In Sachen Nahversorgung ist Plieningen – unter anderem mit mehreren Bäckern und Metzgern sowie einem Discounter in der Ortsmitte – nach wie vor gut aufgestellt. Foto: Ralf Recklies

Handyladen statt Eisenwaren: An der Ladenstraße in Stuttgart-Plieningen hat sich vieles verändert hat: Doch wie steht es in dem Stuttgarter Stadtbezirk um den Dauerbrenner Leerstand?

Plieningen - Auch wenn sie aus Altersgründen heute längst nicht mehr so gern wie früher zum Einkaufen in die Stuttgarter City fährt, muss Alenka Wetzel doch ab und an den Weg von den Fildern ins Tal nehmen – weil sie manche Produkte vor Ort nicht bekommt. „Als wir 1971 nach Plieningen kamen, gab es hier fast alles“, sagt die Seniorin. Ob Drogerieartikel oder Damenmode, Wäsche, Eisenwaren oder Waren des täglichen Bedarfs: der Plieninger Einzelhandel habe durch seine Vielfalt überzeugt. Inzwischen sei die Zahl der Fachgeschäfte aber deutlich geschrumpft. Elektrogeräte wie man sie einst – „inklusive Service“ – in einem Radio- und Fernsehgeschäft bekommen habe, gebe es am Ort nicht mehr. Auch einen Obst- und Gemüseladen vermisst Wetzel – wenngleich sie einräumt, dass der örtliche Discounter „eine sagenhafte Qualität bei den Frischwaren hat“.

Vom Lebensmittelladen zum Fitness-Tempel

Wetzel hat viele Läden öffnen und schließen sehen. Wo einst an der Scharnhauser Straße ein Lebensmittelmarkt zu finden war – „wir hatten mal vier Anbieter am Ort“ – sei heute „eine Art Kneipe“ zu finden. Ein anderer Laden sei vom Lebensmittelgeschäft zum Fitness-Tempel mutiert. Wetzel wünschte sich mehr Fachgeschäfte. Dass diese auch in kleineren Orten überleben können, sehe man in Bernhausen oder Nellingen. „Da bekommt man alles.“ Die Mischung dort empfindet sie als attraktiv.

In Sachen Nahversorgung ist die Wahl-Plieningerin, die mit ihrer Familie wegen der ländlichen Struktur und der Nähe zum Airport gezogen ist, zufrieden. Es gebe mehrere Bäcker und Metzger, „und die Qualität ist gut“, so Wetzel. Dass kleine Läden teils nicht überleben könnten, läge, wie sie aus Gesprächen mit Inhabern weiß, nicht zuletzt an hohen Mieten. „Die muss man ja erst einmal erwirtschaften.“

Einzelhändler sind heute mehr gefordert

Den Wandel im Handel spüren nicht nur die Kunden. Auch die Einzelhändler sind heute mehr gefordert als früher, sagt Folker Baur. Seit 40 Jahren ist er mit seinem Sportgeschäft präsent. Dies, obwohl man ihm prognostiziert habe, „dass sich kein neues Geschäft halte“. Die Prophezeiung des baldigen Endes erfüllte sich nicht. Man müsse heute aber flexibler sein, auf Kundenwünsche und Trends schnell reagieren und guten Service bieten, sagt Baur. „Kleine Geschäfte haben im Nischenbereich oft gute Chancen.“ Baur weiß: Beratung und Service sind nach wie vor gefragt.

Nicht selten habe er Kunden im Laden gehabt, die zur Beratung zu ihm gekommen seien, dann aber im Internet bestellen wollten. Grund: ein günstigerer Preis. „Dann muss man halt auch schauen, was man machen kann“, gibt sich Baur pragmatisch. Die Situation des Einzelhandels sieht er gar nicht so negativ. Man müsse mit der Zeit gehen und auch Online-Angebote machen. Er selbst habe seine Ware online teilweise schon ins Ausland verkauft.

Neue Angebote bringen neue Kunden

Angebote, wie die neue Plieninger Eisdiele, brächten Zulauf. „Wenn die Leute kommen, dann sehen und nutzen sie auch andere Fachgeschäfte“, sagt Baur. Daher würde er es begrüßen, wenn man einen neuen Anlauf mit der Einrichtung eines wöchentlichen Marktes machen würde. „Das Kundenpotenzial ist jedenfalls da“, glaubt Baur.

Nichts ist im Handel beständiger als der Wandel

Frank Oschatz, der Vorsitzende der Plieninger Leistungsgemeinschaft (PLG) sieht den Ort auf den Fildern ebenfalls gut aufgestellt. „Es gilt halt nach wie vor die Weisheit: Nichts ist beständiger als der Wandel.“ Die Bedarfe und Bedürfnisse der Menschen hätten sich eben verändert, dafür könne man auch das Internet, wie es Händler oft täten, so nicht verantwortlich machen. Früher habe es etwa keine Handyläden gegeben, und auch so manche Dienstleistung, die heute selbstverständlich ist, sei nicht gefragt gewesen. Auch wenn ein Gasthaus als Spielhalle genutzt werde, sei dies immer noch besser als ein Leerstand. Das Thema Ladenleerstand sei derzeit in Plieningen aber keines. Dort, wo die Vermietung kaum klappe, habe man vor 20, 25 Jahren vielleicht einfach falsch geplant, urteilt auch Baur. Bedarf sieht er ohne Zweifel aber bei der ärztlichen Versorgung. „Ein Ärztehaus ist ein Thema“, ist Baur überzeugt. Und ein solches strahle dann auch sicher positiv auf den örtlichen Handel aus.

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