grundstück in der Ortsmitte neu zu gestalten, bis in die Zeit des einstigen Oberbürgermeisters Manfred Rommel zurück. Und dass auch nun wieder Ideen im Schwange waren, die eine öffentliche Nutzung bevorzugt hatten, deutete auch Korge an: „Die Volksseele ist hochgekocht, mir wurden Demonstrationen angedroht. Es ist eben ein hoch interessantes Grundstück in zentraler Lage.“

Stadtteilzentrum wird kommen, aber etwas später

Schließlich hatte die Paulus Wohnbau GmbH aus Pleidelsheim als Projektentwickler vor vier Jahren das Grundstück erworben. Und weil schlussendlich „nach einem langen Vorlauf alle an einem Strang gezogen haben“, so Korge, „kann es jetzt endlich losgehen mit dem Bau!“ Nicht erfüllt hat sich aber eine andere Hoffnung: „Dass mit diesem Projekt das auf dem benachbarten Grundstück geplante Bürger- und Familienzentrum beschleunigt wird“. Es soll auf dem Grundstück entstehen, auf dem sich noch das leerstehende, alte Feuerwehrhaus befindet. Nun sagte die Bezirksvorsteherin: „Das Stadtteilzentrum wird kommen, aber etwas später.“

Es findet sogar bereits baulichen Niederschlag in dem auf 7.5 Millionen veranschlagten Projekt an der Ecke Kornwestheimer/Korntaler Straße, worauf Erwin Paulus hinwies, der Geschäftsführer des Bauträgers: „Mit Blick auf das Gemeinschaftshaus bereiten wir in unserer Tiefgarage die Zufahrt für die städtische Tiefgarage unter dem Platz vor der Schloss-Scheuer vor.“ Damit könne die Stadt dann jene Stellplätze realisieren, „die das andere Vorhaben baurechtlich möglich machen“. Nun wolle das Bauunternehmen „Vollgas geben, damit wir in 20 Monaten hoffentlich den Einzug feiern können“.

Leben und Wohnen unter einem Dach

Darauf freuen sich nicht zuletzt die künftigen Nutzer, die Evangelische Altenheimat und die Stiftung Nikolauspflege. Erstere wird im ersten Obergeschoss sieben Seniorenwohnungen unterbringen. Als deren Vertreterin betonte Gabriele Blume: „Für uns ist das ein weiterer Baustein für die Soziale Mitte von Stammheim. Wir freuen uns, dass wir diese mitgestalten können.“ In der Regie der Altenheimat wird in direkter Nachbarschaft bereits das Luise-Schleppe-Haus als Pflegeheim sowie das Schloss für Demenzkranke betrieben. Einen „Glücksgriff“ für seine Organisation nannte Thomas Nödinger von der Nikolauspflege die Beteiligung an dem Projekt: „Wir haben in ganz Stuttgart nach einer Möglichkeit gesucht, Auszubildende mit Sehbehinderung unterzubringen. Jetzt haben wir hier Leben und Wohnen unter einem Dach.“ Das Umfeld sei ideal, aber auch die „gute Anbindung an das Netz der Stadtbahn.“

Die Nikolauspflege belegt das zweite Ober- und das Dachgeschoss, mit Wohnraum für 25 Menschen zwischen 17 und 21 Jahren. Ein Fragezeichen steht derzeit noch hinter dem Vorhaben, im Erdgeschoss Arztpraxen unterzubringen. Dazu betonte Korge: „Sie werden hoffentlich kommen. Der Bedarf ist sehr groß.“