Seit 2013 sind die Kirchengemeinden Dürrlewang und Rohr fusioniert. Foto: Alexandra Kratz

In der evangelischen Kirchengemeinde Rohr-Dürrlewang haben binnen zwei Monaten sechs Kirchengemeinderäte ihr Amt niedergelegt. Die Gründe dafür sind nur schwer zu benennen. Und wie geht es nun weiter?

Rohr/Dürrlewang - Es ist eine Zäsur. In der Kirchengemeinde Rohr-Dürrlewang wird es in Kürze keinen Kirchengemeinderat geben, sondern eine ortskirchliche Verwaltung. Dies wird notwendig, wenn innerhalb von zwei Jahren mehr als die Hälfte der gewählten Mitglieder aus dem Gremium austritt. Das ist in der Gemeinde Rohr-Dürrlewang nun der Fall. Im Juni hatte eine Rätin ihr Amt niedergelegt, im Juli folgten fünf weitere.

Die Dekanin Kerstin Vogel-Hinrichs sprach das Thema jüngst am vergangenen Sonntag bei ihrem Gottesdienst im Rahmen des 50. Gemeindefests in Rohr an. In ihrem offenen Brief an die Gemeindemitglieder schreibt sie: „Es gab schon seit Längerem sehr unterschiedliche Auffassungen über die Zusammenarbeit im Kirchengemeinderat. Leider konnten auch die begonnene Gemeindeberatung und mehrere Gespräche die Situation nicht so grundlegend verbessern, dass es für alle eine gute gemeinsame Perspektive gegeben hätte.“

„Meinungsverschiedenheiten sind möglich und menschlich“

Das noch verbleibende Gremium bleibt vorerst im Amt und ist weiterhin beschlussfähig. Allerdings nur so lange, bis der Oberkirchenrat die ortskirchliche Verwaltung eingesetzt hat. Das geschieht voraussichtlich im Oktober. Dann verlieren auch die Mitglieder ihr Amt, die gern im Kirchengemeinderat weitergearbeitet hätten. Mitglieder der neuen ortskirchlichen Verwaltung werden kraft Amtes Pfarrer Thomas Rumpf, Pfarrerin Mirjam Wolfsberger und die Kirchenpflegerin Simone Hungerbühler sein. Hinzu kommen neun weitere Personen, die im bisherigen Gremium nicht Mitglied waren. Sie werden vom Oberkirchenrat vorgeschlagen und eingesetzt. Die ortskirchliche Verwaltung übernimmt die Aufgaben des Kirchengemeinderats bis zur regulären Kirchenwahl am 1. Advent 2019.

„Sicher ist dieser Prozess für alle Beteiligten sehr schmerzlich und auch nicht alltäglich im Leben einer Kirchengemeinde. Trotzdem ist es gut und richtig, Differenzen zu benennen und gegebenenfalls daraus dann auch Konsequenzen zu ziehen, damit es einen Neuanfang geben kann“, sagt Vogel-Hinrichs. Unfrieden und Meinungsverschiedenheiten seien möglich und menschlich. „Wesentlich ist nun, was die Beteiligten daraus machen: lernen aus dem, was nicht gut war, Vertrauen statt Misstrauen aufbringen, Gräben zuschütten, statt offen zu lassen oder zu verbreitern“, so die abschließenden Worte der Dekanin.

Thomas Rumpf, der geschäftsführende Pfarrer der Kirchengemeinde Rohr-Dürrlewang, spricht von einer schwierigen Situation. Er bedauere die Rücktritte. „Ich bin aber zuversichtlich, dass das vielfältige Gemeindeleben dennoch ohne Beeinträchtigungen fortgeführt werden kann.“ Der gute Wille dazu sei bei allen Beteiligten da. Alle Kirchengemeinderäte, auch die, die ihr Amt niedergelegt hätten, hätten deutlich gemacht, dass sie weiter aktiv bleiben wollen.

„Die Verunsicherung ist groß“

Rumpf ist es wichtig, offen mit dem Problem umzugehen. Er versuche, den Prozess transparent zu gestalten. Das bedeutet für ihn derzeit viel Kommunikation. „Die Verunsicherung ist groß. Die Menschen haben viele Fragen.“ Nicht alle kann er beantworten. Zum Beispiel die Frage, wie es soweit kommen konnte. „Es gibt keinen benennbaren Grund. Es ist schwer zu greifen“, sagt der Pfarrer. Die Sitzungen des Kirchengemeinderats seien manchmal schwierig gewesen. Eine Ursache dafür sei wahrscheinlich die Fusion der Gemeinden Rohr und Dürrlewang vor einigen Jahren und die damit verbundenen Verunsicherungen und Ängste, die weiterwirken.

Seit Januar 2018 gab es einen Beratungsprozess. Dennoch habe man die tief greifenden Differenzen nicht lösen können. So steht es in einem Brief an die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter der Gemeinde, der von Thomas Rumpf und Michael Püngel als Vorsitzender des Kirchengemeinderats unterzeichnet ist. Rumpf ergänzt: „Es ist nicht konstruktiv, wenn man im Konflikt weiterarbeitet.“ Ihm sei es wichtig, weitere Verletzungen und Enttäuschungen zu vermeiden. „Wir müssen konstruktiv nach vorne schauen und wieder auf einen guten Weg kommen“, sagt der Pfarrer.

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