„Man merkt schon, dass die Leute noch mal raus wollen“, heißt es unisono in der Stadt – auch am Palast der Republik. Foto: Lichtgut/Iannone

Vom 2. November an gilt in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens ein Teil-Lockdown. Viele haben das Wochenende davor noch einmal für einen Restaurant- oder Kinobesuch genutzt. Was war in Stuttgart besonders gefragt?

Stuttgart - Gab es am Wochenende das letzte Hurra vor einmonatiger Enthaltsamkeit in der Stadt? Aus Sicht der Polizei eher nicht: „Es war alles sehr, sehr ruhig.“ Wenig los, nichts Besonderes. Ein Überblick über einzelne Bereiche:

 

Restaurants sind gut besucht

Eine Stunde vor Ladenschluss ist die Königstraße zwar nicht so voll wie zu ihren besten Zeiten, aber gut gefüllt. Die Leute bummeln, und das macht hungrig. Ob Alte Kanzlei, 5 oder Café Le Théâtre: Die Lokale sind voll, mitunter bis auf den letzten Platz – wohl aber weniger wegen des bevorstehenden Teil-Lockdowns, sondern eher wegen des Wochentags. Zwei Paare aus Ostfildern und Obertürkheim haben eines der beheizten Holzfässer im Außenbereich des Ochs’n Willi ergattert. „Wir haben das schon am Dienstag ausgemacht und sind froh, dass es geklappt hat“, sagt eine Frau angesichts der Schlange. Auch vor Carls Brauhaus staut es sich. Eine zehnköpfige Gruppe, junge Leute aus Stuttgart und Ulm, hatte Glück. Sie besetzt einen der großen Tische, und immerhin sei es vorerst der letzte Abend in der Konstellation, sagt ein 21-Jähriger. Er trägt’s mit Fassung, wie die meisten. Es gibt aber auch Schimpfer. „Die Volkswirtschaft wird zerstört“, poltert ein Schweizer, der vor dem Ochs’n Willi ansteht.

Letzte Chance auf Kino

Samstag ist Kinotag, und für Stefanie Friedrich ist der Besuch im Gloria an diesem Wochenende gesetzt. Sie hat sich für „Tenet“, einen Sci-Fi-Thriller, entschieden – inklusive Popcorn. „Ich bin extra noch mal gekommen, bevor vier Wochen zu ist“, sagt sie. Die Frau aus dem Stuttgarter Westen ist Schauspielerin. Sie wolle vor dem Lockdown Kulturtreibende unterstützen. Stefanie Friedrich ist an diesem Abend längst nicht allein. Nach und nach füllt sich das Foyer – im Gloria wie in den anderen Innenstadtkinos, etwa dem Metropol. Viele Zufallsbesucher sind darunter, so auch ein junges Paar, das im Kinosessel den Geburtstag nachfeiern möchte. Laut dem Mitarbeiter an der Gloria-Kasse sind für „Tenet“ zehn Minuten vor dem Start 61 von 100 Karten verkauft. Auch die anderen Kinos seien in einem ähnlichen Verhältnis „ganz ordentlich“ ausgelastet. „Für Corona-Verhältnisse ist das okay“, sagt er nickend.

Andrang vor den Bars

Ist’s das Wetter, ist’s der Abschiedsschmerz? Wohl ein Mix lockt die Menschen an diesem denkwürdigen Halloween-Abend massenhaft in und vor allem vor die Bars. Am Tatti stehen Menschen an, auch vor den Bars am Hans-im-Glück-Brunnen ist kein Stuhl frei. Dass bisweilen der Mindestabstand unterschritten wird, scheint kaum einen zu stören. Zwei Studentinnen, die am Transit/Bergamo mit einem Glas Wein auf ihr Wiedersehen anstoßen, ist fast zu viel los in der Stadt. „Wir wollten uns extra draußen treffen“, sagt die eine. Andere genießen den Trubel. Drei Mittzwanzigerinnen haben sich noch mal am Palast der Republik verabredet. „Ja, natürlich, wenn ich mir vorstelle, dass jetzt einen Monat lang alles zu hat“, sagt eine. Die Musik dröhnt, der Platz ist voll. Das könnte ein lukrativer Herbst werden. Ein Palast-Barmann wirkt schmallippig. „Ist halt so“, sagt er. „Man merkt schon, dass die Leute noch mal rauswollen“, sagt eine Bedienung im Deli. Wie sie sich dabei fühle? Die Antwort bleibt sie schuldig. Sie habe jetzt keine Zeit.

Warten vor dem Schwimmbad

Schlange lang, Stimmung friedlich! Am Samstag standen Badefreudige jeden Alters bei strahlender Herbstsonne schon bevor das Leuze um 12 Uhr öffnete geduldig an, um in das Thermalbad zu kommen, bevor nun der „Lockdown light“ greift. „Vor allem für Kinder ist es schade, dass vier Wochen zu ist“, so eine Mutter, die ihre vier Kleinen in Richtung Kasse bugsierte. „Daher habe ich Online-Tickets für Samstag und Sonntag gebucht.“ Alle 250 E-Tickets für Samstag seien verkauft, bestätigte eine Mitarbeiterin. „Jedes hat ein Zeitfenster von vier Stunden. An der Kasse gibt es noch ein kleines Kontingent von 35 Tickets.“ Das freute einige. „Ich besuche jemanden in Stuttgart, nun kann ich schwimmen“, so ein Mann. Eine Seniorin betonte, sie sei mehrmals pro Woche im Leuze. „Heute ist bis auf Weiteres die letzte Chance, leider. Man fühlt sich sicher hier.“ Es gehe eben genau und persönlich zu, meinte ein Leuzianer-Paar. Eigentlich sei immer voll. Durch die Zeitfenster seien indes weniger Menschen in der Sauna: „Das könnte zukünftig bleiben. Sehr angenehm!“

Geordnet ins Museum

Übersichtlich präsentierte sich auch der Innenhof des Alten Schlosses. Indes hatten einige Besucher bereits Zeitfenstertickets gekauft, wie zwei Familien aus Winnenden. „Gut, dass der Lockdown erst am Montag beginnt“, freuten sie sich. Vor der Schließung wollte ein Mutter-Tochter-Gespann unbedingt „Fashion?! Was Mode zu Mode macht“ sehen, kam eigens angereist. „Wer weiß, wann es wieder geht.“ Ähnliches vor der Staatsgalerie: keine Schlangen. „Die Online-Tickets für die Impressionisten waren weg. Also sind wir in die Dauerausstellung, um nochmals Kunst zu erleben“, hieß es. Auch im Kunstmuseum Stuttgart, das ohne Online-Ticketing arbeitet, ging es ruhig zu. Aber: Studierende recherchierten für die Uni. Wer es noch nicht gesehen hatte, ging in „Der Traum vom Museum ‚schwäbischer Kunst‘“, der ist nach der Pause ausgeträumt. Einige junge Mädchen betonten, im Café vor dem Kubus sitzend, dass sie am Sonntag die Schau „Wände Walls“ besuchen würden. „Läuft zwar bis Ende Januar, aber in diesen Zeiten weiß man nie.“ Am Sonntag war es dann auch voller.