International geschätzte Bühne: Opernhaus Stuttgart Foto: dpa

2012, 2014 und 2016 konnte sich Stuttgart überraschend als bestes Kulturmetropole Deutschlands positionieren. Daran will man 2018 anknüpfen – doch nicht nur deshalb wollen Kulturspitzen wie Staatsgaleriechefin Christiane Lange und Linden-Museum-Direktorin Ines de Castro künftig verstärkt gemeinsame Wege gehen.

Stuttgart - Nirgendwo in Deutschland werden so ­viele kulturelle Angebote gemacht wie in Stuttgart. Platz eins bei der Kulturproduktion sicherte Baden-Württembergs Landeshauptstadt 2016 denn auch zum ­dritten Mal in ­Folge nach 2012 und 2014 den Spitzenplatz im Ranking deutscher Kulturmetropolen. Der Titel-Hattrick in der Studie des Hambur­gischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI) und der Privatbank Berenberg fiel indes knapp aus. Hamburg und München investierten etwa kräftig in Konzertsäle.

Nun blasen Stuttgarts führende Kultureinrichtungen zur Offensive. Voraussetzung dafür: ein Schulterschluss. Der soll am kommenden Mittwoch stattfinden. Zunächst hinter verschlossenen Türen. Die Staats­galerie wird zur Bühne der Begegnung und Ideensammlung. Die Spitzen der hiesigen Kultureinrichtungen treffen sich im Stirling-Bau.

OB Fritz Kuhn eröffnet das Treffen

Den Erfolg im Ranking der Kulturmetropolen nützt Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) für die Formulierung eines Arbeitsauftrags. „Was hier in der Spitze und in der Breite geboten wird“, sagt Kuhn, am Mittwoch Eröffnungsredner zum Thema „Von einer Stadt, ihrer Kultur und ihrem Wert“, 2016 unserer Zeitung, „stößt weit über die Stadt und die Region hinaus auf Anerkennung, ja Begeisterung. Einzigartig ist die Dichte an kulturellen Einrichtungen und Veranstaltungen: bei Tanz und Ballett, Theater, Oper, klassischer Musik, Jazz, ­Literatur, Kunst, Varieté, Clubs und vielem mehr.“ Und: „Kultur ist­ ­elementar für eine gute Stadtentwicklung. Das Ergebnis erfüllt mich deshalb mit ­Freude und wird uns weiter Ansporn sein. Denn die Stadt und ihre Bürger müssen sich im Kulturangebot wiederfinden und brauchen die Kultur als Anstoß und Korrektiv. Das wissen gerade auch Stuttgarter Unternehmen, die sich vielfältig kulturell ­engagieren.“

Früher schon Anläufe

Spartenübergreifend – so heißt ein gern von der Politik aufgerufenes Zauberwort. Spartenübergreifend, das klingt ­irgendwie aktuell. Doch nicht erst seit ­Oskar Schlemmers 1922 uraufgeführtem „Triadischem Ballett“ ist der spartenübergreifende Schulterschluss künstlerisch-programmatische Selbstverständlichkeit. Kaum von ungefähr spielen die Dialoge von Tanz, Musiktheater und Kunst immer wieder eine zentrale Rolle. Doch anders als in den mit internationalen Erfolgen gekrönten euphorischen Aufbruchsjahren des Stuttgarter Balletts unter Leitung des 1973 auf dem Rückflug von New York gestorbenen John Cranko vermissen nicht wenige in den ­Jahrzehnten danach Freude und Glamour außerhalb der künstlerischen Kooperationsprogrammatik.

Ein neues Thema bringt 2007 wieder Bewegung in das Miteinander der führenden Kultureinrichtungen in der Landeshauptstadt. Marion Ackermann als Direktorin des 2005 eröffneten Kunstmuseums Stuttgart nimmt die von unserer Zeitung formulierte Idee auf, das Areal zwischen Staatsgalerie, damaliger Stadtbibliothek, Landes­museum, Kunstmuseum, Kinostandort Bolzstraße und Staatstheater-Areal stadträumlich als Kulturquartier kenntlich zu machen. Zentral seien, so sieht es Marion Ackermann 2008, „inhaltliche Fragen“, etwa „wie man im Zwischenbereich von der Staatsgalerie bis zum Kunstmuseum agiert“. Die Herausforderung sei, „dem ­Kulturquartier Gestalt zu geben“. Auch und gerade durch Kunst. Eine entsprechende Initiative hatte Ackermann 2007 mit dem Direktor der Staatsgalerie, Sean Rainbird, ­gestartet. Über eine Präsentation der Idee durch den Stuttgarter Oberbürgermeister Wolfgang Schuster und die Kulturbürgermeisterin Susanne Eisenmann kommt man 2007 indes nicht hinaus. Neue Impulse der Kooperation (und damit auch der Sichtbarkeit) bringen die Diskussionen für eine künftige Nutzung des Kunstgebäudes am Schlossplatz – mit noch offenem Ausgang.

Staatsgaleriechefin Lange will „die Chancen nutzen“

Der Anspruch? Erfolg!

Und nun? Soll was gelingen? Christiane Lange, Direktorin der Staatsgalerie Stuttgart, bleibt zurückhaltend: „Bereits dreimal konnte sich Stuttgart 2012, 2014 und 2016 als beste Kulturmetropole in Deutschland positionieren, als Stadt mit dem größten und am intensivsten nachgefragten Kulturangebot. Auch die Staats­galerie Stuttgart trägt zu diesen Erfolgen bei – und es freut mich besonders, dass wir nun mit so vielen heraus­ragenden Kolleginnen und Kollegen gemeinsam überlegen, wie wir diese ­Erfolge bestätigen oder gar ausbauen ­können.“

Versteckt, aber leicht zu finden ist er da wieder, der Anspruch: Ungeachtet der zwei- und dreistelligen Millioneninvestitionen vor allem in Hamburg und München sowie auch der anhaltenden Sogwirkung Berlins will man nicht kampflos ­geschlagen werden, wenn 2018 erneut die beste Kulturmetropole Deutschlands ­gesucht wird. Ein Datum, das am Mittwoch in einer Podiumsrunde mit Christiane Lange, Marc-Oliver Hendriks, dem Geschäftsführenden Intendanten des Staatstheaters Stuttgart, der Kultur-Region-Geschäftsführerin Bettina Pau, der Kunstmuseum-Kuratorin Anne Vieth, der Linden-Museum-Chefin Ines de Castro und dem Stadtmuseum-Direktor Torben Giese sicher auch zur Sprache kommt.

Kulturlenker der Metropolregion in der Staatsgalerie zu Gast

Die Staatsgalerie-Chefin kann zum Meinungsaustausch am kommenden Mittwoch nahezu die komplette Führungsriege der wichtigsten Kultureinrichtungen in der Landeshauptstadt begrüßen. Auch Entscheider aus Wirtschaft und Industrie werden dabei sein. „Wir haben uns selbst eine gute Chance herausgespielt“, skizziert Christiane Lange die Situation – „und diese wollen wir nun natürlich auch nutzen.“

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