Matthias Wörner, Jochen Weller und Richard Hiller-Bixel (v.l.) wollen das grüne Areal sogar ausweiten. Foto: Caroline Holowiecki

In der Vergangenheit ist eine Spiel- und Freizeitfläche in Stuttgart-Heumaden immer wieder für Bauprojekte in den Fokus gerückt. Eine Anwohnerinitiative will das ein für alle Male verhindern und geht jetzt über den Bürgerhaushalt.

Sillenbuch - Als hätten alle auf die Sonne gewartet. Zwei Jungs im Teenageralter spielen Tischtennis, andere Jugendliche haben den Ball auf den Bolzplatz mitgebracht, und ein paar ganz Kleine sind mit ihren Müttern gekommen und toben. Die Spiel- und Freizeitfläche an der Bernsteinstraße im Heumadener Gebiet Über der Straße ist an diesem Nachmittag gut genutzt. Und die Anwohnerinitiative Bernsteinwiese macht sich dafür stark, dass das auch dauerhaft so bleibt.

Das Ganze hat heftige Proteste ausgelöst

Tatsächlich ist die idyllische Fläche, auf der ein Spielplatz, Sitzgruppen unter Bäumen und Sportflächen untergebracht sind, seit 1978 im Bebauungsplan „Über der Straße/Obere Bruckenäcker“ als Gemeinbedarfsfläche für eine Schule und eine Kita reserviert. Nur der südliche Teil ist als öffentliche Grünanlage mit der Zweckbestimmung Spielplatz festgesetzt, „der Kinder- und Jugendspielplatz wurde teilweise über die dafür festgesetzte Fläche hinausgehend interimsweise – für den Zeitraum, bis ein Bedarf für die festgesetzten Nutzungen besteht – hergestellt“, erklärt Martin Thronberens, ein Rathaussprecher.

So kommt es, dass das Areal immer wieder in den Fokus rückt, wenn Bauflächen gesucht werden, zuletzt im vergangenen Sommer bei der Suche nach einem Platz für die Freie Aktive Schule und eine Kita. Die Planungen der Verwaltung hatten sowohl beim Bezirksbeirat als auch bei den Nachbarn heftige Proteste ausgelöst. Die Anwohnerinitiative Bernsteinwiese hatte sich gegründet, bis heute hat sie nach eigenen Angaben rund 70 Mitglieder.

Es sei das letzte Stück Grün

Mit dem Vorschlag Nummer 50619 zum Bürgerhaushalt wollen die Mitglieder der Initiative dem drohenden Zugriff auf die grüne Fläche ein für alle Mal einen Riegel vorschieben – durch eine Änderung des Bebauungs- und des Flächennutzungsplans. „Wir beantragen, dieses Areal als öffentliche Grünfläche auszuweisen und somit dauerhaft zu erhalten“, heißt es im eingereichten Vorschlag.

Argumente dafür haben die Mitglieder viele. „Es ist das letzte Stück Grün, das sehr sozial genutzt wird“, sagt Jochen Weller. „Das ist eine Möglichkeit, Nachbarn zu treffen. Viele kleine Spielplätze sind in der Vergangenheit plattgemacht worden. Ich weiß von mindestens sechs“, sagt Richard Hiller-Bixel. Matthias Wörner fügt hinzu: „Hier hat man Platz, hier kann man auch mal rennen.“ Darüber hinaus heben die Männer den ökologischen Wert der Wiese hervor – und regen im Vorschlag zum Bürgerhaushalt an, zusätzlich Blühstreifen und Hecken anzulegen. Ebenso wollen die Anwohner eine Zunahme des Verkehrs entlang der ohnehin schon engen Bernsteinstraße abwenden.

Jetzt drängt die Zeit

Die Zeit drängt. Der gemeinderätliche Ausschuss für Umwelt und Technik hat jüngst beschlossen, ein ganzheitliches Entwicklungskonzept fürs Gebiet Schwellen-, Schwarz- und Brücklesäcker sowie Über der Straße erstellen zu lassen. Dabei sollen Naherholungs-, aber auch Gemeinbedarfs- und Bauflächen identifiziert werden, und vielen Heumadenern wird noch die Spitze des Stadtisten-Stadtrats Ralph Schertlen im Ohr klingen, „dank der FAS haben wir jetzt in Sillenbuch vier freie Baugebiete“.

Ihre Erfolgsaussichten schätzen die Mitglieder der Bürgerinitiative als gut ein. Schon jetzt haben etliche Stuttgarter den Vorschlag auf der Bürgerhaushalt-Homepage wohlwollend kommentiert, und „wir brauchen die Mehrheit im Gemeinderat, ich sehe das als realistisch an“, sagt Richard Hiller-Bixel. Die Gemeinbedarfspläne seien 40 Jahre alt, die Situation habe sich längst gewandelt. Jochen Weller findet: „Wenn es um eine Bebauung ging, war man nie zimperlich, den Bebauungsplan zu ändern. Was hindert die Stadt daran, es mal andersrum zu machen?“.

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