Das EUCOM sitzt in den Patch Barracks in Stuttgart-Vaihingen. Nach Trumps Plänen soll es nach Belgien verlegt werden. Foto: dpa

Sollten die US-Truppen in Stuttgart tatsächlich reduziert oder abgezogen werden, würde dies nicht nur Nachteile mit sich bringen. Mit Blick auf die frei werdenden Grundstücke könnte die Stadt profitieren.

Stuttgart - Noch ist es nur eine Drohung – wenn auch eine handfeste: US-Präsident Donald Trump will einen Teil der in Deutschland stationierten amerikanischen Truppen aus Deutschland abziehen und teilweise in andere europäische Länder verlagern. Auch die Landeshauptstadt wäre davon betroffen. Obwohl die Pläne Trumps selbst in seiner eigenen Partei und auch bei hohen Generälen auf Kritik und Widerstand stoßen, stellt sich die Kommunalpolitik darauf ein, dass etwa das US European Command (EUCOM) nach Belgien abwandert. Das Bedauern über den angekündigten Abschied in den offiziellen Stellungnahmen überwiegt, doch manche Parteien sehen auch Chancen, falls Trumps Entschluss wirklich umgesetzt würde.

 

Die drei US-Standorte in Stuttgart umfassen nach Angaben der Stadt insgesamt rund 170 Hektar Fläche und sind damit mehr als doppelt so groß wie die 85 Hektar Entwicklungsfläche, die im geplanten Rosensteinquartier zum großen Teil für Wohnungsbau reserviert sind. Die Linksfraktion im Gemeinderat sieht darin eine Chance, Stuttgarts Defizite an bezahlbarem Wohnraum auf einen Schlag zu beseitigen. Sie fordert OB Fritz Kuhn (Grüne) auf, unverzüglich bei der Bundesregierung vorstellig zu werden, damit die im Besitz des Bundes befindlichen Areale schnellstmöglich ins Eigentum der Kommune überführt werden können.

Linksfraktion will Militärgelände erschließen und zum IB-Projekt machen

Das frei werdende EUCOM-Gelände in Vaihingen etwa soll den Vorstellungen der Linksfraktion zufolge als Vorzeigeprojekt für die Internationale Bauausstellung 2027 gemacht werden. Als Vorbild könnte der Stadtteil Burgholzhof zwischen Bad Cannstatt und Zuffenhausen dienen: 1993 gaben die USA den südlichen Teil des Geländes, auf dem die eigentliche Kaserne mit Exerzierplatz gelegen war, auf. Zwischen 1996 bis 2006 entstanden dort auf knapp 13 Hektar mehr als 1000 Wohnungen für rund 3000 Einwohner.

Beste Wohnlage versprächen auch die Kelly Barracks in Möhringen, wo derzeit das United States Africa Command (AFRICOM) stationiert ist. Falls das 36 Hektar große Areal ebenfalls frei würde, könnte dies die vor allem vom SPD-OB-Kandidaten und Fraktionschef im Gemeinderat, Martin Körner, vorangetriebene Debatte über eine Teilbebauung des benachbarten Birkacher Felds obsolet machen. Doch auch Körner bleibt vorsichtig: „Dass sich die derzeit von den Amerikanern genutzten Flächen auch gut für den Wohnungsbau eignen, ist eine Binsenweisheit. Ob es aber wirklich zu einem Truppenabzug kommt, wissen wir im besten Fall nach den Präsidentschaftswahlen im November. Ich persönlich fände es auch im Stuttgarter Interesse gut, wenn Joe Biden Präsident wird – und der sieht die Sache vielleicht wieder ganz anders.“

Auch bei der Stadt sieht man keinen Anlass zur Hektik: „Jetzt schon über Wohnbebauung zu spekulieren ist viel zu früh. Wir haben dem Gemeinderat jüngst drei Szenarien vorgestellt für eine mögliche weitere Bebauung: Derzeit rechnen wir mit 23 000 weiteren Wohnungen noch in diesem Jahrzehnt“, heißt es auf Anfrage seitens der Pressestelle im Rathaus. Wie viele weitere Wohnungen im Fall des Truppenabzugs entstehen könnten, begehrt dagegen die Linksfraktion zu wissen. Für OB Kuhn eine Fragestellung, die viel zu früh kommt. „Für diese Überlegungen ist noch nicht die Zeit. Wir machen nicht den zweiten vor dem ersten Schritt“, sagte er im „Spiegel“-Interview. Zugleich verlieh er zwischen den Zeilen der Hoffnung Ausdruck, im November könnte ein anderer US-Präsident die Entscheidung nochmals revidieren.

Stadt könnte fehlende Stellen in der Verwaltung mit US-Zivilangestellten besetzen

Falls nicht, könnte die Stadt in anderer Hinsicht ebenfalls vom angekündigten Abzug der Amerikaner profitieren. So ist die Verwaltung ständig auf der Suche nach qualifiziertem Personal. Bis 2035 soll – bei rund 20 000 Beschäftigten – die Zahl der altersbedingt ausscheidenden Mitarbeiter von heute etwa 200 auf bis zu 450 pro Jahr steigen. Schon heute sind viele Stellen unbesetzt, die Qualifikation der Bewerber – siehe Baurechtsamt – genügt häufig den Mindestansprüchen nicht. Warum also nicht auf jene Zivilbeschäftigte zurückgreifen, die mutmaßlich ihren Job bei der Army verlieren, aber durchaus Qualifikation in den verschiedensten Bereichen mitbringen, die in der öffentlichen Verwaltung gefragt sind? Bei der Stadt heißt es dazu: „Die Stadt ist offen für alle qualifizierten Mitarbeiter. Noch ist der Abzug nicht besiegelt, und wir werben keine Mitarbeiter ab.“

Fakt ist: Der Abzug der US-Truppen auch aus Stuttgart ist bisher nur angekündigt, ein genauer Zeitpunkt dafür ist nicht bekannt. Und: Im Senat und im Repräsentantenhaus gibt es Pläne, den Teilabzug über das Gesetz zum kommenden Militärhaushalt zu verhindern. Falls der US-Präsident im November nicht für eine zweite Amtszeit bestätigt wird, könnte sein Nachfolger den umstrittenen Plan auf Eis legen oder zurücknehmen.