Zwischen den geparkten Autos im Feuerwehrhaus sind gerade einmal drei Zentimeter Platz. Damit und mit vielen anderen Missständen wollen sich die Freiwilligen Feuerwehrleute Werner Rabe, Sebastian Zaiser und Thomas Burghard (v.l.) nicht mehr zufriedengeben. Foto: Caroline Holowiecki

Die Freiwillige Feuerwehr Stuttgart-Sillenbuch hat die unwürdigen und beengten Zustände im Gerätehaus satt und pocht auf einen Neubau. Die Mitglieder haben die gravierendsten Mängel in einer Broschüre zusammengefasst. Von der Politik fühlen sie sich hingehalten.

Sillenbuch - Zum Tatütata gibt’s das Oh-là-là. Denn wenn bei der Feuerwehr Sillenbuch der Alarm losgeht und die Rolltore sich heben, stehen nicht selten die Kameraden mit heruntergelassenen Hosen da. „Bei Minus 15 Grad ist das kein Spaß“, sagt das Mitglied Thomas Burghard mit verzogener Miene. Noch unspaßiger wird es, wenn dann die Fahrzeuge starten – Zentimeter neben den Männern und Frauen, die ihre saubere Kleidung ab- und ihre Arbeitskleidung anlegen. „Die Dieselemissionen werden nicht abgesaugt. Es ist schlimmer als am Neckartor“, sagt Sebastian Zaiser, der Kommandant. Denn das alles passiert in der Fahrzeughalle, in der die Drehleiter, zwei Löschfahrzeuge und ein Mannschaftsbus parken. Umkleiden sucht man bei der Feuerwehr vergeblich.

Sein sollte das alles so nicht, und zulässig ist es teils auch nicht. So sind zwischen zwei geparkten Autos gerade mal schier unglaubliche drei Zentimeter Platz. „Man muss eigentlich herumlaufen können“, erklärt Sebastian Zaiser. Im hektischen Alarmfall sei in der Enge die Unfallgefahr groß. Auch wäre es Vorschrift, dass die verrußte Arbeitskleidung getrennt von der Alltagsklamotte und den Sozialräumen aufbewahrt werden muss, damit giftige Stoffe nicht verschleppt werden.

„Seit 2008 wurde uns eine Lösung versprochen“

Das alles ist so, weil das Gebäude von 1974 nicht mehr hergibt. Die Feuerwehr hat die Nase voll vom Muff und will endlich Bewegung ins Thema Bürgerzentrum bringen. Seit einem Architektenwettbewerb vor gut zehn Jahren gibt es fertige Pläne für eine Multifunktionshalle mit Veranstaltungssaal, Rathaus, Bibliothek und Feuerwehrmagazin. „Seit 2008 wurde uns mehr oder weniger eine Lösung versprochen“, klagt Sebastian Zaiser. Die Freiwilligen haben daher ein Hochglanzmagazin herausgebracht, in dem sie auf 23 Seiten ihre Misere schildern. Adressat ist die Lokalpolitik. „Das gab es bei der Stuttgarter Feuerwehr noch nie“, sagt er.

„Ihre Feuerwehr braucht Ihre Hilfe!“, steht auf dem Deckblatt. Es geht um die schlechte Verkehrsanbindung über die engen Wohnstraßen und die fehlenden Parkplätze. Ausgewiesen ist gar kein Stellplatz, dabei wären 22 Stück laut Norm gefordert – einer für jede Person, die mit dem Löschzug ausrückt. Stattdessen sind die Feuerwehrleute gezwungen, im Ernstfall kreuz und quer oder auf dem Gehweg an der Haltestelle Schemppstraße zu parken. „Ich habe während des Einsatzes schon einen Strafzettel bekommen“, sagt Werner Rabe, der stellvertretende Kommandant.

Frauen müssen neben Pissoirs auf Toilette gehen

Die Liste der Mängel ist schier endlos. Die einzige Dusche für die 46 männlichen und sieben weiblichen Aktiven ist im Herrenklo neben den Pissoirs, die Toilette in diesem Raum ist mit Klebeband abgedichtet. Die etwa 20 Mitglieder der Jugendwehr bewahren ihre Kleidung und Übungsmaterialien in einem selbst gebauten Regal auf und müssen sich im Lehrsaal umziehen. Im Lehrsaal befindet sich zudem neben einer rustikalen Eckbank das – türlose – Büro des Kommandanten. „An den Fenstern zieht es wie Hechtsupp’. Da wachsen die Pflanzen rein“, sagt Zaiser. Auch ein geeigneter Übungshof fehlt. Wegen des Lärms, etwa beim Betreiben einer Motorsäge, gebe es Beschwerden einiger Anwohner. Das Verhältnis sei „angespannt“.

Sebastian Zaiser spricht von einer unbefriedigenden Situation. Im Jahr 2018 hätten die Aktiven 810 Einsatz- und 4400 Übungs- und Ausbildungsstunden geleistet. Die Einsatzzahlen hätten sich verdreifacht. Entgegen des landesweiten Trends sei die Mannschaft gewachsen. Resümee: „Voraussetzung, dies auf Dauer aufrechterhalten zu können, ist ein zeitgemäßes Feuerwehrgerätehaus.“

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