An der Tanzschule wird unter anderem Ballett, Hip-Hop und Salsa angeboten. Foto: z/privat

Mehr als 350 Kinder und Erwachsene lernen in der Tanzschule Juhrythmics in Stuttgart-Plieningen. Doch: Das Baurechtsamt könnte den Betrieb jederzeit einstellen und die Suche nach anderen Räumen ist schwierig – aus einem bestimmten Grund.

Plieningen - Als Janine Juhr im März 2014 die Tanzschule Juhrythmics an der Strebelstraße eröffnete, war sie gerade 22 Jahre alt geworden. Trotzdem hatte die junge Frau bereits am ersten Tag 120 Interessierte, die deren Tanzkenntnisse an ihrer Schule verbessern wollten. Mittlerweile sind es 350 Schüler – und die 180 Quadratmeter reichen nicht mehr aus.

Die Beliebtheit der Tanzschule rührt auch von dem Bekanntheitsgrad der mittlerweile 25-jährigen Chefin Janine Juhr und der diversen Tanzlehrer, die beispielsweise auch bei Fernsehsendungen wie „Let’s Dance“ regelmäßig auftreten.

Juhr selbst hat mit zweieinhalb Jahren begonnen zu tanzen: „Ich habe jahrelang Ballett und Hip-Hop getanzt und bereits mit 13 Jahren erste Kurse in Vereinen gegeben“, berichtet sie. Später absolvierte sie eine Ausbildung zur Tanzpädagogin und unterrichtete zunächst an der Kiedaisch Sportschule in Degerloch sowie in verschiedenen Fitnessstudios, bis sie an einer Tanzschule angestellt wurde.

Die Tanzschule hat nur eine Nutzungsduldung

„Durch meine Freiberuflichkeit kannte ich viele Schüler, die gerne von mir unterrichtet wurden. Da entstand irgendwann die Idee, dass ich auch eine eigene Tanzschule eröffnen könnte“, berichtet Juhr. Doch sie hatte unterschätzt, wie unbeliebt Tanzschulen als potenzielle Nachbarn sind. Die meisten Vermieter befürchteten eine zu hohe Lärmbelastung. „Ich habe pro Monat bestimmt 20 Gebäude angeschaut, aber immer nur Absagen erhalten.“ Schließlich entschloss sie sich, in dem Haus ihrer Großmutter, an der Strebelstraße 20, die Tanzschule Juhrythmics zu eröffnen. „Ich wollte maximal ein halbes Jahr dort bleiben“, sagt sie. Mittlerweile sind dreieinhalb Jahre daraus geworden.

Doch der Wunsch nach einem Umzug wird immer größer. „Wir haben hier nur eine Nutzungsduldung“, erläutert Juhr. „Das bedeutet, dass das städtische Baurechtsamt theoretisch von einem Tag auf den anderen den gesamten Betrieb einstellen könnte.“ Dies könnte zum Beispiel dann passieren, wenn sich mehrere Nachbarn über die herüberschallende Lautstärke beklagen und Anzeige erstatten. „Als wir 2014 aufgemacht haben, hat ein Nachbar Anzeige erstattet, doch durch einige Lärmschutzmaßnahmen konnten wir die Anwohner erst einmal beruhigen.“ Juhr rechnet jedoch damit, dass jederzeit weitere Klagen kommen könnten.

Dazu kommt, dass die 180 Quadratmeter an der Strebelstraße zu klein geworden sind. Die Nachfrage ist größer als der Platz in den beiden Tanzsälen. Außerdem würde Juhr gerne noch mehr Kurse anbieten – wie beispielsweise Ballett für Erwachsene. Aus diesem Grund sucht die Tanzlehrerin nach einem Gebäude, in dem die Tanzschule zwischen 200 und 300 Quadratmeter Platz hat. Voraussetzung wäre, dass das alternative Gebäude ebenfalls auf der Filderbene ist – am liebsten würde Juhr nach Degerloch ziehen. „Von den erwachsenen Tanzschülern kommt kein Einziger aus Plieningen, sondern aus dem gesamten Stuttgarter Stadtgebiet sowie aus Esslingen, Ludwigsburg oder auch Heilbronn. Für fast alle wäre Degerloch als Standort geschickter, dann wäre die Anfahrt etwas kürzer“, sagt sie. Und für die jüngeren Tanzschüler, von denen einige aus Plieningen stammten, wäre Degerloch immer noch in guter Reichweite, sagt Juhr.

Die Suche nach Räumlichkeiten läuft zäh

Bisher läuft die Suche nach einer Alternative jedoch nicht gut. Erst vor Kurzem hat Juhr wieder eine Absage von einer Räumlichkeit im Industriegebiet Tränke zwischen Möhringen und Degerloch bekommen. „In ein Industriegebiet zu ziehen, wäre optimal, da dann weniger Klagen von Anwohnern kommen“, sagt Juhr. Doch viele Vermieter hätten trotzdem Bedenken. „Alle finden Tanzschulen gut, doch keiner will eine in seiner Nähe haben“, sagt sie und seufzt. Für Juhr ist das mehr als bitter: „Wir leisten ja auch einen Beitrag zur kulturellen Förderung.“ So würden bei ihr zum Beispiel auch mehrere Meisterschaftsgruppen trainieren, und viele der Lehrer seien ehemalige Schüler der renommierten John-Cranko-Schule in Stuttgart oder der New York City Dance School.

Falls die 25-Jährige doch noch irgendwo eine Zusage für ein Gebäude erhält, darf man gespannt sein, was mit den Räumen an der Strebelstraße geschieht. Ganz früher verkaufte die Handelskette Konsum hier ihre Waren. Bevor Juhr einzog, war in den Räumen ein Obst- und Gemüsehändler, später wollte eine Initiative einen Waldorfkindergarten eröffnen, was dann jedoch kurzfristig doch nicht klappte. Was wohl nach der Tanzschule kommen mag?

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