Pedaleure können ihren Drahtesel bei der Fahrradstation unterstellen. Zudem bietet das Team der Neuen Arbeit einen Reparatur- und Wartungsservice an. Foto: Archiv Alexandra Kratz

Die Baugenossenschaft Friedenau hat ein Grundstück am Bahnhof in Stuttgart-Möhringen gekauft und plant einen Neubau. In diesem könnte die Neue Arbeit für ihr Projekt neue Räume finden. Ganz sicher ist das aber noch nicht ...

Möhringen - Immer wieder haben die Bezirksbeiräte nachgefragt, wie es mit der Fahrradstation am Bahnhof weitergeht. In der jüngsten Sitzung konnte die Bezirksvorsteherin Evelyn Weis endlich eine gute Nachricht verkünden. Die Baugenossenschaft Friedenau habe das Grundstück gegenüber dem Bürgerhaus gekauft und wolle dort ein neues Wohn- und Geschäftsgebäude errichten, verlas sie. Die Landeshauptstadt strebe in Verhandlungen mit der Baugenossenschaft an, dort im Erdgeschoss die Fahrradstation auf Mietbasis einzurichten, zitierte sie aus einem Schreiben des Referats Städtebau und Umwelt.

Das Sozialunternehmen Neue Arbeit betreibt die Fahrradstation derzeit. Dort können Pedaleure ihre Drahtesel unterstellen, wenn sie beispielsweise nur zum Möhringer Bahnhof radeln und dann mit der Stadtbahn weiterfahren wollen. Darüber hinaus bieten die Mitarbeiter der Fahrradstation einen Reparatur- und Wartungsservice an. Nicht zuletzt hat das Projekt auch eine soziale Komponente. Denn in der Fahrradstation arbeiten neben Festangestellten auch Ein-Euro-Jobber und Menschen, die von einem Gericht Arbeitsstunden verordnet bekommen haben.

Derzeit befindet sich die Station in einem Schuppen westlich des Bahnhofsgebäudes. Das Grundstück gehört der Bietigheimer Wohnbau und der Strenger Wohnbau, die es neu bebauen wollen. In den Plänen der Unternehmen kommt die Fahrradstation jedoch nicht vor. Der Schuppen soll abgerissen werden. Darum muss ein neues Quartier gefunden werden.

Die Beteiligten müssen sich noch über die Miete einig werden

Die Pressestelle der Stadt bestätigt den Grundstücksverkauf. Die Verwaltung habe Kenntnis darüber, dass die Bietigheimer Wohnbau und die Strenger Wohnbau das Flurstück mit der Nummer 3231/31 im November 2017 an die Baugenossenschaft Friedenau weiterverkauft habe, heißt es in der schriftlichen Stellungnahme. Die Friedenau gehört zum Verbund der Stuttgarter Wohnungsbaugenossenschaften. Ihr Ziel ist „der Bau von schönen und zweckmäßig eingerichteten Wohnungen zu günstigen Konditionen“. So steht es auf der Internetseite.

Wilhelm Frey kennt die Details zum geplanten Neubau. Er ist Vorstandsmitglied bei der Friedenau und zuständig für die Bauleitung. Am Bahnhof sei ein viergeschossiges Gebäude mit Tiefgarage geplant. Im Erdgeschoss sei Platz für die Fahrradstation. Darüber entstehen zwei Geschosse mit Büroräumen und ein Geschoss mit etwa acht Wohnungen. Auch die Friedenau-Mitarbeiter ziehen um. Aktuell ist die Geschäftsstelle einige hundert Meter entfernt an der Holdermannstraße. Doch die Räume seien zu klein, sagt Frey. Die Friedenau möchte 2018 oder 2019 mit dem Neubau beginnen. Wann der Neubau bezugsfertig ist, kann Frey derzeit noch nicht sagen.

Auf die Frage, wie es zur Kooperation zwischen der Friedenau und dem Sozialunternehmen Neue Arbeit gekommen sei, antwortet er: „Die Neue Arbeit hat sich bei uns beworben.“ Das Angebot der Friedenau stehe: „Wenn die Neue Arbeit das möchte, bekommt sie das Erdgeschoss.“ Allerdings müssten sich alle Beteiligten noch über die Miete einig werden. Claus Köhnlein, der Fahrradbeauftragte der Stadt Stuttgart, ergänzt: „Wir sind in Verhandlungen. Die Details müssen noch geklärt werden.“ Fakt sei, dass die Stadt die Räume für eine Fahrradstation anmieten würde. Das Projekt müsse dann neu ausgeschrieben werden. „Es ist also auch nicht sicher, ob die Neue Arbeit wieder der Betreiber der Fahrradstation wird“, sagt Köhnlein.

Die Station könnte vergrößert und das Angebot erweitert werden

Hans-Ulrich Rabeneick ist dennoch frohen Mutes. Er ist der stellvertretende Geschäftsführer der Neuen Arbeit und zuständig für die Fahrradstation. „Es gibt bereits erste Entwürfe, wie die Fahrradstation künftig aussehen könnte“, sagt er. Die Station solle vergrößert und das Angebot erweitert werden. Rabeneick und sein Team wollen künftig zum Beispiel auch Pedelecs und Fahrradanhänger vorhalten. Das sei am jetzigen Standort nicht möglich, weil es zu eng sei und es keinen ebenen Zugang gebe, sagt der stellvertretende Geschäftsführer. Er hofft, dass es einen nahtlosen Übergang gibt. Also dass die Fahrradstation so lange an ihrem alten Standort bleiben kann, bis der Neubau fertig ist.

Der Bezirksbeirat und auch mehrere Fraktionen aus dem Stuttgarter Gemeinderat hatten sich in der Vergangenheit für die Fahrradstation stark gemacht. Bei einer Unterschriftenaktion im Sommer 2016 sprachen sich mehr als 1000 Menschen aus ganz Stuttgart für den Erhalt der Einrichtung am Möhringer Bahnhof aus.

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