Pfarrer Joachim Schlecht (links) informierte auf dem Schlossplatz. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Auf dem Stuttgarter Schlossplatz hat der Arbeitskreis Asyl für die Familienzusammenführung von Flüchtlingen geworben. Ohne sie ist eine Integration der Menschen unmöglich, argumentieren die Organisatoren.

Stuttgart - Drei Jahre ist es her, dass die Syrerin Kanaria Abdul Kader ihre beiden Kinder und ihren Mann nicht mehr gesehen hat. Kader lebt mittlerweile in Deutschland, ihre Familie aber noch in Damaskus. Am Samstag hat sie zusammen mit anderen Geflüchteten und ehrenamtlichen Mitarbeitern des Stuttgarter Arbeitskreis Asyl an einer Mahnwache auf dem Schlossplatz teilgenommen. Die Aktion hatte zum Ziel, die Öffentlichkeit auf das Schicksal von Menschen wie Kader aufmerksam zu machen.

„Alle Menschen mit subsidiärem Schutz sollen ihre Familien nachholen dürfen“, forderte Pfarrer Joachim Schlecht vom Arbeitskreis Asyl. Subsidiären Schutz erhalten Menschen, die keine Flüchtlinge im Sinne der Genfer Flüchtlingskonvention von 1951 sind, denen bei Rückkehr in ihr Heimatland aber ernsthafter Schaden droht.

Artikel des Grundgesetzes seit zwei Jahren ausgesetzt

Schlecht verweist auf das Grundgesetz: gemäß Artikel 6 stehen Ehe und Familie „unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung“. Grundsätzlich haben Geflüchtete mit subsidiärem Schutz das Recht, ihre Familien nachzuholen. Die Große Koalition hatte dieses Recht jedoch 2016 für zwei Jahre ausgesetzt, ab August soll es in stark begrenztem Umfang wieder gelten.

Die Angst und Ungewissheit um das Schicksal der Angehörigen, die oft in Kriegsgebieten zurückbleiben, erschwere in vielen Fällen die Integration der Geflüchteten in Deutschland oder mache sie unmöglich, sagte Joachim Schlecht. „Es ist in so einer Situation natürlich schwer, eine neue Sprache zu lernen oder einer Arbeit nachzugehen.“ Die Resonanz auf die Mahnwache sei gut gewesen, sagte Schlecht – kritische Nachfragen von Passanten inbegriffen.

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