Die neuen Poller haben 4000 Euro gekostet. Foto: Caroline Holowiecki

Die Stadt hat auf einem Gehweg in Stuttgart-Sillenbuch Barrieren gegen unbelehrbare Autofahrer installiert. Die Bezirksbeiräte sind allerdings stinksauer. Sie fühlen sich übergangen.

Sillenbuch - Autos, Fußgänger und Radler aus allen Richtungen, zwei Garagenausfahrten von Einkaufsmärkten, eine Bushaltestelle und ein gut frequentiertes Café: Der obere Teil der Tuttlinger Straße in Sillenbuch ist schon immer ein Hotspot in Sachen Verkehr gewesen. Doch seit die Einmündung in die Kirchheimer Straße mit einer Ampel versehen ist und sich immer wieder eine Warteschlange bildet, ist das Chaos perfekt. Oft geht es nicht mehr nach vorn und nach hinten.

Es seien immer wieder gefährliche Situationen entstanden

Zumindest eine Stelle hat die Stuttgarter Stadtverwaltung im November entschärft. Sie installierte am Gehweg auf Höhe des Cafés Poller, damit Unbelehrbare nicht mehr auf dem Gehweg parken. Das war nämlich bisher gang und gäbe gewesen. „So entstanden immer wieder gefährliche Situationen – auch, weil dieser Bereich als Schulweg ausgewiesen ist. Bei der Verwaltung gingen dazu Bürgerbeschwerden ein“, teilt Ann-Katrin Keicher, eine Sprecherin der Stadtverwaltung, fürs Tiefbauamt mit. Die Flexpoller aus Kunststoff hat sich die Verwaltung 4000 Euro kosten lassen.

Die örtlichen Bezirksbeiräte sind deshalb allerdings ziemlich sauer. In einer gemeinsamen Anfrage fordern CDU und SPD, dass das Ordnungs-, das Tiefbau- und das Rechtsamt „zeitnah“ Bericht erstatten, was es mit den Pollern auf sich hat und – das ist der eigentliche Grund für die Verstimmung – warum das Ortsgremium nicht einbezogen wurde. „Es geht darum, dass wir uns als Bezirksbeirat nicht ernst genommen fühlen“, sagte Ulrich Storz (SPD) in der Sitzung.

Eigentlich wollte die Stadt Stuttgart doch keine Poller an der Stelle?!

Hintergrund des Ärgers: Seit Jahr und Tag weist das Gremium immer wieder darauf hin, dass die Ecke Tuttlinger Straße, Höhenringweg und Oberwiesenstraße entzerrt, überarbeitet und sicherer gemacht werden muss. Das Aufstellen der neuen Poller sei umso verwunderlicher, als dass „zu besagtem Bereich eine Anfrage des Bezirksbeirats seit März 2019 unbeantwortet ist und der Bezirksbeirat an anderer Stelle seit 2017 auf die Einrichtung einer Verkehrseinrichtung wartet“, heißt es in der Anfrage, die ohne Gegenstimme ins Rathaus weitergeleitet wurde.

Hinzu kommt: Die Stadtverwaltung hat sich in einem Schreiben aus dem Jahr 2013 ausdrücklich und grundsätzlich gegen Pfosten und Poller an der Stelle ausgesprochen. Damals hatte der Bezirksbeirat mehr Sicherheit und Kontrollen an der Tuttlinger Straße gefordert und zur „Verhinderung des Gehwegfahrens“ derartige Barrieren ins Spiel gebracht. „Es gibt Tage, da wundert man sich, wie der Amtsschimmel so wiehert“, klagte Philipp Kordowich (CDU) in der Sitzung. Und auch der Bezirksvorsteher Peter-Alexander Schreck fühlte sich augenscheinlich übergangen. Er sprach davon, die „Bewusstseinsschulung gegenüber der Stadt zu fördern“.

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