Der Stammkunde Dieter Färber bedauert das Aus seines Metzgers sehr. Foto: Caroline Holowiecki

Wieder ein Handwerksbetrieb weniger in Stuttgart-Sillenbuch: Am Karsamstag war der letzte Öffnungstag der Firma Dietz an der Kirchheimer Straße. Das Aus kommt für viele Kunden überraschend.

Sillenbuch - Alles wirkt wie immer. Die Tafel auf dem Gehweg empfiehlt Lammschulter und Bio-Hähnchen. Drinnen stehen die Kunden Schlange, bestellen üppige Mengen an Zwiebelmett oder Aufschnitt. Immerhin soll über die Osterfeiertage der Kühlschrank gut gefüllt sein. Und doch ist etwas anders am 31. März in der Sillenbucher Metzgerei Dietz – übrigens nicht zu verwechseln mit der Metzgerei Dietz aus Bietigheim-Bissingen, die 2017 Insolvenz angemeldet hat. Die Stimmung ist gedrückt, die Schwätzle an der Theke dauern etwas länger als sonst. Es ist der letzte Öffnungstag der Metzgerei. Erst zwei Tage zuvor hatte der Filialleiter Plakate an die Fenster gehängt, um die Kunden zu informieren, dass sie sich, wenn sie weiter ihre Lieblingswurst bekommen wollen, künftig nach Möhringen oder Leonberg orientieren müssen.

Die Metzgerei schließe aus „wirtschaftlichen Gründen“

Stammkunden wie Dieter Färber haben es schon früher erfahren. „Schlecht“ findet er, dass der Laden, wo er immer seine Wochenendration geholt hat, so plötzlich zumacht. „Meine Frau ist ganz versessen auf die Schinkenwurst“, sagt er, während er ein letztes Mal ein Dietz-Paket in den Fahrradkorb packt. Das Unternehmen gibt es seit bald 70 Jahren, 1989 war das Geschäft an der Kirchheimer Straße eröffnet worden, damals noch als Shop-im-Shop-Kombination mit einem Bäcker. Im Geschäft selbst erfährt man am letzten Öffnungstag auf Nachfrage nichts zu den Gründen fürs Aus. Zur Reduzierung von zuletzt sieben auf nur noch sechs Filialen heißt es aus dem Unternehmen nur knapp, dass „wirtschaftliche Gründe“ den Ausschlag gegeben hätten. Die drei Angestellten kämen nun in anderen Filialen unter. Ein Blick in die Firmenchronik auf der Homepage offenbart, dass es in der Vergangenheit etliche Geschäfte mehr gegeben hatte. 2012 musste das Traditionsunternehmen Insolvenz anmelden, ist dann aber übernommen und gerettet worden. Weitere Einschnitte seien aktuell nicht geplant, teilt eine Sprecherin mit, „die Filiale in Möhringen wird, wie alle anderen Dietz-Filialen, bis auf Weiteres bestehen bleiben“.

Das Handwerk stirbt

In Sillenbuch ist die Bestürzung groß. Wen man auf der Straße fragt, die Antwort ist immer dieselbe: Das Handwerk stirbt aus. Erst die Bäckereien Unger und Nuding im vergangenen Jahr, jetzt der Metzger Dietz. Und Leerstände will im Viertel keiner gern sehen, „das zieht manchmal andere im Umfeld mit“, sagt eine Frau und schüttelt den Kopf.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: