„Das ist geklont“, sagt ein Mann, der beide vollgestellten Gebäude kennt. Dieses Foto zeigt das Haus in Unterberken. Foto: Caroline Holowiecki

Seit Jahren ärgern sich Anwohner und Behörden in Plieningen über ein unordentliches Gebäude mitten im Ort. Nun kommt heraus: Der Besitzer hat auch im Schorndorfer Ortsteil Unterberken eine Immobilie- mit demselben Look.

Plieningen/Schorndorf - Fahrräder stapeln sich und mit ihnen lose Metallteile, Bretter, Hausrat und anderes Gerümpel. Planen bedecken Teile des Daches, Planken, Leitern und Gerüstelemente, die wohl kaum einer freiwillig besteigen würde, der an seinem Leben hängt, umgeben das Gebäude. Das ist doch das obskure wilde Haus in Plieningen, oder? Falsch gedacht, es ist sein wilder Zwilling.

Seit Jahr und Tag stören sich Anwohner an der extravaganten Optik des Gebäudes am Durchgang zur Zehntscheuer und zur Kirche in Plieningen. Bewohner des verschachtelten Komplexes haben in der Vergangenheit überdies von üblen Gerüchen, einem Wasserschaden und mysteriösen Umbauarbeiten berichtet. Adressat der Kritik ist Wolfgang Schmid, ehemaliger OB-Kandidat und, so sagt er, Tüftler.

Es gibt ein Verfahren am Verwaltungsgericht

Geraume Zeit zoffte er sich mit Nachbarn und Behörden, nun steht das Haus zum Verkauf. Laut der beauftragten Maklerin gibt es 70 Anfragen. Der 61-jährige Besitzer befindet sich derweil in einem Rechtsstreit mit der Stadt. Es geht um die Standfestigkeit von Anbauten und Gefahren für Passanten. Das Ganze liegt beim Verwaltungsgericht, bestätigten beide Parteien.

Gleichzeitig kommt heraus: Wolfgang Schmid besitzt eine weitere Immobilie, die mit einem vergleichbaren Look vergleichbare Reaktionen hervorruft. „Das ist geklont“, sagt ein Mann, der beide Gebäude kennt. Das Zwillingshaus steht im Schorndorfer Ortsteil Unterberken, einem ruhigen Dorf mit großen Bauernhäusern. Das ungezwungene Äußere des Gebäudes sticht heraus. Sehr zum Leidwesen der Nachbarn. Auf den Freigeist von nebenan scheint keiner gut zu sprechen sein. „Es ist ein Ärgernis, ja, klar“, sagt eine Frau von gegenüber über das Haus, „weil es aussieht wie im Schweinestall“. Von einem „Schandfleck“ spricht ein anderer Nachbar. Wieder ein anderer, ein Senior, sagt, dass der Besitzer sich nur selten blicken lasse, „und dann macht er Mist“.

Auffällig viele Tiere hätten auf dem Areal gelebt

Wolfgang Schmid bestätigt, dass ihm das Haus gehört, er lebe dort aber nicht. „Es ist unbewohnbar. Frostschäden und ganz viel Zeugs drin“, sagt er. Das „Zeugs“ kommt offenbar von den Vorbesitzerinnen. Alle Nachbarn sprechen unisono davon, vom Regen in die Traufe gekommen zu sein. Schon die Bewohnerinnen zuvor, drei Frauen, hätten ein eher alternatives Verständnis von Ordnung gehabt. Auffällig viele Tiere hätten auf dem Areal gelebt, Pferde etwa und Ziegen. „Man sagt eigentlich, es kann nicht schlimmer werden. Das hat sich nicht bewahrheitet“, klagt ein Mann. Das Haus sei vor etwa fünf Jahren versteigert worden – und an Wolfgang Schmid gegangen. „Weil ich ein Projekt vorhabe oder -hatte“, erklärt der vielsagend. „Wir wohnen seit 40 Jahren hier. Für mich war das total der Frust, weil ich gedacht habe, das Haus wird abgerissen“, sagt eine ältere Frau aus der Unterberkener Nachbarschaft. Sie und ihr Mann sind seit Jahren in Kontakt mit den Behörden. Die waren jüngst da, um das Haus gründlich in Augenschein zu nehmen, sagt Edgar Hemmerich, Erster Bürgermeister in Schorndorf.

Es gebe keine Handhabe gegen das Gebaren

Hemmerich sind Wolfgang Schmid und seine Lebensart „ausreichend bekannt“ – bis 2013 war er Bezirksvorsteher in Plieningen. Beschwerden gebe es immer wieder. „Wir versuchen, ins Gespräch zu kommen und auf Herrn Schmid einzuwirken“, sagt er. Bisher ohne Ergebnis. Jedenfalls habe die jüngste Untersuchung ergeben, dass von dem Haus, dem Unrat und den Anbauten keine Gefahr ausgehe. „Weder baurechtlich noch ordnungsrechtlich können wir Hand anlegen“, sagt Edgar Hemmerich.

Ob Stuttgart oder Schorndorf: Wolfgang Schmid sieht sich seinerseits als Opfer. „Es ist irgendwas Korruptes im Staat“, sagt er. Mit seinen Häusern habe er ein Zeichen für die „schwäbische Kultur“ und „Kulturvielfalt“ setzen wollen. „Es war mal normal, dass man seine Miste vor dem Haus hatte. Auf alles, was auffällig ist, wird eingehackt“, moniert er. „Hühnermentalität“ nennt er das.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: