Friedlinde Gurr-Hirsch und Christian Hermes beim Gottesdienst Foto: Lichtgut/F. Iannone

Wie gelingt es, die Einstellung zu Lebensmitteln zu verändern? Darüber diskutiert der Stadtdekan Christian Hermes mit der Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirrsch am Erntedanksonntag in St. Eberhard.

Stuttgart - Der Corona-Pandemie etwas Gutes abgewinnen zu wollen, das ist gewagt. Doch vor leeren Supermarktregalen zu stehen, in denen plötzlich Grundnahrungsmittel wie Mehl, Nudeln oder Hefe fehlen, „hat viele Menschen sensibilisiert und ihnen die Wertigkeit von Lebensmitteln wieder ganz unmittelbar vor Augen geführt“. Für den katholischen Stadtdekan Christian Hermes, der am Sonntag in der Domkirche St. Eberhard in Stuttgart den Erntedank-Gottesdienst zelebriert hat, stellt sich aber nicht nur angesichts der Pandemie, sondern auch auf dem Hintergrund riesiger Mengen an Lebensmitteln, die in unseren modernen Gesellschaften weggeworfen werden, zunehmend die Frage, was da passiert ist, dass wir den Umgang mit diesem hohen Gut verlernt haben.

Friedlinde Gurr-Hirsch diskutiert mit dem Stadtdekan

Anlässlich des Erntedankfestes, das in den meisten christlichen Kirchengemeinden traditionell am ersten Sonntag im Oktober gefeiert wird, hatte Stadtdekan Hermes die Staatssekretärin im Landwirtschaftsministerium, Friedlinde Gurr-Hirsch (CDU), zum Gottesdienst eingeladen, um mit ihr in einer „Dialogpredigt“ über das Thema Lebensmittelverschwendung zu sprechen. Gurr-Hirsch, die, wie sie erzählt, selbst in einer bäuerlich geprägten Familie aufgewachsen ist, machte die moderne „Entfremdung von der Natur“ als Grund dafür aus, wieso viele „den respektvollen Umgang mit Lebensmitteln“ verloren haben. Sie erinnerte daran, dass traditionelle Gerichte wie Gaisburger Marsch oder Arme Ritter einst dazu dienten, Lebensmittelreste zu verwerten. Vor dem Hintergrund der steigenden Infektionszahlen in Europa mahnte die Staatssekretärin, dass das Funktionieren der staatenübergreifenden Lebensmitteltransportketten aus Ländern wie etwa Spanien nicht gewährleistet seien. Im Anschluss an den Gottesdienst lagen im Eingangsbereich des Doms Rezepte aus, die dazu anregen sollen, mehr selbst zu kochen.