Ein Polizei-Hubschrauber ist auf dem Weg zu einem Einsatz. Foto: dpa

Ein Plieninger beklagt sich über Hubschrauberflüge. Oft würden diese nachts direkt über sein Wohngebiet hinwegfliegen. Die Polizei und der Lärmschutzbeauftragte des Flughafens klären auf, was dahinter steckt.

Plieningen - Manchmal möchte Thomas Hund sich und seinen Kindern die Ohren zuhalten. Dieses Bedürfnis kommt immer dann bei ihm auf, wenn wieder mal am späten Abend oder nachts Hubschrauber in geringer Höhe über seine Wohnung in Plieningen hinweg schmettern. In den vergangenen Wochen ist dies laut dem Plieninger so oft vorgekommen, dass er und seine Frau angefangen haben, sich zu notieren, wann Hubschrauber unterwegs sind.

„Manchmal wachen unsere Kinder von den Lärm nachts auf“, berichtet Thomas Hund. Dazu komme, dass der 47-Jährige und seine Frau zunehmend beunruhigt seien. In den vergangenen Tagen habe das Paar immer wieder beobachtet, dass die Hubschrauber ganz in der Nähe ihrer Wohnung am Weidenröschenweg ihre Scheinwerfer in Richtung Boden gerichtet hätten und sich bewegten – so als würden sie nach etwas suchen. „Wir wissen nicht, ob in unserer Nähe nach einem Kriminellen gesucht wird oder ob etwas ausgespäht wird“, sagt Hund.

Oft spielen sich die Einsätze gar nicht in Stuttgart ab

Ein Sprecher der Polizei Stuttgart äußert sich nicht zu den einzelnen Einsätzen, klärt aber auf: „Über die Landeshauptstadt fliegen immer wieder Hubschrauber, aber oft haben diese Einsätze nichts mit Stuttgart zu tun, sondern spielen sich irgendwo in Baden-Württemberg ab.“

Die sechs Hubschrauber der baden-württembergischen Polizeihubschrauberstaffelsind aufgeteilt am Stuttgarter Flughafen und einer Außenstelle in Baden-Baden/Söllingen stationiert. Von diesen beiden Punkten fliegen die Beamten zu Einsätzen in ganz Baden-Württemberg.

Am Fernsehturm müssen alle Hubschrauber und leichten Flugzeuge vorbei

Durch ihre räumliche Nähe zum Stuttgarter Flughafen bekommen es Plieninger also vergleichsweise oft mit, wenn Polizeibeamte zu einem Einsatz im Bundesland fliegen. Dazu kommt, dass sich am Stuttgarter Fernsehturm ein Pflichtmeldepunkt befindet. „Alle Hubschrauber und Flugzeuge, die leichter als 5,7 Tonnen schwer sind und auf Sicht fliegen, müssen dort vorbei fliegen“, erläutert ein Sprecher des Polizeipräsidiums Einsatz in Göppingen, das für die Hubschrauberstaffel zuständig ist. Damit soll verhindert werden, dass sich Passagiermaschinen sowie leichte Flieger und Hubschrauber der Polizei, des Rettungsdienstes, der US-Kasernen, der Flugschule sowie private Hubschrauber in die Quere kommen.

„Am Fernsehturm und der Umgebung findet also durchaus verstärkter Flugverkehr statt“, sagt der Polizeibeamte aus Göppingen. Allerdings sei dieser Prüfmeldepunkt nicht erst seit Kurzem auf der Waldau stationiert. „Es ist daher ungewöhnlich, dass der Anwohner derzeit besonders viele Hubschrauber wahrnimmt.“

In der Not fliegen die Hubschrauber über Wohngebiete hinweg

Der Lärmschutzbeauftragte des Flughafens, Klaus Peter Siefer, vermutet, dass der Ärger des Plieningers in jenen Hubschrauberflügen begründet liegt, wenn es um jede Minute geht. In der Regel müssen die Hubschrauber der Polizei und des Rettungsdienstes nämlich darauf achten, nicht direkt über Wohngebiete hinweg zu fliegen. Auf dem Weg von und zum Flughafen ist das der Luftraum über der Mittleren Filderlinie oder dem Bosch-Parkhaus. „Geht es aber um jede Minute, dürfen die Hubschrauber auf direktem Kurs zu ihrem Ziel fliegen – also auch direkt über Wohngebiete hinweg.“

Generell kommen bei Siefer in der vergangenen Zeit jedoch nur noch sehr wenige Klagen über Lärmbelastung durch Hubschrauber an: „Seit dem vergangenen Jahr sind die Kampfhubschrauber der ansässigen US-Kasernen nicht mehr am Flughafen Stuttgart stationiert – und seitdem hat sich die Lärmbelastung auch deutlich verringert.“

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