Das Gebäude in Über der Straße ist 1993 gebaut worden. Damals wollte die Kirchengemeinde näher zu den Menschen. Foto: Caroline Holowiecki

Näher am Menschen dran und leicht erreichbar, unter dieser Ägide ist das Gemeindehaus der evangelischen Kirche im Wohngebiet „Über der Straße“ in Heumaden gebaut worden. Doch nun sinken die Mitgliederzahlen, das Gebäude ist eine Belastung.

Heumaden - Die evangelische Kirchengemeinde Heumaden-Süd gibt ihr Gemeindehaus im kleinen Zentrum des Wohngebiets „Über der Straße“ auf. Bereits im Mai dieses Jahres ist der Beschluss gefallen, die Immobilie an der Bernsteinstraße zu verkaufen. Dabei ist das Gebäude noch gar nicht so alt. Erst 1993 war der Glasbau errichtet worden, damals mit dem Gedanken, näher an den Menschen dran und vor allem für Senioren leichter erreichbar zu sein.

Und immerhin lebte seinerzeit mehr als die Hälfte der Gläubigen in diesem jüngeren Teil von Heumaden. Jedoch sinken die Gemeindemitgliederzahlen. Im Dekanatsbezirk Degerloch, zu dem auch Heumaden gehört, schrumpfte die Zahl von rund 48 500 im Jahr 2000 auf etwa 41 000 im aktuellen, heißt es aus dem Dekanat. Die Heumadener Gemeindepfarrerin Jutta Seifert betreut momentan noch 1460 Gemeindemitglieder. „Da sind zwei Gemeindehäuser eine unheimliche finanzielle Belastung“, sagt sie.

Das eigentliche Zentrum der Kirchengemeinde von Heumaden-Süd befindet sich an der Bockelstraße neben der Gnadenkirche. Durch das zusätzlich zu unterhaltende Gemeindezentrum im Gebiet Über der Straße hat die Gemeinde bereits seit einigen Jahren aufgrund der sinkenden Gemeindemitgliederzahlen Schwierigkeiten, die Finanzierung sicherzustellen, heißt es freimütig im aktuellen Gemeindebrief. Ein bereits 2013 erstelltes Gutachten hat das Haus an der Bernsteinstraße für verzichtbar erklärt. Über Geld will die Pfarrerin nicht sprechen. „Ein Minus in Zahlen lässt sich nicht aufwiegen in Menschen“, sagt Jutta Seifert.

Im kommenden Jahr soll verkauft werden

Eine weitere Veränderung, die die Immobilie betrifft: Auch die Großtagespflege „Kleine Glückspilze“, die sich seit 2012 im Untergeschoss eingemietet hat, schließt – unabhängig von den Planungen der Gemeinde. Bereits zum Jahresende wird die Betreuungseinrichtung für Kinder im Alter zwischen zehn Monaten und drei Jahren aufgegeben. Der Grund dafür sind persönliche Veränderungen im Leitungsteam, heißt es aus dem Hort. „Das hat unsere Überlegungen beschleunigt“, sagt die Heumadener Pfarrerin Seifert.

Der Kirchengemeinderat hat sich in seiner jüngsten Sitzung zum Ziel gesetzt, den Verkauf im kommenden Jahr voranzutreiben. „Das wird unser Jahresprojekt“, sagt die Pfarrerin Jutta Seifert. Momentan wird geprüft, welcher Nutzung das Objekt zugeführt werden könnte. Denn laut Bebauungsplan ist ausschließlich eine gemeinnützige Nutzung zulässig. So oder so ist das etwas, was die Kirchengemeinde forcieren möchte. „Es soll etwas sein, was den Leuten im Wohngebiet zugutekommt“, gibt Jutta Seifert als Ziel aus. Vor allem habe man dabei auch das Betreute Wohnen im Blick, das aktuell die Gemeinderäume für Gemeinschaftsaktivitäten nutzt.

Bis entschieden ist, wie es mit dem zweistöckigen Gebäude weitergehen könnte, sollen sämtliche Angebote wie eh und je fortgeführt werden, betont Jutta Seifert. Sie hofft, im kommenden Vierteljahr eine erste Marschrichtung zu haben. Nach dem Verkauf sollen die Angebote aus der Bernsteinstraße in andere Räume verlegt und weitergeführt werden. „Wir wünschen uns Gottes Segen, dass alles gelingt“, sagt die Pfarrerin abschließend.

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