Noch hat der Weg am Waldrand einen Asphaltbelag. Erst im September, wenn die mit der Renaturierung beauftragte Firma Zeit hat, wird er entfernt. Foto: Alexandra Kratz

Naturliebhaber im Kressart brauchen noch ein bisschen Geduld. Die Renaturierung des Waldwegs unterhalb der Streuobstwiese verzögert sich. Die dafür beauftragte Baufirma hat erst im September Zeit.

Sonnenberg - Am Waldrand unterhalb der Streuobstwiese im Kressart hat sich noch nichts getan. Bereits im Juni sollte dort die Asphaltdecke des Weges zugunsten eines wasserdurchlässigen Belages beseitigt werden. Einen Strich durch die Rechnung macht den Planern nun das Verfahren der Umsetzung. Auf Anfrage teilt das für den Weg zuständige Garten-, Friedhof- und Forstamt der Stadt zu dem Vorgang mit: „Mit dem Rückbau des Asphaltwegs im Kressart wurde eine externe Firma beauftragt. Den ursprünglich vereinbarten Termin im Juni konnte die Firma nicht einhalten. Jetzt sind die Arbeiten für den September angesetzt.“

Der Hintergrund: Mehrfach hat sich der BezirksbeiratMöhringen mit dem Weg befasst. Zunächst einmal ging es Ende 2016 um einen ganz anderen Weg, nämlich einen Feldweg oberhalb der Streuobstwiese. Er war 2012, als während Bauarbeiten im Wohngebiet Sonnenbühl/Abraham-Wolf-Straße eine Umleitungsstrecke gebraucht wurde, asphaltiert worden. Als es darum ging, ihn entweder asphaltiert zu belassen oder zurückzubauen, schieden sich in dem Gremium die Geister. Christine Dietenmaier (Grüne) erinnerte daran, dass der Bezirksbeirat der Asphaltierung nur unter der Prämisse des Rückbaus zugestimmt hatte. Fred Wagner (CDU) stimmte ihr zu. Anja Neupert vom städtischen Gartenbauamt vertrat die Auffassung, dass der Asphalt die Begehbarkeit des Wegs verbessert habe. „Er kann besser als Spazierweg genutzt werden“, sagte sie. Dies komme nicht nur den Menschen in der Sonnenbergklinik und im Seniorenheim zugute, denn der asphaltierte Weg würde auch den Mitarbeitern des Gartenamts die Arbeit erleichtern, weil sie mit ihren Maschinen besser vorankämen.

Der Eingriff in die Natur muss ausgeglichen werden

Sollte der Weg in seinem asphaltierten Zustand belassen werden, sagte Anja Neupert, dann sei dies ein Eingriff in die Natur, der wieder ausgeglichen werden müsse. Für diesen Ausgleich komme der Weg am Waldrand, der sowieso marode sei, infrage. Die frisch asphaltierte Umleitungsstrecke oberhalb der Streuobstwiese sei dagegen noch einige Jahre wartungsfrei.

Der Rückbau, wie sich die Aktion auf Bürokratendeutsch nennt, soll 30 000 Euro kosten. Wenn er wie es der neue Terminplan vorsieht, im September fertig ist, hat der Weg am Wald eine Decke aus unterschiedlich großen Schottersteinen und Sand. Dieser Belag verfestigt sich mit der Zeit zu einer sogenannten wassergebundenen Decke. Dieser Belag taugt nach Auskunft des städtischen Amts allerdings nur für ebene Wege, also auch für den Weg am Waldrand Kressart. Für eine steilere Strecke kommt der Belag nicht infrage. „Wenn starke Regengüsse kommen, wird er weggespült“, sagte vor geraumer Zeit Hagen Dilling vom Garten-, Friedhofs- und Forstamt.“

Der obere Weg hatte die höhere Prioität

Christine Dietenmaier hatte die Renaturierung des Weges auch deshalb begrüßt, weil am Waldrand Frösche und Salamander unterwegs seien, die dort oft überfahren würden. Auch Ingrid Schulte (SPD) äußerte sich positiv: „Was an Natur vorhanden ist, muss auch Natur bleiben.“ Die Anregung von Christine Dietenmaier, auch den Umleitungsweg wieder zurückzubauen, wurde Ende 2016 von Anja Neupert zurückgewiesen. Die Stadt habe dafür zurzeit kein Geld und der Weg am Wald habe außerdem die höhere Priorität.

Im April 2017 hatte der Bezirksbeirat dann mehrheitlich gegen die Stimmen der CDU angeregt, dass der Weg am Waldrand entsiegelt wird. Nach einer Verordnung des Landes kostet dies die Stadt 4427,5 Ökopunkte. Diese werden bezahlt, indem die Stadt außerdem 35 Bäume pflanzen lässt. Verworfen hatte das Gremium eine andere Variante. Dabei wäre entlang des unteren Weges ein 50 Zentimeter breiter Asphaltsteifen erhalten geblieben, der Weg oberhalb der Streuobstwiese wäre entsiegelt worden. Als Ausgleich wäre entlang des Waldrands eine sogenannte Saumvegetation angelegt worden und drei Bäume hätten gepflanzt werden müssen.

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