Der Bäcker David Peschel lebt in Spanien. Er möchte zurück zum Handwerksbrot. Foto: privat

Lothar Wolf aus Stuttgart-Möhringen ist Bäckermeister im Ruhestand, doch einmal in der Woche öffnet er seine Garage und bietet Brot und Brötchen an. Das könnte nun Nachahmer finden.

Möhringen - Erfolgreich ist Lothar Wolfs Konzept von Anfang an gewesen. Doch nachdem verschiedene Medien über den Garagenbäcker berichtet hatten, stieg die Nachfrage noch einmal deutlich. Mittlerweile gebe es so viele Interessenten, dass er die Aufträge kaum noch abarbeiten könne, sagt der Möhringer. Und ein Ende sei nicht in Sicht.

Eigentlich ist Lothar Wolf längst im Ruhestand, doch weil er kein Brot fand, das seinen Ansprüchen genügte, griff er wieder selbst zu Mehl und Hefe und fing an, in einem Ofen in seiner Garage zu backen. Sein Brot schmeckte auch dem Nachbar, und dem Nachbarn des Nachbarn – und so sprach sich die Idee immer weiter herum.

Mittlerweile verkauft er immer freitags Brot, Brötchen und süße Stückchen. Lothar Wolf könnte das Geschäft ausweiten, aber er sagt: „Das, was ich an einem Tag schaffe und machen kann, das mache ich mit Freude. Ich möchte so viele Menschen wie möglich mit meinen Waren versorgen. Aber wieder mehr arbeiten, das möchte ich nicht.“ Dennoch freue er sich über jeden Zuspruch und jede positive Rückmeldung. „Wenn man etwas gern macht und damit Erfolg hat, dann ist es doch gut“, sagt der Bäckermeister.

Der Wahl-Spanier erhofft sich Tipps von einem Fachmann aus Stuttgart

Das, was er macht, hat sich mittlerweile sogar bis nach Spanien verbreitet. Unsere Zeitung erreichte eine E-Mail aus Léon – mit der Bitte, einen Kontakt zu dem Möhringer Garagenbäcker herzustellen. David Peschel hat sie geschrieben. Er sei in den vergangenen Jahren viel gereist und habe sich nun im Oktober 2019 im Nordwesten der Iberischen Halbinsel niedergelassen, berichtet der Weltenbummler. Davor habe er in Argentinien gelebt. Dort habe er erst verschiedene Sprachzertifikate an der Uni Córdoba gesammelt und dann zwei Ausbildungsgänge im argentinischen Bäckerhandwerk absolviert. „Danach hat man Anspruch darauf, in einer Bäcker-Jobbörse registriert zu werden. Während dieser Ausbildungen lernte ich unter anderem auch, dass in deutsches Brot Bier gehört“, schreibt er in seiner Mail an unsere Zeitung. Von Haus aus sei er allerdings Fachmann für Lebensmitteltechnik und staatlich geprüfter Fleischtechniker. Bei einem großen Backwarenbetrieb mit mehr als 100 Öfen sei er im Qualitätsmanagement tätig gewesen.

„Mein Wunsch, mit Herrn Wolf in Kontakt zu treten, resultiert daraus, dass ich jetzt in León eine kleine Bäckerei übernommen habe und mir von Herrn Wolf sehr wichtige Tipps für diesen Betrieb verspreche“, schreibt der Wahl-Spanier und ergänzt: „Im Prinzip sind wir der gleichen Meinung: weg von den Hunderten von E-Nummern und zurück zum Handwerksbrot. Ich bin davon überzeugt, dass das eine gefragte Marktnische ist.“ Durch die Einschränkungen wegen der Corona-Krise sei aber leider vieles liegen geblieben. Darum werde sich die Neueröffnung seines Betriebs nun wahrscheinlich bis in den Herbst hineinziehen.

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