Sandra Pfeiffer spricht offen über ihren Verlust, sie will ein Tabu brechen. Foto: dpa

Sandra Pfeiffer hat ihr Kind vor der Geburt verloren. Sie weiß, dass die Trauer der Eltern von Sternenkindern oft ein Tabuthema ist. Sie selbst ist mit Musik dem Schmerz begegnet – und plant nun Benefizkonzerte.

Sillenbuch - Tayo. Das bedeutet „geboren, um glücklich zu sein“. Ein einzigartiger Name für einen wunderschönen Jungen, schwärmt seine Mutter Sandra Pfeiffer. Ihre Augen leuchten, wie es nur die Augen einer Mama können. Sie spricht viel über ihren Sohn, der am 20. März seinen ersten Geburtstag feiern würde. Doch Tayo ist ein Sternenkind. Er starb Ende der 35. Schwangerschaftswoche im Mutterleib.

Sandra Pfeiffer hat es sofort gespürt. Sie sei sehr spirituell, habe viel mit ihrem noch ungeborenen Kind kommuniziert, wie sie sagt. Vor allem, nachdem sie bei der Fruchtwasseruntersuchung im fünften Monat erfahren hatte, dass Tayo unter Trisomie 18 leidet und mit schweren geistigen und körperlichen Behinderungen das Licht der Welt erblicken würde. Wenn überhaupt. „Die meisten schaffen es nicht“, sagt die Sillenbucherin.

„Es war unglaublich friedvoll“, sagt die Mutter über die Geburt

So auch Tayo. Eine Nacht verbrachte sie nach der eingeleiteten natürlichen Geburt allein mit ihrem toten Kind im Krankenhaus. „Es war unglaublich friedvoll“, sagt sie. Sandra Pfeiffer und ihr Ehemann ließen Tayo segnen. Einige Tage später fand das Baby auf dem Ostfilderfriedhof seine letzte Ruhe.

Sandra Pfeiffer spricht offen über ihren Verlust. Sie will ein Tabu brechen. „Ich lernen immer wieder Frauen kennen, die dasselbe erlebt haben. Fehlgeburten sind sehr häufig.“ Ihnen will sie sich anbieten. „Ich bin nun bei der Initiative Regenbogen als Ansprechpartnerin und Mitglied gelistet für Eltern, die jemanden zum Reden brauchen, weil sie gerade ähnliches durchmachen.“ Viele Menschen hätten kein Ventil für ihre Trauer.

Dem Schmerz mit Musik begegnet

Ihren eigenen Schmerz hat Sandra Pfeiffer in Musik umgewandelt. Einige Monate nach Tayos Beerdigung hat sie „Herz ohne Grenzen“ komponiert. Es ist kein düsteres Lied, wie sie betont. „Es ist eher positiv. Ich habe eine bejahende Einstellung. Ich will dem Thema die Schwere nehmen.“ Die Sängerin der Band „Love The Love“ glaubt, dass dieser Song auch anderen Eltern, die dasselbe durchgemacht haben, helfen, den Schmerz etwas lindern und eine tröstende Wirkung haben könnte. Deswegen hat sie den Entschluss gefasst, mehr daraus zu machen. Sandra Pfeiffer hat sich ein Benefizkonzept überlegt. In einem ersten Schritt will sie „Herz ohne Grenzen“ professionell aufnehmen und ein Musikvideo produzieren lassen. Das Lied soll gleichzeitig Titelsong für weitere „Herz ohne Grenzen“-Aktionen werden, die der 42-Jährigen vorschweben.

Sie möchte Benefizkonzerte geben. Der Erlös daraus soll dem Verein Sternenbett zugutekommen, dem sie beigetreten ist. Der Klub mit Sitz in Landsberg unterstützt Eltern von Sternenkindern, die sich die Bestattungskosten für ihr Kind nicht leisten können. Sandra Pfeiffer weiß, wie teuer so eine Beerdigung ist. Um die 2000 Euro seien zusammengekommen. Geld, das die Pfeiffers aufbringen konnten, doch nicht jeder habe so viel Glück. „Ich habe mir überlegt, wie machen das Eltern, die sowieso schon am Limit sind?“

Per Crowdfunding will sie Benefizkonzerte geben

Um ihren Traum in die Tat umzusetzen, braucht Sandra Pfeiffer ein Startkapital von 1500 Euro. Das will sie nun über eine Crowdfunding-Kampagne zusammenbekommen. Die Seite ist bereits online. Geht mehr Geld ein, wird es an Sternenbett weitergeleitet, sichert sie zu. Außerdem will sie, sollten sich Interessenten melden, mit der Kirchengemeinde in Kontakt treten, um Räume für Treffen mit anderen Betroffenen zu bekommen.

Eine Art Selbsthilfe- oder Gesprächsgruppe schwebt Sandra Pfeiffer vor, in der es auch musikalisch zugehen könnte. Sie hofft, dass die Musik anderen so gut helfen könnte wie ihr selbst. „Das ist mein Ventil. Das ist ein Weg, den ich gehen kann, ohne dass es mich zu sehr belastet.“

Info
Sandra Pfeiffer kann man unter der Telefonnummer 0711/4 20 42 54 kontaktieren. Die Kampagne findet man auf www.startnext.com/Herzohnegrenzen.

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