Ein Bild aus vergangenen Tagen: die Schafe im Eichenhain Foto: Archiv Caroline Holowiecki

Was als Vorzeigeprojekt begonnen hatte, endet im Fiasko: Der Frau, die unter anderem in Stuttgart-Sillenbuch ihre Schafe und Ziegen hatte weiden lassen, ist nun in Esslingen endgültig die Herde weggenommen worden. Was passiert nun mit den Tieren?

Sillenbuch/Esslingen - Dieser Kampf hat nur Verlierer gesehen. Nach der Stadt Stuttgart hat jüngst auch das Landratsamt Esslingen ein Tierhaltungsverbot gegenüber jener Schäferin verhängt, die ihre Schafe und Ziegen jahrelang unter anderem in Sillenbuch hatte weiden lassen. Damit ist wohl das letzte Kapitel einer langen, unguten Geschichte auserzählt.

Dabei hatte 2015 alles so idyllisch begonnen. Seinerzeit hatte die Stadt Stuttgart die Schäferin angeworben, damit die den wertvollen Magerrasen im Naturschutzgebiet Eichenhain bewirtschaften sollte. Doch schon ein Jahr später hatte es erste Probleme gesetzt: Förderungen seien zu knapp, daher fehle es an Futter, hatte die Frau gegenüber unserer Zeitung bemängelt und zu Spenden aufgerufen. Den Verwaltungen in Stuttgart und Esslingen hatte sie fortwährend vorgeworfen, sie nicht zu unterstützen. In den Rathäusern wiederum hatte sich Kritik an der Tierhaltung gemehrt.

Der Schäferin wurde ein Tierhaltungsverbot verhängt

Im April 2018 hatte die Stadt Stuttgart schließlich den Beweidungsvertrag mit der Frau gekündigt und sie aufgefordert, den Eichenhain zu verlassen. Ohne Erfolg. Daher hatte die Stadt die Schafe entfernen und zu einem landwirtschaftlichen Anwesen in Esslingen bringen lassen, das die Frau angemietet hatte. Zudem hatte das Ordnungsamt ein Tierhaltungsverbot „wegen tierrechtlicher Verfehlungen“ verhängt. Sowohl das örtliche Verwaltungsgericht als auch der Verwaltungsgerichtshof hatten das Verbot bestätigt. Und dann hatte zudem noch das Landratsamt in Esslingen zwischenzeitlich die Beweidungsverträge mit der Schäferin gekündigt. Auch im Nachbarkreis hatte es immer wieder Beanstandungen und Verwerfungen wegen Vertragsinhalten gegeben.

Nun bestätigt Peter Keck, Sprecher des Landratsamtes, dass der Frau ihre gesamte Schafs- und Ziegenherde – mehr als 250 Tiere – entzogen wurde. Als Grund gibt er „lang anhaltend keine ordnungsgemäße Tierhaltung“ an. Bereits im Juli hatte Burkhard Nolte, der Leiter des Grünflächenamtes, gegenüber unserer Zeitung „viel zu viele und daher kranke oder schlecht ernährte Tiere“ bemängelt. Im Sommer hatte es daher geheißen, die Schäferin stehe unter Beobachtung und sei aufgefordert worden, ihre Herde zu minimieren und auf private Flächen zu bringen.

Schafe und Ziegen werden nicht geschlachtet

Jetzt aber hat das Landratsamt offenbar die Reißleine gezogen. Sämtliche Schafe und Ziegen seien an andere Tierhalter beziehungsweise -schutzeinrichtungen verkauft worden – nicht an Schlachter, betont Peter Keck. Eine neue Herde wird sich die Frau vermutlich nicht anschaffen können. Laut dem Behördensprecher ist sie mit einem Tierhaltungsverbot belegt worden. Das „ist mit einer derartigen Einziehung verknüpft. Die gerichtliche Überprüfung steht aber noch aus“, teilt Peter Keck mit. Die Schäferin hat sich stets beharrlich gegen alle Vorwürfe gewehrt und von „großem Unrecht“ gesprochen. Eine aktuelle Stellungnahme lehnt sie trotz mehrerer Kontaktversuche ab.

Zumindest ein Aspekt hat sich allerdings zum Guten gewendet. Von diesem Jahr an werden wieder Schafe im Eichenhain in Sillenbuch grasen. Das teilt Martin Thronberens, ein Sprecher der Stadtverwaltung, mit. „Wir haben einen Schäfer gewinnen können, um die Flächen zweimal im Jahr abweiden zu lassen.“ Das sei notwendig, um den Magerrasen langfristig zu erhalten und qualitativ zu verbessern. Für den Herbst sei eine maschinelle Nachpflege geplant.

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