Die Eisenbahn-/Bahnhofstraße in Bad Cannstatt ist jetzt offiziell eine Fahrradstraße. Erstmals lässt die Stadt das Fahrverbot für Autos überwachen.
Die rund neun Millionen Euro teure Umgestaltung des Bahnhofsplatzes in Bad Cannstatt, vom Land mit 4,5 Millionen Euro gefördert, ist mit einer Verbesserung für den Radverkehr abgeschlossen worden. Der letzte Bauabschnitt betraf die Umgestaltung der Eisenbahn- und Bahnhofstraße zwischen dem Kreisverkehr am Cannstatter Carré und der König-Karl-Straße. Dieser Bereich ist jetzt offiziell eine Fahrradstraße und damit für den Kfz-Verkehr – bis auf wenige Ausnahmen – eine Tabuzone.
Sechs Fahrradstraßen in Stuttgart
Es ist nach der Tübinger Straße (2016), Eberhardstraße (2019) und Wiesbadener Straße (2022) in Bad Cannstatt sowie der Möhringer Straße in Stuttgart-Süd (2023) und der Burgenlandstraße in Feuerbach (2024) die sechste Fahrradstraße in der Landeshauptstadt. „Dadurch haben wir eine attraktive Radverkehrsführung auch im Bereich des Cannstatter Bahnhofs“, sagt Jürgen Mutz, der Leiter des städtischen Tiefbauamtes.
Laut den städtischen Verkehrsplanern ist die Verkehrsberuhigung im Zuge des Vorplatzumbaus überfällig. Denn mehr als 6000 Fahrzeuge wurden vor der Umgestaltung täglich auf diesem Straßenabschnitt gezählt. Mit dem Umbau wurde die Kiss&Ride-Funktion, früher unmittelbar vor dem Haupteingang in die östliche Bahnhofstraße sowie auf die Südseite des Bahnhofs verlagert. Aufgrund des neuen Verkehrskonzepts gibt es nun 30 Stellplätze weniger vor dem Bahnhof und in der Bahnhofstraße. Diesen Umstand hatte vor allem von der CDU auch wegen der vielen Arztpraxen im Bahnhofsviertel harsch kritisiert.
Einfahrt ins Parkhaus möglich
Um dem Radverkehr mehr Platz zu geben, wurde die Verkehrsführung neu geregelt. Die Durchfahrt über den Bahnhofsplatz ist ab sofort zwischen Frösnerstraße und Parkhaus Wilhelmsplatz in beide Fahrtrichtungen für den Kfz-Verkehr unterbrochen. Autofahrer werden per Schild auf die Bahnhofssüdseite geführt. Die Zufahrt zum Parkhaus über die Eisenbahnstraße ist dagegen weiter möglich. Ebenso die Durchfahrt von der König-Karl-Straße in Richtung Bahnhof für Busse, Taxis und Lieferverkehr. Auch die Fahrt zu den privaten Stell- und Behindertenparkplätzen ist erlaubt.
Im Gegensatz zu den anderen Fahrradstraßen im Stadtgebiet gibt es eine Neuerung: Die Einhaltung der neuen Verkehrsregeln wird mit einer stationären Kontrollstelle überwacht. Laut dem Amt für Öffentliche Ordnung soll die Überwachung jedoch erst nach einer Karenzzeit von einigen Wochen beginnen.
Fahrradgarage noch in diesem Jahr
Ein Thema hat das Tiefbauamt noch nicht erledigt. Zwar wurden schon jede Menge neue Fahrradstellplätze rund um den Bahnhofsvorplatz installiert, aber es fehlt noch die geplante Fahrradgarage. Die wird noch in diesem Jahr direkt hinter dem Imbiss gebaut und kann 20 Fahrräder aufnehmen. Zusammen mit den gut 170 Abstellplätzen an Radbügeln vor und hinter dem Bahnhof sieht sich die Stadt beim Parkplatzangebot für Zweiräder gut aufgestellt. Vielleicht kommt sogar eine zweite Fahrradgarage im Bereich des Bahngeländes dazu. „Wir sind im Gespräch mit der Deutschen Bahn“, sagt Tiefbauamtschef Jürgen Mutz.
Fahrradstraße
Regeln
In einer Fahrradstraße wird die ganze Fahrbahn zum Radweg. Radfahrende haben hier Vorrang und dürfen nebeneinander fahren. Offiziell dürfen hier laut ADAC nur Fahrräder und E-Scooter fahren. Fahrradstraßen dürfen seit der sogenannten Fahrrad-Novelle der StVO im Jahr 1997 ausgewiesen werden.
Ausnahmen
Zusatzschilder können Auto- und Motorradverkehr zulassen, zum Beispiel in Wohngebieten. Es gilt aber immer eine Höchstgeschwindigkeit von Tempo 30. Das verbotswidrige Benutzen einer Fahrradstraße kostet laut Bußgeldkatalog zwischen 15 und 30 Euro, wer dort parkt, bezahlt zwischen 55 und 100 Euro.
Vorbild
Mit Stand Oktober 2022 gibt es in München rund 90 Fahrradstraßen mit einer Gesamtlänge von gut 43 Kilometern Länge. Damit hat München weiterhin die meisten Fahrradstraßen in Deutschland, gefolgt von Essen mit gut 80.