Stuttgart-Plieningen Studentenwohnheim und Generationenhaus geplant

Von Julia Bosch 

In Hohenheim braucht es dringend mehr Wohnraum für Studenten. Dieses Foto zeigt das Wohnheim des Studierendenwerks am  Nordbahnhof. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth
In Hohenheim braucht es dringend mehr Wohnraum für Studenten. Dieses Foto zeigt das Wohnheim des Studierendenwerks am Nordbahnhof. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

In Stuttgart-Plieningen sind zwei Großprojekte geplant: An der Fruwirthstraße soll ein Wohnheim für 102 Studenten gebaut werden. Außerdem ist ein Haus für alte Menschen und Studenten geplant. Doch findet sich auch noch Platz für die dringend benötigte Kita?

Plieningen - Oliver Schill und Dietmar Topka vom Studierendenwerk Tübingen-Hohenheim hatten es am Montagabend nicht einfach im Bezirksbeirat von Plieningen und Birkach: Die Lokalpolitiker hatten sich zum letzten Mal vor der Sommerpause ausnahmsweise nicht im Bezirksrathaus, sondern im Plieninger Feuerwehrhaus getroffen – und die heißen Temperaturen und fehlende Klimaanlage dort trugen nicht zur Beruhigung der sowieso schon recht aufgebrachten Bezirksbeiräte bei. Eigentlich wollten die beiden Vertreter des Studierendenwerks den Lokalpolitikern die baulichen Details für das geplante Studentenwohnheim an der Fruwirthstraße vorstellen – doch die interessierten die Bezirksbeiräte gar nicht so sehr. Vielmehr ärgerten sie sich darüber, dass kaum Parkplätze, keine Kita und keine Sportflächen in dem Neubau vorgesehen sind – alles drei fehlt in Plieningen und Birkach.

Konkret soll das Wohnheim für 102 Studenten an der Fruwirthstraße an der Kreuzung zur Welfenstraße entstehen. Bereits in einem guten Jahr soll der Bauantrag gestellt werden, sodass 2020 die Bauarbeiten auf dem 3483 Quadratmeter großen Gelände beginnen können. Pro Student sind 16 bis 17 Quadratmeter Fläche vorgesehen, wobei man Küche und Bad abziehen muss, sodass effektiv jeder Student etwa 13 Quadratmeter Platz hat. Das Gebäude soll zusätzlich zum Kellerbereich drei Geschosse haben, wobei aufgrund der Topografie an der Fruwirthstraße möglicherweise sogar vier Geschosse möglich sind. Auf dem Gelände sind zwar zahlreiche Abstellplätze für Fahrräder geplant, jedoch nur zwei Autoparkplätze sowie ein sogenannter Service-Parkplatz für Mitarbeiter. „Dafür sollen in der Tiefgarage des Gebäudes an der Welfenstraße 80, das wir von der Geno-Akademie gekauft haben, 27 Stellplätze für Studenten zur Verfügung gestellt werden“, verkündete Topka.

In Hohenheim fehlt Wohnraum für Studenten

Diese Aussage brachte die Bezirksbeiräte auf die Palme: „Die 27 Parkplätze sind ja nicht neu, sondern es gibt sie bereits“, schimpfte der SPD-Bezirksbeirat Ulrich Berger. Oliver Schill entgegnete, dass die Geno-Akademie ja ausgezogen sei und daher durchaus Parkplätze frei würden: „Die Parkplätze stehen nun der Uni zur Verfügung. Aber insgesamt wird das Studierendenwerk freilich nicht das Parkplatzproblem von Plieningen und Birkach lösen.“

Weitere Kritik gab es dafür, dass keine Sportflächen und keine Kita in dem Neubau vorgesehen sind. „Studentisches Wohnen und Kinderbetreuung passt nicht immer gut zusammen. Zudem sind Kitaplätze vorrangig kommunale Aufgabe – und auch Sportflächen sind nicht das Thema des Studierendenwerks“, entgegnete Oliver Schill auf die Kritik der Bezirksbeiräte. Das Studierendenwerk brauche den gesamten Platz dringend, um bezahlbaren Wohnraum für Studenten zu schaffen: „Es gibt die Vorgabe, dass für 15 bis 16 Prozent der eingeschriebenen Studenten ein Wohnheimplatz zur Verfügung stehen muss. Davon sind wir in Hohenheim weit entfernt.“

Generationenhaus für Studenten und alte Menschen geplant

Am Dienstagmorgen war das geplante Studentenwohnheim in Hohenheim dann Thema im Umwelt- und Technikausschuss der Stadt Stuttgart. Auch dort kam es zu Querelen. Der CDU-Stadtrat Carl-Christian Vetter und die Grünen-Stadträtin Gabriele Munk versuchten, die Interessen der Plieninger und Birkacher Bezirksbeiräte im Gemeinderat zu verteidigen und sprachen sich dafür aus, eine zweizügige Kita in dem Neubau an der Fruwirthstraße unterzubringen. Laut dem Baubürgermeister Peter Pätzold ist das aber nicht ganz einfach, da baurechtlich gesehen auf dem Areal derzeit lediglich ein Wohnheim für Studenten vorgesehen sei.

Ein Beschluss fiel am Dienstag noch nicht, stattdessen entschieden die Stadträte, dass ein Prüfauftrag gestellt werden soll, in dem die Unterbringung einer Kita untersucht werden soll. Die Stadträte verlangten auch, dass nach Alternativstandorten für eine Kita gesucht werden solle – möglicherweise im Gebäude der Uni-Krippe Kita Kleinstein an der Egilolfstraße 37. Das Gebäude soll zeitnah sowieso saniert werden.

Neben dem Studentenwohnheim ist ein weiteres Großprojekt in Plieningen geplant: Wie Doris Rüdiger, die stellvertretende Leiterin des Amtes für Liegenschaften und Wohnen, berichtete, soll auf dem ehemaligen Gelände der Landwirtschaftlichen Schule an der Kreuzung Scharnhauser Straße/Im Bogert ein Generationenhaus für alte und pflegebedürftige Menschen sowie Studenten entstehen. „Wir schreiben das Gelände nun aus für mögliche Angebote“, sagte Rüdiger. Am 9. August soll es eine Veröffentlichung im Amtsblatt geben, Gebote dürfen bis Ende Oktober abgegeben werden. Derzeit ist angedacht, dass die Bauarbeiten auf dem Areal im Jahr 2022 beginnen sollen. Vorher muss aber noch der Gemeinderat über die Verkaufsausschreibung entscheiden.

Redaktion Plieningen

Ansprechpartnerin
Julia Bosch
plieningen@stz.zgs.de

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