Auf dem Areal oberhalb des Ederwegs werden drei Röhren in die Erde versenk. Sie fassen 500 Kubikmeter Trinkwasser. Foto: Alexander Müller

Die Netze BW erneuern in Rohracker einen gut 100 Jahre alten Trinkwasserspeicher. Geplant war ein Hochbehälter, doch nach Protesten der Bürgerschaft werden nun drei unterirdische Behälter gebaut. Das zwei Millionen Euro teure Vorhaben startet im Herbst.

Rohracker - Der Proteststurm hat Wirkung gezeigt: Im Spätsommer 2017 gingen die Bürgerinnen und Bürger von Rohracker auf die Barrikaden. Die Netze BW muss ihren Trinkwasserbehälter, der oberhalb des Egerweges liegt, erneuern. Er ist mehr als hundert Jahre alt. Die Pläne waren nach Meinung der Bürgerschaft überdimensioniert.

„Rund 3500 Einwohner in Rohracker und Hedelfignen werden von hier aus mit Bodenseewasser versorgt. Das Trinkwasser wird von Vaihingen nach Rohracker geleitet und von dort ins Haushaltsnetz verteilt“, erklärt Marcus Schaufuß von Netze BW. Vor zwei Jahren hatte das Versorgungsunternehmen noch einen zehn Meter hohes Gebäude im Landschaftsschutzgebiet geplant. Gegen diesen „Leuchtturm an exponierter Stelle“ regte sich aber Protest. Das Versorgungsunternehmen lenkte ein und plante um. Statt eines Hochbehälters werden die Speicher nun in den Boden verlegt.

„Am 21. Januar haben wir nun die Baugenehmigung für diese Variante erhalten. Weil wir uns an der Grenze zum Landschaftsschutzgebiet befinden beinhaltet sie allerdings auch 34 Auflagen“, sagt Werner Pfahler von Netze BW. Er betreut das Bauprojekt und stellte es den Hedelfinger Bezirksbeiräten vor. Bis auf einen Baum müssten alle anderen für dass Projekt gefällt und die Böschung freigeräumt werden. Die eigentlichen Bauarbeiten dürften erst nach Ende der Vegetationsperiode im Herbst 2019/2020 beginnen.

Es wird nicht viel zu sehen sein

Der Bautrupp wird mit schwerem Gerät anrücken. Schließlich müssen einige hundert Kubikmeter Erde bewegt werden. Mit einem Bagger muss Platz für drei etwa 25 bis 27 Meter lange Röhren mit einem Durchmesser von drei Metern geschaffen werden, die in die Erde verlegt werden. Sie fassen gemeinsam rund 500 Kubikmeter. „Noch ist nicht entschieden, ob die Röhren aus Kunststoff oder aus Edelstahl sind“, erklärt Pfahler. Die Röhren werden in etwa 50 bis 70 Zentimeter Tiefe in die Erde gelegt und entsprechend gedämmt, damit die Wasserspeicher bei Frost geschützt sind. „Außer dem Einstieghaus wird man von dem Trinkwasserspeicher nichts mehr sehen“, sagte Pfahler.

Auch in der Frühjahrs- und Sommerzeit 2020 werde die Baustelle aus Landschafts- und Naturschutzgründen überwiegend ruhen, erst im Spätherbst und Winter 2020/21 können vermutlich die Bauarbeiten für das Einstiegshaus durchgeführt werden. Im Spätherbst 2021 werde das Projekt – bislang werden die Investitionskosten auf rund zwei Millionen Euro geschätzt – mit den abschließenden Rest- und Landschaftsarbeiten beendet sein.

Behinderungen während der Bauarbeiten

Obwohl das Grundstück außerhalb des Wohngebiets liegt, werden die Anwohner einiges mitbekommen. Zwar werde der überwiegende Teil des Erdaushubs auf dem Grundstück zwischengelagert werden. „Wir minimieren damit den Zu- und Abfuhrverkehr, aber wir werden ein Teil des Mutterbodens auch abtransportieren, aufbereiten und danach neu herfahren müssen“, bittet Pfahler um Verständnis. Auch die Zu- und Entnahmeleitungen vom Speicher müssen erneuert werden. An der Zweigstelle Speidel-/Egerweg könne dies nur in offener Bauweise geschehen. „Das bedeutet, dass wir den Speidelweg vermutlich für einige Wochen sperren müssen“, so Pfahler. Nach Beendigung der Baumaßname werde das Grundstück wieder renaturiert und wieder mit einer Trockenmauer ins Landschaftsbild eingepasst. Aus Sicherheitsgründen, so Schaufuß auf Nachfrage, müsse das Grundstück „aber auch weiterhin mit einem Zaun geschützt werden.“

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