Im Hort der Riedenberger Heuschrecken herrscht eine familiäre Stimmung. Foto: Julia Bosch

Eltern und Erzieher von der Eltern-Kind-Gruppe Heuschrecken in Riedenberg fürchten um die Fördergelder der Stadt. Sie wollen ihre Kinder aber nicht ausschließlich in Ganztagsschulen betreut wissen. Dafür haben sie ihre Gründe.

Riedenberg - Ein Donnerstag um die Nachmittagszeit in Riedenberg: Im Erdgeschoss des Kinderhauses Heuschrecken am Dattelweg gibt es gerade Nachtisch: Keine zuckerlastigen Schokoriegel aus der Packung, sondern Naurjoghurt mit frischem Obst bekommen die Ein- bis Sechsjährigen. Im Obergeschoss sind die etwas Größeren untergebracht: Die Sechs- bis Zehnjährigen machen dort ihre Hausaufgaben nach der Schule, danach spielen sie Gesellschaftsspiele, nähen – oder nutzen gemeinsam mit den Kleineren den großen Garten und die beliebte Außenrutsche.

Das Kinderhaus Heuschrecken ist die einzige Eltern-Kind-Gruppe (EKG) auf der Filderebene, die auch einen Hort beherbergt. Insgesamt gibt es 44 Eltern-Kind-Initiativen in der Landeshauptstadt, zehn davon haben einen Hort.

Es sollen Plätze für Unter-Dreijährige geschaffen werden

„Den Kindern fällt der Übergang in die Grundschule viel leichter, wenn sie schon vorher in einem Kinderhaus waren und auch nach der Schule dann zur Betreuung hierher kommen“, sagt Elke Fantini, eine Mutter, die ihr Kind im Hort untergebracht hat.

Nun sorgt sie sich aber um das Fortbestehen dieser Horte in den Eltern-Kind-Gruppen – und ist damit nicht alleine. Die Stadt entschied schon vor längerer Zeit, dass aufgrund der wachsenden Zahl an Ganztagsgrundschulen die Horte schrittweise abgebaut werden und dafür lieber zusätzliche Plätze für Kinder unter drei Jahren geschaffen werden, die in Stuttgart ebenfalls knapp sind. In einigen städtischen und kirchlichen Kindertagesstätten ist eben dies schon passiert– wie etwa in der Kita Wirbelwind in Riedenberg.

Das Kinderhaus hat nur 19 Schließtage im Jahr

Die Erzieher und Eltern sehen die Zukunft der Horte in den EKG aber nicht in der Kleinkindbetreuung. „Es könnte sein, dass in den Horten das jetzige pädagogische Fachpersonal dann teilweise nicht mehr zur Verfügung steht“, sagt Daniela Lock, die Erzieherin im Hort ist und die pädagogische Leitung im Kinderhaus Heuschrecken innehat. Außerdem seien die Räumlichkeiten oft völlig ungeeignet für Kleinkinder. Bisher gibt es im Hortbereich des Kinderhauses Heuschrecken mehrere Hausaufgabenzimmer sowie einen Spielbereich. Kleinkinder benötigen dagegen Bettchen für die Mittagspause, spezielle sanitäre Anlagen und andere Sicherheitsvorkehrungen.

Außerdem halten es die Eltern und Erzieher aus dem Hort für wichtig, dass die Betreuungsvielfalt in Stuttgart bestehen bleibt. Gegenüber Ganztagsschulen hätte die Betreuung in den Horten der EKG zahlreiche Vorteile: „Wir haben durchschnittlich nur 19 Schließtage im Jahr“, sagt Lock. „Die Eltern müssen sich auch in den Ferien keine Sorgen um die Betreuung ihrer Kinder machen.“ Zudem lernten die Kinder die Räumlichkeiten und Erzieher bereits mit einem Jahr kennen – und blieben dort, bis sie zehn Jahre alt sind. So entstünde eine besondere Bindung. Und die Horte der EKG seien flexibler, sagt Lock: „Bei uns können die Schüler auch während des Betriebs mal zum Flötenunterricht oder zum Fußballtraining – oder auch früher gehen oder nicht kommen, wenn die Eltern zu Hause sind.“

Der Betreuungsschlüssel in den Horten überzeugt viele Eltern

Doch das wohl wichtigste Argument für die Eltern ist der Betreuungsschlüssel. 20 Hortkinder werden von zwei Erziehern und einem FSJler betreut. „Beim Mittagessen sitzt an jedem Tisch ein Erwachsener, und die Kinder erzählen von ihrem Tag – so wie das bei einer Familie zu Hause der Fall ist“, sagt Lock. Außerdem tue den Kindern der Tapetenwechsel nach dem Unterricht oftmals gut. Die Mutter Corinna Minten, die zwei Kinder bei den Heuschrecken untergebracht hat, ergänzt: „Die Betreuung ist viel familiärer als in den Ganztagsschulen.“

Dies würde verloren gehen, wenn die Stadt sich dazu entschließt, die Betreuung zu vereinheitlichen und die Horte künftig nicht mehr zu fördern. Dann müssten alle Kinder, die auf eine Betreuung nach dem Schulunterricht angewiesen sind, in die Ganztagsform wechseln. „Wir stehen im engen Kontakt mit mehreren Parteien und hoffen, dass deren positive Äußerungen bedeuten, dass die Horte aus den EKG auch künftig erhalten bleiben“, sagt Fantini.

Die CDU unterstützt die Horte

Tatsächlich hat die Stuttgarter CDU-Gemeinderatsfraktion jüngst einen Antrag gestellt, dass sich die Stadt für Fördermittel des Landes für Hortplätze von Eltern-Kind-Initiativen einsetzen soll. „Die CDU-Fraktion spricht sich nachdrücklich dafür aus, diese Trägerform, die mit ihrem spezifischen Angebotssegment einer nicht unerheblichen Nachfrage nach flexibler Schülerbetreuung entspricht, beizubehalten und zu unterstützen“, schreiben die CDU-Stadträte in ihrem Antrag. Zudem beantragen sie, dass in der nächsten Sitzung des Jugendhilfeausschusses am Montag, 27. März, die Verwaltung die aktuelle Situation der Horte vorstellt. Den Horteltern und Erziehern wurde bisher mitgeteilt, dass die Horte im Mai ein Thema im Jugendhilfeausschuss sein sollen.

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