Rund 17.500 Läuferinnen und Läufern sind beim 23. Stuttgart-Lauf an den Start gegangen. Während der Regen am Samstag noch für Probleme gesorgt hatte, waren die Lauf-Bedingungen am Sonntag nahezu ideal.
Stuttgart - Abgekämpft, aber glücklich, lief Christine Schleifer in die Mercedes-Benz-Arena ein. Zum fünften Mal in Folge war sie mit einer Zeit von 1:15:26 die schnellste Frau beim Halbmarathon über knapp 21,1 Kilometer. „Meine beste Zeit in Stuttgart. Ich komme immer wieder gerne hierher, die Atmosphäre ist einfach toll“, sagte Schleifer. Der zweite Platz ging an Julia Galuschka, dritte wurde Petra Pastorova. Zum ersten Mal beim Stuttgart-Lauf am Start war Carwyn Jones aus Cardiff. Mit einer Zeit von 1:09:16 holte er sich am Sonntag den Sieg bei den Herren, gefolgt von Daniel Noll und Bastian Franz. Jones kam auf Einladung der Stadt aus dem walisischen Cardiff, der Partnerstadt Stuttgarts. „Der Lauf war toll, das Wetter nahezu perfekt“, sagte Jones, der zwar zum ersten Mal überhaupt in der Landeshauptstadt war, aber nicht ausschloss, im nächsten Jahr wieder zu kommen.
Die Jüngsten machen beim Jolinchen-Lauf mit
Bereits am Samstag startete die Jugend in verschiedenen Läufen beim AOK Kids Day. Die jüngsten Teilnehmer gingen gemeinsam mit ihren Eltern beim Jolinchen-Lauf an den Start. Jeder der Teilnehmer bekam am Ende der 700 Meter langen Strecke eine Medaille. „Die ist für meinen Stiefbruder“, sagte Maja gleich nach dem Lauf. Weil der zwölfjährige Yannik nicht mitlaufen konnte, schenkte die vierjährige Athletin ihm einfach ihre Medaille. Dabei sein ist alles, galt auch für die fünfjährige Luisa, die mit ihrem Vater am Stuttgart-Lauf teilgenommen hat. „Für die Kinder ist es eine tolle Erfahrung, ins Stadion einzulaufen“, sagte Thomas Bauer. Zumindest für die meisten: Ein kleiner Junge weinte, weil er seine Mutter im Getümmel verloren hatte, während ein Vater seinen Junior kurz vor der Ziellinie noch mit kräftigen Rufen anspornte, bevor die Mamas und Papas mit ihren Kinderwagen ins Stadion einliefen.
Etwa 17 500 Breitensportler haben am 23. Stuttgart-Lauf am Samstag und Sonntag teilgenommen. Neben dem Halbmarathon, dem Sieben-Kilometer-Lauf und den Läufen für Kinder in verschiedenen Altersklassen gab es Wettkämpfe für Rollstuhl- und Handbike-Fahrer ebenso wie für Inline-Skater. Erstmals gab es auch Nordic Walking über sieben Kilometer. „Es ist ein richtiges Familienevent“, sagte Jürgen Scholz, der Präsident des Württembergschen Leichtathletikverband WLV, dem Veranstalter des Stuttgart-Laufs. „Die Stimmung war am ganzen Wochenende einfach sensationell“, so Scholz.
Rund 1000 Helfer sind im Einsatz
In diesem Jahr ist Stuttgart Unicef-Kinderstadt. Aus diesem Grund spendeten 4000 Läufer jeweils einen Euro für verschiedene Unicef-Projekte. Der WLV legte noch einmal 5000 Euro drauf. „Ein Teil des Geldes kommt einem Spielmobil für Flüchtlingskinder in Stuttgart zugute“, sagte die Bürgermeisterin für Soziales, Jugend und Gesundheit, Isabel Fezer, die den Startschuss für die Läufe am Sonntag gab. Zudem sind 18 Flüchtlinge bei den Wettbewerben an den Start gegangen, die Teilnahmegebühr hat der WLV übernommen. Weitere Flüchtlinge haben sich neben der Strecke ehrenamtlich engagiert. Insgesamt 1000 Helfer sorgten an beiden Tagen für einen reibungslosen Ablauf.
„Wir hatten heute ideales Laufwetter“, sagte Scholz. Am Sonntag war es nicht zu warm und nicht zu kalt, sogar die Sonne ließ sich pünktlich zum Zieleinlauf des Halbmarathons blicken. Am Samstag dagegen waren die Organisatoren zum Umplanen gezwungen. Drei heftige Regenschauer sorgten dafür, dass die Starts der Kinderläufe um einige Minuten verschoben werden mussten. Doch auch am Sonntag kamen nicht alle Teilnehmer trockenen Fußes ins Stadion: Kurz vor dem Zieleinlauf der Sieben-Kilometer-Strecke gab es einen Wasserrohrbruch im Fritz-Walter-Weg, der einen Teil der Route unter Wasser setzte. Zudem rückte die Feuerwehr am Sonntagvormittag mit vier Fahrzeugen an. Eine Brandmeldeanlage des Hilton Garden Inn im Carl-Benz-Center hatte ausgelöst. Es handelte sich jedoch um einen Fehlalarm, weswegen die Einsatzkräfte schnell wieder abrücken konnten. „Das sind die Dinge, die man nicht voraussehen kann“, sagte Gerhard Müller, der Projektleiter des Stuttgart-Laufs.
92 Einsätze des Rettungsdienstes
Für die Mitarbeiter des Rettungsdienstes ist der diesjährige Stuttgart-Lauf ein durchschnittlicher Einsatz gewesen. 92 Mal mussten sie Hilfe leisten, meist wegen Abschürfungen nach Stürzen oder wegen Kreislaufproblemen. Sechs Athleten mussten ins Krankenhaus gebracht werden. „Aber alles relativ harmlos, es war kein Notarzt von Nöten“, sagte Müller. Das schlimmste sei eine ausgerenkte Schulter nach einem Sturz gewesen. Ganz ohne Schmerzen ist ein Halbmarathon in den seltensten Fällen zu bewältigen. Krämpfe oder „dicke Waden“, wie eine humpelnde Sportlerin es ausdrückte, gehören dazu. Bei manchen Läufer zeichneten sich auch blutige Brustwarzen durch das Trikot ab.