Die Stuttgarter Innenstadt hat ein Parkraummanagement. Plieningen liebäugelt damit. Foto: Kathrin Wesely

Wohnen, Parken und Stuttgart 21 – das sind die Themen, die Stuttgart-Birkach und Stuttgart-Plieningen umtreiben. Die Bezirksvorsteherin Andrea Lindel spricht über die Dauerbrenner.

Plieningen/Birkach - In Stuttgart mangelt es zusehends an Wohnungen und Parkplätzen. Das gilt auch für Birkach und Plieningen. Andrea Lindel, die Bezirksvorsteherin, spricht über die beiden Dauerbrenner, aber auch über Stuttgart 21 und was es für Plieningen bedeutet, wenn die Arbeiten auf den Fildern irgendwann losgehen.

Frau Lindel, in Birkach wird am Pallotti-Areal gebaut. Mehr als 70 Wohnungen entstehen an der Aulendorfer Straße. In Zeiten der Wohnungsnot – sind das dieses Jahr die besten Nachrichten für Birkach?

Ob es die besten sind? Aber es sind auf jeden Fall gute Nachrichten.

Trotzdem stieß das Projekt nicht nur auf Gegenliebe. Wie erklären Sie den Protest?

Wenn man das Projekt losgelöst betrachtet, sind die Eckdaten: Über 70 Wohnungen, eine viergruppige Kita, Wohnen für Studierende und geflüchtete Menschen, ein Block für die Sießener Schwestern, ein Gemeinschaftsraum fürs ganze Quartier. Zu diesen Eckdaten sagt doch jeder: tolles Projekt, coole Geschichte. Ich kann aber verstehen, dass die Nachbarn nicht davon begeistert sind, wenn sie bisher neben einer Kirche, die nicht mehr genutzt wird, gelebt haben, und dann wohnen da plötzlich welche, die ihnen in den Garten gucken können.

Die Spannungen wollten sich aber einfach nicht legen. Dazu haben auch die Fällungen alter Pappeln und die Tilgung des Namens „Pallotti“ von der Bushaltestelle beigetragen. Können Sie diese Aufgeregtheit verstehen?

Ja, natürlich. Aber man hat ja auch versucht, zu retten, was zu retten ist. Die SSB ist für die Benennung der Haltestellen zuständig. Da sie aber nicht vor Ort ist, konnte sie die nötige Sensibilität vielleicht nicht an den Tag legen. Aber sie hat ja nachgesteuert und gesagt: Also gut, wenn euch das so wichtig ist, dann gehen wir den Schritt mit euch mit.

Wo in Birkach könnte denn noch weiterer Wohnraum entstehen?

Das war ja schon das Thema bei den Flüchtlingswohnheimen. Als man Flächen gesucht hat, die nur temporär bebaut werden können, ist in Birkach nur einer zufällig auf die Fläche gestoßen, die mal als Parkplatz vorgesehen war. Aber sonst hat Birkach wirklich nur noch Landschaftsschutzgebiet, Naturschutzgebiet oder landwirtschaftliche Flächen. Da geht gar nichts.

Keine Brachen, keine Lücken?

Das gibt es sicher, dass zwischen den Häusern oder in zweiter Reihe noch etwas reinpasst, aber im Privaten.

Und bezahlbares Wohnen ist das ja in der Regel nicht.

Nein, eher nicht. Und ich finde, das muss schon der Maßstab sein. Ich möchte nicht, dass die Frisörin oder die Arzthelferin nur auf der Alb wohnen kann, ich fände es gut, wenn nicht nur Gutverdienende hier in Stuttgart wohnen, und der Rest muss gucken, wo er was findet.

Für Plieningen sind neue Wohnungen am Friedhof im Gespräch.

Ja, das ist brillant.

Fällt Ihnen ansonsten in Plieningen noch ein leeres Fleckchen ein?

Nachverdichtet wird ja auf der Fläche vom ehemaligen Opel Schmidt. Beim Architektenwettbewerb ist etwas ganz Pfiffiges rausgekommen, das im Frühjahr im Bezirksbeirat vorgestellt wird.

Über wie viele Wohnungen sprechen wir?

Leider nur 20.

Ein anderer Dauerbrenner in Plieningen ist das Thema Parken. Anwohner klagen lautstark über Flughafenparker. Warum spitzt sich die Situation immer mehr zu?

Ich glaube, dass es viele Bausteine sind. Flughafenparker sind sicher ein Thema. Man liest allenthalben: Die Fluggastzahlen erreichen neue Rekorde. Da ist es sicherlich ein Thema, dass ein paar vermeintlich schlaue Sparfüchse denken: Ah, dann stelle ich mein Auto da hin und fahre mit dem Bus oder Taxi rüber. Aber ich denke, dass auch die Familien, die hier wohnen, mehr Autos haben als früher. Die wirtschaftliche Lage ist gut, man kriegt für sein Geld, wenn man es auf der Bank liegen hat, nicht mehr sonderlich viele Zinsen, also kann ich Kind eins und Kind zwei ein Auto kaufen. Und dann sind die Garagen oft eher voll mit Gartenmöbeln, Motorrädern, Fahrrädern, Rasenmähern, sonst irgendwas.

Haben Sie ein Auto, Frau Lindel?

Ich fahre zu 90 Prozent mit dem Fahrrad ins Geschäft. Sonst haben wir einen VW-Bus – Diesel Euro 5.

Wird der Standortvorteil von Plieningen nahe der Messe und dem Flughafen langsam zum Standortnachteil?

Noch haben wir die Landwirtschaft vor der Haustür, noch genießen wir, dass die Sachen gestern auf dem Acker standen und heute auf dem Teller liegen. Es ist die Frage: Wie wollen wir in Zukunft leben? Möchten wir, dass wir hier keine Bauern mehr haben und alles zugepflastert wird, weil der Standortvorteil so toll ist? Oder muss der Gemeinderat sagen: Wir sind voll? Wir bringen einfach nicht mehr unter? Da ist die große Politik gefragt.

Ärger hat das geplante Parkraummanagement der Universität Hohenheim ausgelöst. Der Ton zwischen Lokalpolitik und Uni wird rauer. Wie kann der Frieden bewahrt werden?

Die Uni will und muss etwas machen. Es ist unbestritten, dass zu Semesterbeginn alles zugeparkt ist, auf wundersame Weise ist nach vier Wochen alles in geordneten Bahnen, aber dann kommt der nächste Semesterbeginn. Die Sorge der Anwohner, dass ihre Straßen zugeparkt werden, wenn die Studenten auf dem Campus fürs Parken zahlen müssen, ist berechtigt. Wobei tagsüber könnte es ja ganz gut passen, weil die Anwohner dann selber beim Arbeiten sind.

Hat nichts mit Parken zu tun, ist aber mindestens so brisant: Stuttgart 21. Das Projekt hat es auf den Fildern nicht leicht. Momentan stockt es überraschend, und damit auch der Bau der Südumfahrung für Plieningen. Wenn dann mal losgelegt wird, vielleicht schon 2019, werden die Plieninger von den Bauarbeiten beeinträchtigt werden?

Vom Lärm auf jeden Fall. Aber die Stadt hat ja festgeschrieben, dass der Baustellenverkehr nicht durch den Ort fahren darf. Jetzt gilt es, einzufordern, dass das auch eingehalten wird. Die Bahn ist ja recht zuversichtlich, dass dem nicht so sein wird. Aber ich finde, da muss man wachsam sein. Gegen den Baulärm werden wir nichts machen können, gegen den Flächenverbrauch auch nicht, das Thema ist durch.

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