Schwein gehabt: Diese Schwarzkittel-Familie sieht noch gesund und munter aus. Foto: dpa

Das Ordnungsamt baut im Gewerbegebiet Schelmenwasen in Stuttgart-Fasanenhof eine Verwahranstalt für Tiere, die sich mit der Seuche infiziert haben. Was bedeutet das für die Anlieger?

Fasanenhof - Die Stadt Stuttgart möchte vorbereitet sein. Sollte die Afrikanische Schweinepest die Landeshauptstadt erreichen, dann weiß Albrecht Stadler vom Ordnungsamt, wo die infizierten Kadaver zwischengelagert werden können. Denn bald entsteht im Gewerbegebiet Fasanenhof-Ost eine sogenannte Verwahrstelle. Genauer gesagt auf einem derzeit ungenutzten städtischen Grundstück an der Straße Vor dem Lauch. Das Tiefbauamt beginnt demnächst mit den Arbeiten. Im Frühjahr soll alles fertig sein.

Sonderlich spektakulär sei eine solche Verwahrstelle aber nicht, sagt Stadler. Im Wesentlichen handle es sich dabei um ein Gefäß, einen Container, in den ein bis zwei Wildschweine passen. Drumherum brauche es eine Kühlung, damit die Kadaver nicht verwesen. Hinzu komme noch ein großer Schrank mit allen notwendigen Utensilien wie einem Handwaschbecken, Desinfektionsmittel und einen Dampfstrahler, um nach der Schweinerei wieder sauber zu machen. „Alles zusammen passt in eine Fertiggarage“, sagt der Abteilungsleiter für Sicherheit und Ordnung. Drumherum werde noch ein Zaun gebaut.

Keiner weiß, wo die Seuche als nächstes ausbricht

Die Verwahrstelle auf dem Fasanenhof wird die einzige in Stuttgart sein und bleiben. Auf die Frage, warum sich das Amt für das Gewerbegebiet entschieden habe, antwortet Stadler: „Wir brauchten eine freie städtische Fläche, wo so etwas baurechtlich zulässig ist.“ Das allein schränke die Auswahl schon mal deutlich ein. Obendrein ist ein Wasser- und Stromanschluss erforderlich. Nicht zuletzt muss ein Lastwagen das Grundstück anfahren können. Denn wenn die Untersuchungen an den toten Schweinen abgeschlossen sind, werden diese vom Zweckverband tierische Nebenprodukte, umgangssprachlich auch Tierkörperbeseitigung genannt, abgeholt.

Der Transport der Tiere in speziellen Boxen dient der Sicherheit. Wenn die Container gereinigt werden, muss das Wasser direkt in die Kanalisation geleitet werden. Es darf nicht in den Boden gelangen. Mit Geruchsbelästigungen bräuchten die Anlieger nicht zu rechnen, versichert Stadler. Ausgangspunkt für den Bau einer Verwahranstalt war eine Initiative des baden-württembergischen Landwirtschaftsministeriums. Stuttgart bekommt Zuschüsse vom Land. Wie hoch die Kosten sind, welche die Stadt selbst tragen muss, kann Stadler noch nicht sagen.

Die Jäger sind geschult

Wie wahrscheinlich es ist, dass in den Containern im Gewerbegebiet Fasanenhof wirklich mal ein Kadaver eingelagert werden muss, ist schwer abzuschätzen. Fest steht, dass in dieser Verwahrstelle ausschließlich Wildschweine eingelagert werden, die sich zuvor mit der Afrikanischen Schweinepest infiziert hatten. Bisher gab es mehrere Fälle in Polen, Ungarn und Rumänien sowie im Baltikum. Vermutlich mit einem Tiertransporter kam die Seuche jüngst nach Belgien. In Deutschland gibt es bisher noch keinen einzigen Fall. Aber man könne eben nie wissen, wann und wo die Krankheit ausbreche, sagt Stadler.

Um die Wahrscheinlichkeit eines Krankheitsausbruchs zu minimieren, hat die Stadt Stuttgart die Jäger geschult. Sie sollen so viele Wildschweine wie möglich schießen. Wann immer ein Jäger einen toten Schwarzkittel findet, muss er ihn liegen lassen und den Tiernotdienst anrufen. Bevor dieser die Kadaver abtransportiert, nimmt der Jäger Blutproben und schickt diese an das Veterinäruntersuchungsamt in Fellbach. Wenn es sich um ein an der Afrikanischen Schweinepest erkranktes Tier handelt, kommt der Kadaver künftig in die Verwahrstelle auf dem Fasanenhof.

Zecken übertragen das Virus

In den afrikanischen Ursprungsländern übertragen Lederzecken das Virus. Diese spielen in Mitteleuropa keine Rolle. Hierzulande erfolgt eine Übertragung durch direkten Kontakt mit kranken Tieren, durch die Aufnahme von infizierten Schweinefleischerzeugnissen oder auch über mit dem Virus kontaminierte Fahrzeuge, Jagdausrüstung und landwirtschaftlich genutzte Geräte und Maschinen. Das Virus befällt aber nur Schweine, es kann niemals auf den Menschen übertragen werden, sehr wohl aber auf Hausschweine. Wenn ein infiziertes Tier gefunden wird, werden Schutzzonen gebildet. In einem bestimmten Umkreis müssen dann alle Schweine – also auch Hausschweine – getötet werden. Für die Viehwirte kann das einen hohen finanziellen Schaden bedeuten. Allerdings gebe es in ganz Stuttgart keinen einzigen Schweinemastbetrieb, sagt Stadler.

Wer als Spaziergänger ein totes Tier im Wald findet, sollte sich übrigens beim Ordnungsamt melden, rät der Abteilungsleiter. Kleinere Kadaver kommen in eine Sammelstelle im Stuttgarter Norden.

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