Versandapotheken machen den Filialen vor Ort Konkurrenz, unter anderem mit günstigeren Preisen. Die Pharmazeuten müssen sich dieser Herausforderung stellen. Foto: dpa

Onlineapotheken machen den niedergelassenen Pharmazeuten das Leben schwer. Dennoch gibt es den Bedarf, sagt der Möhringer Apotheker Volkhard Lechler. Denn Filialen können Dienste anbieten, die es im Internet nicht gibt.

Möhringen - Der Verbraucher steuert, wo es hingeht. „Egal ob Medikamente, fair gehandelte Produkte oder Glas- statt Plastikflaschen: Der Handel bietet alles an, es liegt an uns, zu entscheiden, was und wo wir kaufen“, sagt Volkhard Lechler. Der Apotheker ist der Inhaber der Linda Apotheke an der Filderbahnstraße. „Mit Onlinekäufen machen wir unsere Einkaufskultur kaputt“, sagt Lechler. Das gelte für den Buchhandel ebenso wie für Apotheken. Bereits heute werde jede vierte Packung nicht verschreibungspflichtiger Medikamente im Internet verkauft, sagt Lechler. „Jede Packung, die nicht vor Ort gekauft wird, geht zulasten der Geschäfte“, sagt der Apotheker.

Die Stärke liegt in der Beratung und im Service

Oftmals sind die Medikamente online günstiger. Doch kostendeckend arbeiten könnten die wenigsten Onlineapotheken, sagt Lechler. Immer mehr gehen insolvent, immer mehr werden von der niederländischen Versandapotheke Doc Morris aufgekauft. Eine Entwicklung, die der Möhringer Apotheker kritisch betrachtet, nicht nur, weil Doc Morris damit auf dem besten Weg ist, ein Monopol aufzubauen. Der Pharmakonzern darf auch Rabatte auf verschreibungspflichtige Medikamente geben, während sich die deutschen Apotheken an die Preisbindung halten müssen – ein klarer Wettbewerbsnachteil, klagen niedergelassene Pharmazeuten. Für die Apotheker bedeutet der Onlinehandel mit Medikamenten oftmals Umsatzeinbußen. Das merkt auch Volkhard Lechler. Dennoch gebe es den Bedarf an Apotheken. „Online kaufen, heißt klicken. Bei Sonderwünschen sind wieder die Apotheker vor Ort gefragt.“

Die schnelle, persönliche und kompetente Beratung vor Ort sei eine Stärke, auf die es sich zu besinnen gelte. „Wir können den Menschen ganzheitlich betrachten und Ratschläge geben, welche Medikamente sich mit anderen ergänzen und welche weniger gut verträglich sind. Diese Beratung ist Gold wert“, sagt Lechler. Gerade auch am Wochenende und an Feiertagen sei der Pharmazeut vor Ort nur schwer zu ersetzen. „Doc Morris leistet keinen Notdienst.“ Ein Profil zu bilden, sei wichtig für die Apotheker. „Wir müssen zeigen, welche Vorteile wir bieten. In der persönlichen Beratung oder bei Zusatzleistungen“, sagt Lechler. Dazu könne beispielsweise das Blutdruckmessen in der Filiale gehören.

Apotheker finden selten Nachfolger

In Städten wie Stuttgart gebe es noch recht viele niedergelassene Apotheken. „Aber auch wir werden künftig mit weniger auskommen müssen“, sagt Lechler und spricht aus eigener Erfahrung. Seine Filiale in Sonnenberg wird er bald aufgeben. „Bislang hat sich kein Pharmazeut gefunden, der die Apotheke übernehmen möchte.“ Der fehlende Nachwuchs sei ein Problem, das viele Apotheker betreffe. „Wenn ich als Mitarbeiter fast genauso viel verdienen kann wie als Filialleiter, warum sollte ich dann eine eigene Apotheke aufmachen?“, so Lechler. Es sei ein finanzielles Risiko, heute noch eine Filiale zu eröffnen.

Dennoch sind es persönliche Gründe und keine wirtschaftlichen, die ihn bewegt haben, die Apotheke am Sonnenberg aufzugeben. Er wolle sich künftig ganz auf die Filderbahnapotheke in Möhringen konzentrieren, bedauere aber die Schließung. „Für die Sonnenberger ist das natürlich keine gute Nachricht.“ Insbesondere die Bürger, die nicht sehr mobil zu Fuß seien und kein Auto hätten, werde das vor Schwierigkeiten stellen, denn die nächsten Apotheken sind in Möhringen oder Degerloch. Lechler biete allerdings einen Medikamentenlieferdienst an.

Apotheken vor Ort werden weniger

Die Zahl der Apotheken vor Ort bemesse sich nach der Anzahl an Anwohner in der Umgebung, sagt Lechler. Aus diesem Grund lägen Apotheken in Städten oft nah beieinander. Man rechne in etwa 3500 Einwohner pro Filiale. Doch bereits heute gehe die Rechnung nicht immer auf. In Zukunft werde sich das – auch aufgrund des zunehmenden Online-Medikamentenhandels – weiter verschlechtern. „In Städten wie Stuttgart ist das noch zumutbar, weil es recht viele Apotheken gibt. Aber in ländlichen Gegenden ist das schwierig“, sagt Lechler.

Der Bürger allerdings könne etwas gegen diesen Negativtrend tun, betont der Möhringer Apotheker. „Wir bestimmen, wo wir unsere Medikamente holen, im Internet oder in der Filiale“, sagt Lechler. Das Verhalten des Verbrauchers beeinflusse nicht zuletzt, wie viele Apotheken es künftig noch vor Ort geben werde.

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