Stuttgart-Sillenbuch Pläne für 66er-Bus stoßen auf Skepsis

Von Caroline Holowiecki 

Jürgen Daiß fährt seit bald 22 Jahren auf der Linie 66. Foto: Caroline Holowiecki
Jürgen Daiß fährt seit bald 22 Jahren auf der Linie 66. Foto: Caroline Holowiecki

Der Takt der Buslinie 66 in Stuttgart-Sillenbuch soll verdichtet werden. Das klingt zunächst gut, das Ganze hat allerdings einen Pferdefuß.

Sillenbuch - Die Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) möchte den Takt der Buslinie 66, die vom Geschwister-Scholl-Gymnasium aus eine Schleife durch Alt-Sillenbuch fährt, verändern. Das geht aus einem Schreiben an das Bezirksamt hervor. Demnach plant das Verkehrsunternehmen, zum Fahrplanwechsel im Dezember den Rhythmus der Linie in den Stoßzeiten zwischen 6.30 und 8.30 Uhr sowie zwischen 16.10 und 18.10 Uhr auf einen 15-Minuten-Takt zu verdichten. Aktuell kommt der 66er-Bus alle 20 Minuten.

Allerdings hat das Ganze einen Pferdefuß. „Die Bedienung des Astes Spaichinger Straße – Geschwister-Scholl-Gymnasium würde mit einer Ausnahme in dieser Zeit entfallen“, heißt es in dem Schreiben, das dem Bezirksbeirat in seiner jüngsten Sitzung am Mittwochabend kurzfristig vorgelegt wurde. Demnach würde lediglich die morgens von Schülern stark genutzte Fahrt mit Ankunft 7.21 Uhr beziehungsweise künftig 7.28 Uhr bestehen bleiben.

Die SSB findet ihre Idee gut

Beschlossen ist nichts. Der Aufsichtsrat muss in seiner Sitzung am 26. Juni erst noch zustimmen. Die SSB geht aber ausschließlich von Vorteilen aus. Die Verdichtung des Taktes brächte demnach eine Erhöhung der Anzahl der Fahrtenpaare von 44 auf 51. Außerdem geht man bei der SSB von einem stabileren Betriebsablauf aus, da der stauträchtige Abschnitt auf der Kirchheimer Straße vermieden werde. „Wir sind der Überzeugung, dass dieses Fahrplankonzept für die Buslinie 66 und den Stadtbezirk Sillenbuch sehr gut wäre“, heißt es in dem Schreiben. Begründet wird diese Annahme mit der Tatsache, dass es in der Vergangenheit immer wieder Beschwerden über die Unpünktlichkeit des Busses gegeben hatte.

In der Tat: Die SÖS/Linke-plus hatte hierzu in der November-Sitzung des Bezirksbeirats eine Anfrage gestellt. „Für die Fahrgäste ist das ein echtes Ärgernis, weil sie ihre Anschlüsse verpassen“, hatte Manfred Riesle seinerzeit gesagt und sich Auskunft darüber erbeten, woran das liegt und ob es Ansätze gibt, wie man den 66er wieder in die Spur bekommen könnte. Jürgen Daiß, seit bald 22 Jahren Busfahrer auf der Linie, hatte damals im Gespräch mit unserer Zeitung die chronisch verstopfte Kirchheimer Straße als Hauptgrund für die Verspätungen genannt.

Auf Nachteile werden nicht eingegangen

Dass im Gegenzug jetzt mehrere Stopps, unter anderem an der U-Bahn-Haltestelle Schemppstraße, am Einkaufszentrum Sillenbucher Markt und eben am Gymnasium entfallen sollen, scheint allerdings nicht im Sinne der Bezirksbeiräte zu sein. Tatsächlich reagierte das Gremium skeptisch. Philipp Kordowich (CDU) brachte auf den Punkt, was wohl viele Mitglieder dachten. „Es wird meines Erachtens nicht auf die Nachteile eingegangen“, monierte er, daher sei es dringend notwendig, dass ein Vertreter der SSB zeitnah vorspreche und das Konzept erläutere, und zwar „so rechtzeitig, dass man den Plan gegebenenfalls zurückweisen kann“.

Redaktion Sillenbuch

Ansprechpartnerinnen
Judith A. Sägesser und Julia Bosch
sillenbuch@stz.zgs.de

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