Viele ungenutzte Einkaufskörbe und wenige Kunden, das ist im Lädle an der Lau­straße ein häufiges Bild. Foto: Alexandra Kratz

Seit mehr als vier Jahren gibt es den kleinen Markt in Sonnenberg. Das Ziel war es, die Nahversorgung zu sichern. Doch die Menschen im Ort nehmen das Angebot nicht an. Der Vorstand des Sonnenberg-Vereins will nun wachrütteln.

Sonnenberg - An diesem Morgen ist es leer im Sonnenberger Lädle. Ein junger Mann kommt herein und kauft zwei Bananen. Kurze Zeit später öffnet ein Mitarbeiter der Abfallwirtschaft in seiner orangefarbenen Arbeitskluft die Ladentür. Er kauft eine Packung Kekse. Dann passiert wieder lange Zeit nichts.

Genau das ist es, was Anastasiadis Panagiotis traurig macht. Mehr als vier Jahre lang habe er gekämpft, sagt er. Er habe vor Ort die Nahversorgung sichern wollen. „Aber die Menschen nahmen das Angebot nicht an.“ Er habe sein Sortiment umgestellt und Bio-Produkte aufgenommen. Diesen Wunsch hatte er immer wieder vernommen. „Doch als die Bio-Produkte da waren, blieben die Kunden trotzdem weg“, sagt Panagiotis und ergänzt: „Den Großeinkauf machen die Menschen beim Kaufland oder Lidl in Möhringen. Bei mir holen sie nur das sprichwörtliche vergessene Stück Butter.“

Er habe ein paar Stammkunden, sagt der Ladeninhaber. Etwa zehn Familien seien es, die regelmäßig bei ihm einkaufen. „Das reicht aber nicht aus“, sagt Panagiotis. Er arbeite von früh bis spät und verdiene kaum Geld dabei. So könne es nicht weitergehen. Noch habe er aber keinen Plan B, noch wisse er nicht, was er tun soll, sollte er den Laden einmal schließen. Doch dass er mit diesem Gedanken spielt, daraus macht er keinen Hehl.

Die Wirtschaftsförderung wollte den Markt unterstützen

Der Stuttgarter Wirtschaftsförderer Torsten von Appen sei da gewesen und habe ihm Unterstützung angeboten. „Ich habe abgelehnt. Ich will kein Geld vom Staat. Ich habe meinen Stolz als Grieche“, sagt Panagiotis und muss trotz der schwierigen Situation ein wenig lachen. Doch schnell wird er wieder ernst und sagt: „Jahrelang habe ich an die Sonnenberger gedacht, jetzt muss ich mal an mich denken.“ Derzeit bemühe er sich darum, einen Nachfolger zu finden. Doch es sehe schlecht aus.

Diese Erfahrung hat auch Volkhard Lechler gemacht. Monatelang hat der Apotheker jemanden gesucht, der seine Filiale an der Laustraße übernimmt. Letztlich ohne Erfolg. Seit einiger Zeit ist die Apotheke nun zu, Lechler konzentriert sich auf sein Stammhaus an der Filderbahnstraße in Möhringen (wir berichteten). „Es bröckelt“, sagt Martin Schleiermacher. Der Vorsitzende des Sonnenberg-Vereins und seine Mitstreiter wollen die Menschen im Ort wachrütteln. „Wir haben Sorge. Die Läden in Sonnenberg bleiben uns nur erhalten, wenn wir sie auch nutzen“, betont der Bürgervereinsvorsitzende.

Aktuell würden viele Menschen zumindest die umfangreicheren Einkäufe lieber in den Vollsortimentern und Discountern in Möhringen erledigen. Wenn es so weiter gehe, dann „müssen die Sonnenberger bald wegen jeder Kleinigkeit ins Kaufland fahren, weil es bei uns keine Läden mehr gibt“, befürchtet Schleiermacher.

Insbesondere für ältere Menschen sind die Läden wichtig

Darum hat der Sonnenberg-Verein mit seinem aktuellen Newsletter den Aufruf verschickt, die noch bestehenden Geschäfte an der Laustraße zu stärken. Dort gibt es neben dem Lädle einen Bäcker, einen Frisör und eine Papeterie. Insbesondere für die älteren Menschen, die nicht mehr so mobil seien, sei es wichtig, weiterhin vor Ort einkaufen zu können, sagt Schleiermacher.

Mittelfristig geht es noch um etwas anderes. Aus Sicht des Bürgervereins schwebt der neue Bebauungsplan für die südliche Laustraße wie ein Damoklesschwert über dem Stadtteil. Noch ist es nicht beschlossen. Aber vieles deutet daraufhin, dass der Bereich rund um die Sonnenberger Hauptverkehrsader ein Mischgebiet wird und Grundstückseigentümer nachverdichten dürfen. Der Bürgerverein hat sich dagegen gewehrt. Er hat Unterschriften gesammelt, Briefe an die Stadtverwaltung und die Kommunalpolitiker geschrieben und einen Runden Tisch veranstaltet. Das Stadtplanungsamt machte kleinere Zugeständnisse. Im Grunde blieb der Bebauungsplanentwurf aber doch, wie er war.

Wenn nun ein Grundstückseigentümer an der Laustraße neu baue, dann müsste der entsprechende Laden im Erdgeschoss vorübergehend auf alle Fälle schließen, sagt Schleiermacher. Und ob er dann in dem neuen Objekt bei wahrscheinlich höherer Miete wieder neu eröffne, sei fraglich, so seine Argumentation. „Die Folge wäre dann, dass wir Leerstand in unserem Stadtteil haben. Irgendwann würden Läden einziehen, die nichts mehr mit Sonnenberg zu tun haben. Das ganze Ortsbild würde sich verändern. Das ist unsere große Angst“, sagt Schleiermacher.

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