Wo sollen die Kinder in Birkach und Plieningen künftig ihre Jacken aufhängen? Die Stadt hat noch immer keine Lösung. Foto: picture alliance/dpa

Rund 80 Kinder müssen in gut einem Jahr aus ihren Kitas in Stuttgart-Plieningen und Stuttgart-Birkach weichen – nur wohin? Das weiß keiner.

Plieningen/Birkach - Das Jahr 2022 wird voraussichtlich ein gutes in Sachen Kinderbetreuung. Insgesamt 100 Plätze mehr als heute soll es dann in Plieningen und Birkach geben. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte: Das ist noch drei Jahre hin. Drei Jahre, in denen es noch einige Fragezeichen gibt. Denn die zusätzlichen Betreuungsplätze werden in drei Kitas eingerichtet, die alle bis 2022 neu gebaut werden. Das heißt, sie alle werden abgerissen. Und das heißt, die Kinder müssen in der Bauzeit wo anders unterkommen.

Hier geht es zu unserem Kita-Kompass für Eltern von Kindern unter 3 Jahren

Die Stichtage zum Abriss rücken immer näher. Der Pallotti-Kindergarten ist sogar schon mitten im Neubau. Dort ist alles geregelt – das Problem sind die Kitas an der Grüninger Straße in Birkach und an der Körschstraße in Plieningen. Fast zeitgleich sollen sie abgerissen werden. Was mit den Kindern in der Bauzeit passiert, weiß man nicht. Im März vergangenen Jahres hieß es dazu von Seiten der Stadt: „Das Thema Interimsunterbringung wird verwaltungsintern noch geklärt.“ Nun – fast anderthalb Jahre später – gibt das Jugendamt auf Anfrage unserer Zeitung noch immer die gleiche Antwort: „Wir prüfen aktuell noch die Ausweichmöglichkeiten in Abstimmung mit den anderen Ämtern der Stadtverwaltung.“ Vor Ort sorgt das natürlich für Unmut. „Es drängt“, sagt CDU-Bezirksbeirat Jürgen Holzwarth, „die Baupläne sind da, wir brauchen jetzt eine Interimslösung.“

Kita Grüninger Straße: Interim in Containern vorgeschlagen

Ursprünglich war der Plan, die Kinder aus der Grüninger Straße während der Bauzeit in der Kita an der Osumstraße unterzubringen. „Mittlerweile ist die Kinderbetreuung dort bereits soweit ausgelastet, dass diese Möglichkeit nicht mehr besteht“, heißt es in einer Beschlussvorlage der Stadt. Die Verwaltung schlug dann vor, zwei Containeranlagen auf dem städtischen Grundstück an der Scharnhauser Straße 19 in Plieningen aufzustellen. Eine Lösung, die vor Ort nicht gut ankam: „Das wäre viel zu weit weg, um zu Fuß dorthin zu kommen“, sagt Jürgen Holzwarth. Deshalb reichte die Birkacher CDU kurzerhand einen eigenen Vorschlag ein. Demnach sollen die Kinder in Containern auf dem Bolzplatz zwischen Kaiser- und Äxtlestraße unterkommen. Das wäre nur 200 Meter von der jetzigen Kita entfernt. Laut Holzwarth gibt es zu dieser Idee bisher keine Reaktion der Stadt.

An der Grüninger Straße soll eine viergruppige Kita entstehen. Derzeit werden dort zwei Gruppen mit Drei- bis Sechsjährigen betreut. Künftig gibt es eine zehnköpfige Gruppe von Null- bis Dreijährigen, eine 15-köpfige Gruppe von Null- bis Sechsjährigen und zwei Gruppen mit je 20 Plätzen für Drei- bis Sechsjährige. Der Baubeginn ist für Herbst 2020 geplant. Einziehen können die 65 Kinder voraussichtlich im Frühjahr 2022. Die Kosten für den Neubau liegen bei etwa 4,5 Millionen Euro. Darin nicht enthalten sind Kosten für eine Interimslösung. Dafür werden etwa 470 000 Euro kalkuliert. Wie dieses Interim aber aussieht, ist weiter unklar.

Kita Körschstraße: Modriger Geruch ist zu stark geworden

Auch für die Kinder aus der Kita Körschstraße war die Containerlösung an der Scharnhauser Straße im Gespräch. Ob das für die Stadt derzeit noch eine Möglichkeit ist, ist unklar. „Wir werden sämtliche Optionen so zeitnah wie möglich mit allen Betroffenen besprechen“, heißt es beim Jugendamt auf Anfrage. Wie diese Optionen aussehen, teilt das Amt nicht mit.

Die Kita an der Körschstraße wurde im Jahr 2015 saniert, um den modrigen Geruch im Gebäude in den Griff zu bekommen. Laut Stadt habe dieser Geruch wieder zugenommen und könne nur durch einen Abriss des Gebäudes komplett beseitigt werden. Deshalb wird auch diese Kita neu gebaut – voraussichtlich von Anfang 2021 bis Herbst 2022. In diesem Zuge entstehen 40 neue Betreuungsplätze, sodass 35 Null- bis Dreijährige und 50 Drei- bis Sechsjährige aufgenommen werden können. Die Kosten für den Neubau liegen bei gut vier Millionen Euro. Auch in diesem Fall werden zudem 470 000 Euro für eine Interimslösung veranschlagt – und auch in diesem Fall gibt es diese nicht.

Pallotti-Kindergarten ist in Kirche untergekommen

Auf dem Pallotti-Areal entsteht derzeit eine viergruppige Kita. Während der Bauphase werden die Kinder in der ehemaligen Neuapostolischen Kirche an der Moosheimer Straße betreut. Im neuen Gebäude wird Platz für 60 Kinder im Alter von ein bis sechs Jahren sein, bisher sind es 20 Kinder im Alter zwischen drei und sechs Jahren. Der neue Kindergarten soll 2022 fertig sein.

Gute Aussichten also für das Jahr 2022. Aber bis dahin muss noch einiges geklärt werden. Ein Kindergartenjahr bleibt nun Zeit, bis die Kinder an der Grüninger Straße ihre alte Heimat verlassen müssen. Ein halbes Jahr später folgen die Kleinen aus der Körschstraße – wohin auch immer.

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