Der Angeklagte hat gestanden, rund 1,7 Millionen Euro veruntreut zu haben. Foto: dpa

1,7 Millionen Euro soll ein einstiger Stuttgarter Firmenchef und Ex-Vereinspräsident veruntreut haben. Jetzt hat das Landgericht das Urteil gefällt.

Stuttgart - Es hat gerade so gereicht. Das Landgericht hat den 51 Jahre alten ehemaligen Chef mehrerer Firmen und einstigen Vereinspräsidenten wegen Untreue zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt – auf Bewährung. Die Staatsanwältin hatte dreieinhalb Jahre Gefängnis beantragt. Am Ende folgte das Gericht Verteidiger Frank Theumer, der für seinen in Stuttgart ehemals bekannten Mandanten unbedingt eine Bewährungsstrafe hatte erreichen wollen.

Heute arbeitet Jürgen H. als Angestellter. Früher indes hatte er drei Firmen und war Präsident und Hauptsponsor des Handballvereins Stuttgarter Kickers. In die Bundesliga wollte er – mit den 2005 aus dem Hauptverein ausgegliederten Handballern und mit seinen Firmen. Am Ende ist er gescheitert. Rund 1,7 Millionen Euro hat Jürgen H. veruntreut. Das hatte er bereits am ersten Prozesstag vor der 16. Strafkammer des Landgerichts gestanden. Sein Handballverein war auch pleite gegangen.

Er wollte ein größeres Rad drehen

Anfang der 1990er Jahre hatte Jürgen H. ein florierendes Hausverwaltungsunternehmen von seinem Vater übernommen. Die Firma verwaltete mehr als 250 Immobilien im Raum Stuttgart. Doch der heute 51-Jährige wollte ein größeres Rad drehen. Anfang 2009 präsentierte er der Öffentlichkeit seine Baupläne. Zwischen Degerloch und Möhringen wollte Jürgen H. ein siebenstöckiges Hotel für rund 35 Millionen Euro hochziehen. Alles sei besprochen, auch mit der Stadt Stuttgart. Drei Jahre später hatte sich auf dem Grundstück immer noch nichts getan, das Projekt wurde ad acta gelegt.

Parallel zum geplanten Hotelbau sollte die Baufirma des 51-Jährigen die Silcherschule in Tübingen umbauen. 30 Wohneinheiten und Gewerberäume waren geplant. Doch auch hier scheiterte Jürgen H. Und er stolperte in einen Abwärtsstrudel. Der Kredit von 900 000 Euro reichte nicht, und dann wollten das Finanzamt und die AOK auch noch 100 000 Euro von ihm.

Jürgen H. begann umzuschichten. Er nahm Geld aus dem Tübinger Kredit, um seine Verbindlichkeiten zu bedienen und für seine Handballer. Um das zu verschleiern, fälschte er Rechnungen. Nach der Trennung von seiner Frau führte er deren Gastronomiebetrieb in Degerloch weiter. Doch auch dieses Unternehmen entpuppte sich als reines Zuschussgeschäft. Um das Projekt in Tübingen am Leben zu erhalten, griff er 1,7 Millionen Euro von Konten ab, die er mit seiner Hausverwaltungsfirma für Wohnungseigentümergemeinschaften betreute. Ende 2012 zog die Volksbank die Notbremse, sperrte seine Firmenkonten und erstattete Anzeige. Das Kartenhaus des Angeklagten stürzte endgültig in sich zusammen.

Der Angeklagte hat sich nicht bereichert

„Wir glauben Ihnen, dass Sie vorgehabt haben, das Geld zurückzuzahlen“, sagt der Vorsitzende Richter. Aber der Wille des Jürgen H. sei am Ende nichts wert gewesen. Er sei der Untreue in 16 Fällen schuldig. Dass er noch zu einer Bewährungsstrafe verurteilt werden könne, liege an seinem Geständnis und der überlangen Verfahrensdauer. Die letzte Tat datiert von Januar 2013, die Anklage war erst 2016 fertig, der Prozess begann dieses Jahr. Zudem habe sich Jürgen H. sich nicht selbst bereichert, er habe seine Firmen retten wollen, so der Richter.

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