Um zum Tatort in Riedenberg zu gelangen, rückte die Polizei am Dienstag mit einem Großaufgebot an. Foto: 7aktuell.de | Alexander Hald

Ein 60-Jähriger wird in Stuttgart-Riedenberg umgebracht, sein Leichnam verstümmelt. Der 27 Jahre alte Sohn steht unter dringendem Tatverdacht. Doch ist er überhaupt schuldfähig?

Stuttgart - Nach dem tödlichen Familiendrama in Riedenberg hat ein zuständiger Richter Haftbefehl gegen den 27-jährigen Sohn des Opfers erlassen und ihn in eine psychiatrische Einrichtung eingewiesen. Der 27-Jährige soll am Dienstag seinen 60-jährigen Vater in einem Reihenhaus der Familie umgebracht und den Leichnam verstümmelt haben. Anschließend meldete er die Tat mit einem Telefonanruf bei der Rettungsleitstelle von DRK und Feuerwehr. Stunden später wurde er bei einem spektakulären Einsatz von Spezialeinsätzkräften der Polizei am Tatort in der Wohnung festgenommen.

Das Motiv bleibt vorerst unklar – und wird womöglich nie vollständig zu klären sein. Am Tatort war das Opfer grausam verstümmelt vorgefunden worden. Nicht zuletzt diese erschütternde Szenerie ließ die Ermittler der Mordkommission rasch vermuten, dass eine psychiatrische Erkrankung Hintergrund der Bluttat gewesen sein könnte. Gutachter der forensischen Psychiatrie werden in den nächsten Wochen und Monaten zu klären versuchen, ob der 27-Jährige womöglich nur eingeschränkt oder sogar überhaupt nicht schuldfähig ist.

Schuldfähig oder nicht – Richter müssen entscheiden

In der Vergangenheit hatten Gerichte solche dramatischen Kapitaldelikte in der Region Stuttgart unterschiedlich bewertet. Ein 23-Jähriger beispielsweise, der 2013 im Hallschlag seinen Halbbruder erstochen hatte, wurde zwar wegen heimtückischen Mordes zu 14 Jahren Haft verurteilt. Er musste aber wegen einer während des Prozesses festgestellten „schizotypischen Störung“ vor Haftantritt zunächst in psychiatrische Behandlung. Ein 39-Jähriger, der 2015 in Böblingen seinen Vermieter im Wahn mit 50 Messerstichen umgebracht hatte, wurde vom Landgericht Stuttgart in die Psychiatrie eingewiesen. Der Richter erklärte in seinem Urteil den Mann wegen einer „schizoaffektiven Psychose“ für nicht schuldfähig.

Das Tötungsdelikt in Riedenberg hat auch unter Stuttgarter Taxifahrern große Betroffenheit ausgelöst. Die Familie hatte nämlich unter der Adresse des Tatorts in Riedenberg ein Taxiunternehmen betrieben. „Es ist tragisch, dass so etwas passieren kann“, hieß es in der Stuttgarter Taxi-Zentrale, der Genossenschaft der Berufschauffeure.

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