Wo wohnen eigentlich die Bauarbeiter, die auf der S-21-Baustelle beschäftigt sind? Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

In Stuttgart-Plieningen hört man, dass Bauarbeiter von örtlichen Hotels abgewiesen werden, weil diese Kapazitäten schaffen wollten für die im Herbst startende Messe. Offenbar ist aber genau das Gegenteil der Fall.

Plieningen - Konstantin Marmonitis will einen örtlichen Lockdown in Plieningen wegen einer möglichen zweiten Corona-Welle unbedingt verhindern. Deshalb sorgt sich der Plieninger um die Hygiene in Containern, in denen sich Bauarbeiter, zum Beispiel von der Stuttgart-21-Baustelle, aufhalten. Dass dort mehrere Männer eine Toilette und ein Bad benutzen, sei in Zeiten wie diesen nicht zu verantworten, meint Marmonitis. Deshalb sollten entweder mehr Waschmöglichkeiten geschaffen und Toiletten zur Verfügung gestellt werden, oder die Bauarbeiter sollten in örtlichen Hotels unterkommen. So die Idee, die auch in einem Antrag der CDU im Bezirksbeirat formuliert wurde. Dabei, so viel schon vorab, handelt es sich bei den Containern nicht um Wohn-, sondern nur um Arbeitsstätten.

Nun gibt es in Plieningen allerdings das Gerücht, dass Hotels gerade die Bauarbeiter „rauswerfen“, wie es in der jüngsten Sitzung des Bezirksbeirats hieß. Hintergrund soll angeblich sein, dass die Hotels wieder Platz brauchen und ihre Zimmer im Herbst teurer anbieten wollen, wenn die Messe wieder anläuft. Von diesem Vorwurf habe Konstantin Marmonitis, selbst Betreiber zweier Plieninger Hotels, noch nie etwas gehört, sagt er. „Wir schmeißen keine Leute raus, das gibt es bei uns nicht“, sagt er. Die Ausnahme sei, wie bei allen Hotelgästen, wenn jemand zum Beispiel die Möbel im Hotelzimmer kaputt macht. „Ich habe ein Problem damit, dass es heißt, dass Bauarbeiter nicht erwünscht sind“, sagt Marmonitis, „wenn die Leute anständig sind, ist es doch egal, wo sie arbeiten“.

Baufirmen würden Verträge mit den Hotels abschließen

Generell funktioniere es bei Bauarbeiter-Gästen so, dass die Baufirma einen Vertrag mit dem Hotel abschließe, wie viele Zimmer für wie lange gebucht werden sollen. Dabei werde auch ein fester Preis ausgemacht, der dann unabhängig sei von saisonbedingten Schwankungen. Welcher einzelne Arbeiter im Laufe von ein oder zwei Jahren letztlich in dem Zimmer wohne, sei egal.

Über solch lange Zeiträume checken beispielsweise im Star Inn Hotel im Plieninger Gewerbegebiet Entenäcker keine Bauarbeiter ein. Laut Direktorin Silke Marquardt seien immer mal wieder Monteure für vier bis sechs Wochen zu Gast. Seit Beginn der Corona-Zeit seien nur ein paar Arbeiter da gewesen, die am Flughafen tätig waren. Generell würde man „keine Gäste ablehnen“, sagt Marquardt.

Es könnte mehr los sein in den Hotels

Bei der Deutschen Bahn ist indessen nicht bekannt, dass einzelne Bauarbeiter ihr Hotel in Plieningen verlassen mussten. „Im Gegenteil haben wir erfahren, dass die Hotelbetreiber für entsprechende Anfragen infolge der mangelhaften Auslastung aufgrund der Corona-Pandemie sehr dankbar sind“, sagt ein Sprecher des Bahnprojekts Stuttgart-Ulm.

Die Sorge, dass es in Plieninger Wohncontainern an Hygiene mangeln könnte, will der Bahnsprecher zerstreuen. Denn im Bereich des Flughafens, wo derzeit an Stuttgart 21 gearbeitet wird, gebe es gar keine Containerunterkünfte für die Mitarbeiter. Zwar stehen auf Baustellen generell Container, die würden aber als Büros und nicht zum Übernachten genutzt, so der Bahn-Sprecher. Die Arbeiter seien entweder in Hotels oder in privaten Wohnverhältnissen untergebracht.

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