Der Revierleiter Martin Rathgeb erklärt den Jugendlichen die Arbeit der Polizei und beantwortet ihre Fragen. Foto: Sandra Hintermayr

Die Vaihinger Jugendräte haben sich das Filder-Polizeirevier in Möhringen angeschaut. Und dabei gelernt, wie eine Gewahrsamszelle von innen aussieht und was sie beim Fahrradfahren lieber bleiben lassen sollten.

Möhringen/Vaihingen - Kalt und unbequem ist die Zelle. Nackte Fliesen dominieren den nur wenige Quadratmeter großen Raum. Ein ebenfalls gefliestes „Mäuerchen“ dient als Sitz- und Ruhefläche, ein Bett oder eine Liege gibt es nicht. Eine Stehtoilette aus Edelstahl ist in den Boden eingelassen. Das Bild, das die

zehn Jugendlichen am Mittwochabend gesehen haben, wird dem ein oder anderen in Erinnerung bleiben. Und das ist Martin Rathgeb, dem Leiter des Polizeireviers 4, nicht unrecht. Er hat die Jugendräte aus Vaihingen durch das Revier geführt und ihnen die Arbeit der Polizei erklärt. Der Blick in die Gewahrsamszellen sollte auch abschreckend wirken. „Ihr wollt sicher keine Nacht darin verbringen“, sagte Rathgeb. Drei Zellen gibt es im für die Filderbezirke Vaihingen, Möhringen, Degerloch, Sillenbuch, Plieningen und Birkach zuständigen Revier an der Balinger Straße. In der Regel stehen die schweren Türen offen, die Zellen seien nur selten belegt, sagte Rathgeb.

Das Filder-Revier ist zuständig für 138 000 Menschen in sechs Bezirken

Das Revier 4 ist das flächenmäßig größte in Stuttgart und für ein Drittel der Fläche der Landeshauptstadt zuständig, nämlich für 37 Stadtteile und Wohngebiete in sechs Bezirken mit insgesamt etwa 138 000 Einwohnern. „Vom Katzenbacher Hof in Büsnau bis hin zum Gebiet Plieningen-Ost sind das 28 Kilometer“, sagte der Revierleiter. Für die Beamten sei das kein Zuckerschlecken, insbesondere im Berufsverkehr und wenn sie nicht mit Sonderrechten unterwegs sein dürfen: „Bei einem kleinen Verkehrsunfall ohne Personenschaden etwa dürfen wir nicht mit Blaulicht und Martinshorn fahren“, erklärte Rathgeb. „Dann stehen wir im Stau wie alle anderen auch.“ Rathgeb betonte, dass die Jugendlichen dennoch keine Scheu haben sollten, die Polizei zu verständigen. „Wir sind für die Bürger da. Wenn ihr etwas auf dem Herzen habt, dürft ihr immer zu mir und zu uns kommen“, sagte Rathgeb.

Unter die Zuständigkeit des Reviers 4 fallen auch das Gazi-Stadion auf der Waldau und das SI-Centrum mit seinen Musicals sowie über 30 Flüchtlingswohnstätten. Dort gebe es allerdings nicht mehr Einsätze als bei deutschen Mitbürgern, die in ähnlichen Wohnverhältnissen leben, sagte Rathgeb. „Es gibt hin und wieder Einsätze, aber nicht mehr als bei den Deutschen“, sagte der Revierleiter.

Der Einsatz von Pfefferspray gegen Menschen ist strafbar

Im Hinblick auf das bevorstehende Frühlingsfest auf dem Cannstatter Wasen wollten die Vaihinger Jugendlichen wissen, wie sie sich bei solchen Veranstaltungen vor Übergriffen schützen können und ob Pfefferspray legal ist. Solange es sich um ein sogenanntes Tierabwehrspray handle, sei das Tragen eines Pfeffersprays prinzipiell erlaubt, erklärte Rathgeb. Der Einsatz gegen Menschen sei aber eine Straftat.

Bei Großveranstaltungen wie dem Frühlingsfest könnten zudem zahlreiche weitere Menschen Verletzungen davontragen. „Bleibt in Gruppen, geht nicht alleine irgendwo hin und ruft lautstark um Hilfe, wenn ihr bedroht werdet“, gab Rathgeb den Jugendlichen stattdessen mit auf den Weg. Die Polizei hingegen darf Pfefferspray mit sich führen und einsetzen.

Nicht mit Alkohol, Drogen oder Handy Rad fahren

Dass das Handy am Steuer eines Autos verboten ist, wussten die Jugendräte. „Aber wie ist es beim Fahrradfahren?“, fragten sie. „Jeder Verkehrsteilnehmer muss sich so verhalten, dass er nicht in irgendeiner Weise beeinträchtigt wird“, sagte Rathgeb. „Wenn ihr auf dem Fahrrad am Handy spielt oder laute Musik hört, seid ihr das aber.“ Wer erwischt wird, kann mit einem Bußgeld von 25 Euro für das Handy belangt werden.

Zwar liegen die Promillegrenzen beim Radfahren höher als beim Autofahren, dennoch riet der Revierleiter den Jugendlichen davon ab, unter Alkoholeinfluss Fahrrad zu fahren. „Wer mit absoluter Fahruntüchtigkeit erwischt wird, wird bei der Führerscheinstelle gemeldet“, sagte Rathgeb. Das könne dann dazu führen, dass die Jugendlichen ihren Führerschein jahrelang nicht bekommen, obwohl sie die Prüfung in Theorie und Praxis eigentlich bestanden hätten. Das gelte nicht nur für Alkohol, sondern auch für Drogen. „Lasst einfach die Finger davon. Egal ob legal oder illegal“, sagte Rathgeb. Und wer als Fußgänger betrunken auf die Straße torkle und einen Unfall verursache, bekomme ebenfalls eine Teilschuld und kann belangt werden.

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