Die Halle der Albert-Schweitzer-Schule ist imposant. Wer sie sehen will, hat dazu im September Gelegenheit. Foto: privat

Die Albert-Schweitzer-Schule in Stuttgart-Rohr hat eine besondere Geschichte. Das Haus war einst ein Heim der Hitlerjugend. Wir haben ein paar Fakten zur Historie zusammengestellt.

Rohr - Wohl kaum eine Schule ist in einem so ungewöhnlichen Haus untergebracht wie die Albert-Schweitzer-Schule in Rohr. „Und der heute darin herrschende Umgang miteinander steht im diametralen Gegensatz zum Geist (oder besser: Ungeist), in dem es einst errichtet wurde“, schreibt die stellvertretende Rektorin Maria-Theresia Burkert.

Die Nazis haben 1938/39 das heute denkmalgeschützte Schulhaus, die Thinghalle, auf der Rohrer Höhe gebaut. „Die Architektur erzählt von den sozialen und kulturellen Verhältnissen der damaligen Zeit und von der ursprünglichen Nutzung des Gebäudes als Heim der Hitlerjugend. Mit seiner zentralen Halle war es darauf ausgelegt, Kinder und Jugendliche in Demut und Disziplin mit der Ideologie des Nationalsozialismus vertraut zu machen“, schreibt Burkert. Damals hielt sich das sogenannte Jungvolk, die „Pimpfe“, die Jungmädel und die Mitglieder des Rohrer Fähnleins „Wolgot“ auf dem Gelände und in der Halle auf. „Ganze Kerle und keine Muttersöhnchen sollten dort herangezogen werden, Unsportliche hatten nichts zu lachen“, weiß Burkert zu berichten.

Die Halle erinnert an die Zauberschule Hogwarts

Als HJ-Heim diente die Thinghalle allerdings nur wenige Monate. Kurz nach dem Kriegsbeginn zogen Versorgungseinheiten der Nazis ein. Und nach dem Krieg, von 1945 bis 1948, belegten die Besatzungstruppen das Gebäude. Später folgte das Rote Kreuz. Seit 1949 befindet sich die Paulinenpflege der Stiftung Jugendhilfe aktiv mit der Albert-Schweitzer-Schule auf dem Gelände. „Mit einer zur ursprünglich geplanten Nutzung völlig konträren Ausrichtung. Denn hier werden gerade benachteiligte Kinder und Jugendliche wertgeschätzt, hier finden sie Unterstützung und Anerkennung – und das schon seit vielen Jahrzehnten“, so Burkert.

Das Gebäude an der Thingstraße 50 mit seiner hallenartigen Architektur ist eigentlich gar nicht so gut für eine Schulnutzung geeignet. Das Haus erinnert ein bisschen an die Zauberschule Hogwarts aus den Harry-Potter-Filmen. In Stuttgart und auch im Stadtteil Rohr kennen nur wenige die Geschichte des Geländes. Das soll sich nun ändern. Denn die Schulgemeinschaft hat sich dazu entschlossen, in diesem Jahr beim Tag des offenen Denkmals am 10. September mitzumachen. „Macht und Pracht“ heißt das bundesweite Motto. Das passt zur Geschichte der Albert-Schweizer-Schule. „Darum öffnen wir die Pforten der Thinghalle für die Öffentlichkeit“, sagt Burkert und ergänzt: „Nachbarn und Anwohner sollen uns besuchen kommen.“

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