Früher haben die Waldheimkinder viel Zeit im Eichenhain verbracht. Das ist inzwischen stärker reglementiert. Doch in diesem Jahr wird eh alles anders. Foto: Archiv Judith A. Sägesser

Die Waldheim-Freizeit in Stuttgart-Sillenbuch wird dieses Jahr nicht in gewohnter Form stattfinden. Das lassen die Bedingungen in der Corona-Krise nicht zu. Aber ein bisschen etwas wird doch angeboten.

Sillenbuch - Jetzt also doch: Das beliebte Ferienwaldheim für die Kinder aus dem Bezirk Sillenbuch ist für dieses Jahr abgesagt. Corona und die damit verbundenen Vorgaben des Sozialministeriums sind schuld. Unter anderem wird die Zahl der Personen, die an einem Angebot gleichzeitig teilnehmen dürfen, auf 100 Personen, inklusive Betreuer, beschränkt. Gemeinsame Rituale zu Beginn und zum Abschluss sind ebenso gestrichen wie das Singen oder das gruppenübergreifende Spielen.

„Ein Waldheim, wie wir es kennen und mögen, kann unter diesen Vorgaben nicht stattfinden“, teilt Anja Lobmüller, die Jugendreferentin und Waldheimleiterin, mit. Daher habe sich der zuständige Ausschuss der Kirchengemeinde zur Absage entschlossen. Dies sei allen Beteiligten sehr schwer gefallen. Bislang eingegangene Anmeldungen würden storniert.

Sie denken über ein reduziertes Konzept nach

Dass es schwierig werden würde, hatte sich diese Woche bereits abgezeichnet. Im Gespräch mit unserer Zeitung hatte Jörg Schulze-Gronemeyer, der für die evangelischen Ferienwaldheime, aber auch für die AG Kinderstadtranderholung Waldheime in Stuttgart spricht, vorhergesagt, dass man sich 2020 vom Sommerspaß in gewohnter Form verabschieden müsse. Auf erneute Nachfrage sagt er nun, dass man an reduzierten Konzepten mit 15er-Gruppen arbeite. Entscheidend sei aber für einen einigermaßen geregelten Ablauf, dass die Abstandsregel zwischen Betreuern und Kindern wegfalle. „Wenn sie nicht wegfällt, gibt es nur ein ganz eingeschränktes Angebot. Das entspricht nicht dem Charakter einer Freizeit.“ Daher wird mit Spannung erwartet, was in der Corona-Verordnung steht. Am 23. Juni soll sie laut eines Ministeriumssprechers kommen – mit Vorgaben für Ferienangebote.

Die Planung fängt noch mal von vorne an

Dabei ist allen Beteiligten bewusst, wie sehr Familien auf eine Sommerferienbetreuung bauen. „Die Eltern sind natürlich unter Druck“, sagt Jörg Schulze-Gronemeyer. Das wissen auch die Sillenbucher und wollen zumindest ein abgespecktes Angebot ausrichten. Vorgesehen sind in den Räumen des Parkheims Riedenberg drei Einheiten einer jeweils einwöchigen Betreuung inklusive Mittagessen. Je sechs Stunden vormittags in den ersten drei Ferienwochen sind angedacht. Dreimal 15 Personen, darunter jeweils drei Betreuer, macht 36 Kinder – statt normalerweise weit mehr als 400. „Das ist eine Notbetreuung“, betont Anja Lobmüller.

Sie startet nun in die Planung, „ich muss jetzt noch mal von vorne anfangen“. Vor allem müsse sie Mitarbeiter finden, die unter den Voraussetzungen noch teilnehmen. Das Anmeldeverfahren soll Anfang Juli starten. Offenstehen soll das Angebot in erster Linie jenen Eltern, die ihre Kinder bereits für die ursprüngliche Version angemeldet hatten. Laut Jörg Schulze-Gronemeyer sind ähnliche Konzepte auch unter anderem für die Waldheime in Möhringen und Degerloch angedacht.

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