Die Kanadische Goldrute auf der Fläche im Saugraben wird entfernt, da es sich nicht um eine einheimische Pflanze handelt. Foto: Stadt Stuttgart; Fotografin: Petra Jentschke (z)6+

Die Maßnahmen für den Artenschutz gehen in die nächste Runde. Die Insekten- und Vogelvielfalt soll gefördert werden – unter anderem im Saugraben in Mühlhausen.

Mühlhausen - In den Stadtbezirken Mühlhausen sowie Unter- und Obertürkheim werden bis Ende Februar Pflegemaßnahmen für den Artenschutz durchgeführt, teilt das Amt für Umweltschutz mit. Damit soll die Insektenvielfalt in den sonnigen Lagen des Neckartals gefördert werden. Von den Pflegemaßnahmen, die in der Vegetationspause durchgeführt werden, profitieren das Neckarufer im Gewann Saugraben und der Steinbruch Stephan in Mühlhausen und Hofen, die Egelseer Heide, der Kapf und das Gewann Scherer in Obertürkheim.

So wird im Saugraben die Kanadische Goldrute großflächig entfernt, da es sich um eine nicht heimische Pflanze handelt, die andere Arten verdrängt. Dadurch sollen heimische Kräuter und Pflanzen gefördert werden. Diese Pflegemaßnahme soll zukünftig regelmäßig stattfinden. Auch die Tümpel im Saugraben werden gepflegt: Überschüssiger Schlamm soll entnommen und angrenzende Bäume und Sträucher entfernt werden. Dadurch werden die Wasserflächen für Amphibien und Wasserinsekten noch attraktiver.

Rückschnitt von Bäumen und Sträuchern

Im Steinbruch Stephan möchte das Amt für Umweltschutz trockenwarme Felswände durch Pflegemaßnahmen schützen. Sie sind wichtige Rückzugsorte für Vögel aber auch viele Insekten wie zum Beispiel Wildbienen und Schmetterlinge. Das seltene Biotop wird durch Sträucher und Bäume gefährdet, die die Felswände beschatten und überwachsen. Die Stadt hat deshalb bereits im Winter 2017/2018 im Bereich der Felswand und der oberen Hangkante Gehölze entfernt. Seit Oktober vergangenen Jahres wird die Maßnahme fortgesetzt.

Auf den Wiesen der Egelseer Heide soll die größtenteils zugewachsene Felswand freigestellt und dauerhaft freigehalten werden. Dies kommt beispielsweise den Larven der seltenen Ameisenjungfer zu Gute, die sich unter sonnigen Felsüberhängen wohlfühlen. Um die Beschattung der Wiese zu verringern, ist außerdem geplant, Bäume zu entfernen und Sträucher zurückzuschneiden. Die Freizeitfläche mit Grillplatz ist von der Maßnahme nicht betroffen und auch die Obstbaumreihen in den Wiesen bleiben erhalten. Durch vorangegangene Pflegemaßnahmen fühlen sich auf den Wiesen der Egelseer Heide seltene Wildbienen wieder heimisch. Sie sollen weiter gefördert werden, indem die Mahd auf den nicht so stark freizeitlich genutzten Flächen auf ein- bis zweimal jährlich reduziert wird.

Grundlage ist das Artenschutzkonzept

Der Kapf oberhalb Uhlbachs ist als schöner Aussichtsplatz bekannt. Zukünftig soll er auch für Tiere und Pflanzen attraktiver werden: Zu dicht stehende oder nicht heimische Gehölze werden jetzt entfernt und die Wiesenmahd wird in großen Teilen auch hier auf zwei Mal reduziert. Nicht weit vom Kapf entfernt liegt das Gewann Scherer. Durch seine sonnige Lage hat es großes Potenzial für den Naturschutz, ist aber mit vielen Sträuchern und Bäumen überwachsen. Ziel der Pflegemaßnahme ist es, im oberen Bereich eine fast baumfreie Schlehenhecke für Vögel wie den Neuntöter zu entwickeln. In der unteren Hälfte soll eine blütenreiche schmale Wiese mit einzelnen älteren Obstbäumen entstehen.

Grundlage für die Pflegemaßnahmen ist das Artenschutzkonzept der Stadt Stuttgart, das im April vergangenen Jahres der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Es dient als Leitfaden für den Naturschutz in der Landeshauptstadt. Ziel ist es, die ökologische Vielfalt zu verbessern indem Lebensräume seltener Pflanzen und Tiere wiederhergestellt und dauerhaft gepflegt werden. Während der Arbeiten kann es zu Sperrungen von Straßen und Wegen kommen.

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